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Regional Mikro-Depots sollen Göttinger Innenstadt vom Lieferverkehr entlasten
Nachrichten Wirtschaft Regional Mikro-Depots sollen Göttinger Innenstadt vom Lieferverkehr entlasten
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15:00 06.12.2019
Lieferfahrzeuge verstopfen die Fußgängerzone. Paket-Depots am Rand der Innenstadt sollen für Abhilfe sorgen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Container-Sammelplätze am Rand der Innenstadt für Logistik-Unternehmen, Sackkarren, E-Scooter oder Lastenräder für die „letzte Meile“ statt Transportern, die die Fußgängerzone verstopfen und Schaufenster blockieren. Das ist die Idee, die hinter den sogenannten Mikro-Depots steckt. Göttingens Bürgermeisterin Helmi Behbehani (SPD) will ein derartiges Modell, das sich in Großstädten bereits bewährt hat, in Göttingen etablieren. Ein entsprechender Antrag soll zur Ratssitzung am 13. Dezember gestellt werden.

Das Thema ist komplexer als es auf den ersten Blick erscheint, erfordert Abstimmungsprozesse und Feinjustierungen. In dem SPD-Antrag wird zunächst die Stadtverwaltung gebeten, in Kooperation mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG), Logistikern und Innenstadthandel geeignete Stellflächen für Mikro-Depots als letztes Glied der Lieferkette zu finden und auszuweisen. Weitere Details seien noch abzustimmen, sagt Behbehani, die im GWG-Aufsichtsrat vertreten ist. Auch bei Pro City fällt die Idee auf fruchtbaren Boden.

„Allgegenwärtige Lieferfahrzeuge“

Als Hauptziel nennt Behbehani, die Fußgängerzone vom störenden Lieferverkehr zu entlasten und damit zur Attraktivitätssteigerung beizutragen. Wie viele andere Innenstädte leide die City unter zunehmendem Wirtschaftsverkehr. Die Lieferdienste seien unter ständigem Zeit- und Wettbewerbsdruck, sagt die Bürgermeisterin. „Just-in-Time“-Zustellungen, Konkurrenzdruck im E-Commerce und hohe Anforderungen der Kunden würden zu Verkehrs- und Emissionsbelastungen führen, Aufenthalts- und Lebensqualität in der City verschlechtern: „Lieferfahrzeuge sind mittlerweile allgegenwärtig in der Fußgängerzone, behindern Menschen, die einkaufen und flanieren wollen, stellen Schaufenster und Eingangstüren zu. Wer in der Vorweihnachtszeit im Zentrum zu Fuß unterwegs ist, schlängelt sich genervt zwischen vielen Fahrzeugen hindurch.“ Nicht bewährt habe sich eine Tonnage-Begrenzung. Statt eines Lastwagens seien dann drei Sprinter unterwegs.

Transporter-Slalom in der Roten Straße Quelle: r

„Die letzte Meile ist in der City-Logistik die schwierigste“, sagt die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und drängt auf ein innovatives umweltfreundliches und nachhaltiges Lieferkonzept: „Entscheidend ist die Standortfrage.“ Aus Haftungsgründen seien getrennte Container für die Logistik-Dienste erforderlich, als Standort könnten auch Parkhäuser in Frage kommen, optimal wäre eine kooperative Nutzung der Depots. Die Lage müsse mit den Lieferdiensten abgesprochen und mit ihren Zustellgebieten abgestimmt werden, für den Einsatz von Lastenrädern seien Regelungen festzulegen.

Lagerfläche für Lieferung und Versand

Als positiven Nebeneffekt und Zusatzangebot für den stationären Handel nennt Behbehani die Nutzung der Lagerflächen für den Online-Versand, also Lieferung und Versand in einer Hand: „Händler, die auch online verkaufen, könnten die Depots als Lager- und Lieferfläche nutzen.“ Das Lieferkonzept werde bundesweit von Handelsverbänden unterstützt.

Für den Einzelhandel begrüßt Pro-City-Vorsitzende Susanne Heller den Vorschlag, der zu einer win-win-Situation führen könne: „Unser erklärtes Ziel ist der Erhalt und die Stärkung der Attraktivität der Innenstadt.“ Der Lieferverkehr bis in den späten Nachmittag hinein beeinträchtige die Aufenthaltsqualität und unbeschwertes Bummeln: „Die Fahrzeuge stehen im Weg und stellen die Schaufenster zu.“ Für besonders sperrige und schwere Lieferungen sei das Modell nicht geeignet, aber schon viel gewonnen, wenn die Paketlieferungen auf diesem Weg abgewickelt werden könnten. Auch die Versand-Option sei eine Überlegung wert und würde den Arbeitsablauf optimieren.

Pilotprojekte in Großstädten erproben Konzepte

Ob Container, abgestellte Nutzfahrzeuge oder Immobilien. Von Mikro-Depots aus können Innenstadt-Händler mit Paketen bestückt, auf den letzten Metern Zusteller mit E-Bikes oder Sackkarren eingesetzt werden – klimafreundlich und ohne Beeinträchtigung der Innenstadt durch motorisierte Lieferfahrzeuge. In einigen Städten wird das bereits mit Erfolg praktiziert. Hamburg hat vor vier Jahren ein derartiges Pilotprojekt mit UPS gestartet, am Prenzlauer Berg in Berlin testen fünf Paketdienstleister ein gemeinsames Mikro-Depot für Auslieferungen via Lastenrad. DHL ist in Frankfurt mit einem „City-Hub-Konzept mit Cubicycles“ am Start, in München wird ein von der EU gefördertes Projekt mit elektronisch verschlossenen schrankartigen Boxen erprobt. Die Autoren einer von der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Auftrag gegebenen Studie empfehlen, einen „Last-Mile-Koordinator“ als Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema zu benennen.

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