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Regional Mit 69 Jahren an Amboss und Esse
Nachrichten Wirtschaft Regional Mit 69 Jahren an Amboss und Esse
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18:39 22.09.2009
Mit Hammer und sprühenden Eisen am Amboss: Friedel Bollmus.
Mit Hammer und sprühenden Eisen am Amboss: Friedel Bollmus. Quelle: Hinzmann
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„Zum Schutz vor dem Funkenflug trage ich eine schwere Lederschürze“, erklärt der Schmied. In seinem Geschäft „Schmiedeeisen Bollmus“ im Körbchen 29 kann man sich Zäune, Gitter, Tore, Geländer und auch Kupferarbeiten fertigen lassen. Früher hat er auch die Verzierunge n in Form von Laubblättern selbst angefertigt. „Heute kann man diese viel günstiger fertig kaufen. Ich schweiße sie dann nur noch an die Stäbe“, sagt er.

Erzieher und Schmied

Seit dem Jahr 2000 befindet sich Bollmus eigentlich im Ruhestand. Doch die Ruhe tat ihm nicht gut, so dass er 2006 beschloss – nachdem er Haus und Garten mit Schmiedewerk versehen hatte –, sich selbstständig zu machen. „Damals war ich 66, doch bereut habe ich diesen Entschluss nie. Die Arbeit hält mich jung“, sagt Bollmus.
Geboren 1940 in Friedland, lernte Bollmus ab 1955 in einer Schmiede in Niedernjesa. Später war er noch ein Jahr Schmiedegeselle in Klein Schneen. Doch seinen Meister machte er nicht mehr: „Ich umgab mich damals lieber mit jungen Menschen und wollte Gemeindediakon werden.“ Nach zwei Jahren als diakonischer Helfer in den Bodelschwingschen Anstalten in Bielefeld, arbeitete er seit 1961 in Göttingen als Erzie her. Von 1982 bis zu seinem Ruhestand war er in der Jugendanstalt am Leineberg beschäftigt.
Die Schmiedekunst übte er während seiner gesamten 39 Berufsjahre als Nebenerwerb weiter aus. „Trotz fehlender Meisterprüfung durfte ich mich 2006 in die Handelsrolle eintragen lassen, da ich am Leineberg junge Menschen im Schmieden ausgebildet habe“, freut sich Bollmus. Einige der Jugendlichen hat er auch an Betriebe weitervermittelt und ihnen so geholfen, einen Start ins Berufsleben zu schaffen.

Seitdem die Bedeutung des Pferdes in der Landwirtschaft zurückgegangen ist, sterbe das Schmiedehandwerk langsam aus, bedauert Bollmus. „Meine Tätigkeit macht mir Spaß und ich habe genug zu tun, aber ich bin froh, dass ich nicht davon leben oder Angestellte bezahlen muss.“ Seine Erzeugnisse seien zudem eine Art Luxus, den sich nicht jeder leisten wolle und könne. Doch solange er fit ist, will Bollmus den Platz an Esse und Amboss nicht aufgeben.

Von Corinna Berghahn