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Regional Trotz Mindestlohn weniger in der Tasche
Nachrichten Wirtschaft Regional Trotz Mindestlohn weniger in der Tasche
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00:18 23.06.2017
Quelle: r
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Göttingen

Einige Taxi-Unternehmer halten das für ungerecht und halten deshalb an der Umsatzbeteiligung fest.

Besonders in Göttingen und Hameln müssen Taxikunden seit 2015 tiefer in die Tasche greifen. Durchschnittlich stiegen die Preise um 25 Prozent, heißt es in einem Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Schlecht für die Kunden, gut für die Taxifahrer, sollte man meinen.

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Ernst K. ärgert sich trotzdem. Seit 20 Jahren arbeitet der Göttinger hauptberuflich als Taxifahrer, doch seit dem der Mindestlohn eingeführt wurde, bleibt ihm am Ende des Monats weniger Geld in der Tasche. „Führer war das Prinzip klar. Wer viel fährt, hat gut verdient“, sagt dazu Peter Kowol (70). Der Geschäftsführer der Funk-Taxi-Zentrale kennt das Metier wie kaum ein anderer. Immerhin ist Kowol seit 1968 im Taxigeschäft tätig. Ein Grund, warum es Taxifahrer früher besser hatten, sei die Umsatzbeteiligung gewesen, die Taxiunternehmen ihren Mitarbeitern zusagten und die einen Anreiz geschaffen habe, gute Leistungen zu bringen. Rund 40 Prozent eingefahrenen vom Umsatz waren üblich. „Mit viel Fleiß konnte man damit gut verdienen, so Kowol. Er spricht von den sogenannten „Geiern“, solche Taxifahrer, die jede Fahrt machen wollen. Davon profitierte der Unternehmern nicht unwesentlich.

Doch mit dem Mindestlohn habe sich das relativiert. Seit 1. Januar 2017 zahlen Taxiunternehmen ihren Mitarbeitern statt 8.50 Euro sogar 8,84 Euro die Stunde - eine zusätzliche Belastung für den Unternehmer. Auf rund 1500 Euro brutto kommt ein Taxifahrer, wenn er 172 Stunden, also acht Stunden pro Tag fährt. Ausbezahlt sind das rund 1000 Euro netto. „Mehr sind nicht drin“, betont Kowol.

„Ein Taxi-Unternehmen zu führen, ist heute schwer, denn man muss voll am Ball sein, ist man schnell pleite“, sagt Kowol. Ein Grund warum Taxi-Unternehmen im Raum Göttingen immer noch nach Umsatz bezahlen. Die fleißigen Fahrer sind dabei besser gestellt, der Unternehmer geht weniger Risiko ein“, so Kowol. Gunter Zimmermann Geschäftsführer Fachvereinigung Taxi und Mietwagen vertritt etwas mehr als 150 Firmen unter dem Dach des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen. Er bestätigt das, was Kowol sagt. Wenn früher ein Fahrer 250 Euro Umsatz gemacht hat, hat er 100 Euro verdient. Mit dem Mindestlohn hat sich die Situation geändert. In acht Stunden kommt der Fahrer auf rund 70 Euro, ohne zusätzliche Umsatzbeteiligung steht er schlechter da.“, so Zimmermann. Für den Unternehmer hat sich die Lage jedoch verändert. Die guten Schichten müssen schlechte Schichten auffangen. Der Unternehmer muss aber seine Mitarbeiter stringenter führen, um auf seinen Umsatz zu kommen. Außerdem muß er genau hinschauen, ob der Fahrer durchschnittlich ausreichend Umsatz einfährt. Auf Dauer kann es nicht gutgehen, wenn die umsatzstarken Fahrer die Zeche bezahlen.