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Regional Messe rechnet mit tiefroten Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Regional Messe rechnet mit tiefroten Zahlen
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18:42 19.07.2009
Von Jens Heitmann
Für 2010 erwartet die Deutsche Messe einen Verlust von rund 35 Millionen Euro.
Für 2010 erwartet die Deutsche Messe einen Verlust von rund 35 Millionen Euro. Quelle: Foto: Jochen Lübke
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Für 2010 werde ein Verlust von rund 35 Millionen Euro erwartet, hieß es. „Diese Zahlen sind nichts Neues“, sagte ein Messesprecher. „Sie waren schon vor Monaten Grundlage der politischen Diskussion um die geplante Kapitalerhöhung.“ Die roten Zahlen resultieren im Wesentlichen aus der Krise der Computermesse CeBIT, die etwa 40 Prozent zum gesamten Umsatz beiträgt: In den vergangenen fünf Jahren sind die Erlöse der IT-Veranstaltung dem Vernehmen nach von knapp 90 auf knapp 56 Millionen Euro gesunken – und mit ihnen die Ergebnisbeiträge –, weil die Aussteller immer weniger Fläche benötigen.

Obwohl die CeBIT in diesem Frühjahr am Ende ein paar Tausend Quadratmeter mehr vermarkten konnte als ursprünglich befürchtet, werde das die Bilanz 2009 nur unmerklich verbessern, hieß es im Unternehmen. Hinzu kommt, dass auch die Messegesellschaft die Auswirkungen der Wirtschaftsflaute zu spüren bekommt.

Obwohl die Geschäfte turnusbedingt in den ungeraden Jahren besser laufen als in den geraden Jahren, hat der Vorstand seine Erwartungen für 2009 deutlich nach unten korrigieren müssen: Statt eines noch im Herbst erhofften Umsatzes von rund 250 Millionen Euro rechnet man inzwischen nur noch mit knapp 230 Millionen Euro, im vergangenen – dem vermeintlich schwächeren – Jahr waren es 242 Millionen Euro, der Verlust betrug rund 14 Millionen Euro.

Für 2010 erwartet die Messe AG einen weiteren Umsatzrückgang auf rund 200 Millionen Euro. Bei der Messe setzt man nun auf einen gewissen Aufwärtstrend in den kommenden sechs Monaten. „Wir hoffen auf ein starkes Messehalbjahr 2009“, sagte der Unternehmenssprecher. „Die Agritechnika zeigt beispielsweise, dass sich auch in dieser Zeit Messen deutlich besser als erwartet entwickeln können.“ Die Landwirtschaftsmesse steuert im Herbst auf einen Ausstellerrekord zu. Um die erwarteten Verluste unter dem Strich in Grenzen zu halten, hat die Messe das Sanierungsprojekt „Hermes Plus“ aufgelegt. Ziel sei es, im Zeitraum 2011 bis 2014 ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, verlautete aus Unternehmenskreisen.

Hier gibt es zwei Ansatzpunkte: Zum einen will der Vorstand im In- und Ausland neue Messen und Geschäftsfelder entwickeln, zum anderen sollen die Betriebskosten für das hannoversche Gelände und das Personal sinken. Bei diesem Vorhaben profitiert die Deutsche Messe AG von der Kapitalerhöhung von 250 Millionen Euro durch ihre Eigentümer, das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover. Sie ermöglicht eine Teilwertabschreibung auf das Gelände und erweitert den Spielraum für Investitionen. Schnelle Spareffekte erhofft sich der Messe-Vorstand von einem Einstellungsstopp und Personalabbau durch Fluktuation. Entlassungen sind durch eine Beschäftigungsgarantie bis 2015 ausgeschlossen, dazu stehe das Unternehmen, hieß es.

Auslaufende Zeitverträge werden jedoch nicht mehr verlängert. In diesem Jahr betreffe das rund 60 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt die Messe AG in Hannover 750 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr war der Aufwand für das Personal – anders als geplant – um rund 4 Millionen Euro gestiegen; das habe zu deutlicher Kritik seitens der Anteilseigner geführt, hieß es.