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Regional „Tricksereien“ beim Trinkgeld?
Nachrichten Wirtschaft Regional „Tricksereien“ beim Trinkgeld?
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19:00 10.10.2019
Was mit dem Trinkgeld geschieht entscheiden die Mitarbeiter, darauf weist die Gewerkschaft NGG hin. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Gewerkschafterin, die von Braunschweig aus die NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz betreut, warnt Inhaber von Gastrobetrieben vor „Trinkgeld-Tricksereien“. Der Obolus, mit dem sich Kunden für das schöne Ambiente, das Essen und die Getränke sowie für den schnellen, aufmerksamen und freundlichen Service bedankten, gehöre ausschließlich den Köchen und Kellern. Auch ein finanzielles Dankeschön an Mitarbeiter der Rezeption oder für die Reinigungskräfte dürften Chefs nicht antasten.

7500 Gastromitarbeiter im Landkreis Göttingen

„Trotzdem geht ein Teil der 7500 Menschen, die im Landkreis Göttingen im Gastgewerbe arbeiten, leer aus“, weiß Derer aus der Rechtsberatung von Mitgliedern. Gerade in kleinen Betrieben komme es immer wieder vor, dass der Chef die Trinkgeld-Kasse selbst verwalte oder einen Teil des Geldes vom Personal zurückfordere. Viele Betroffene wagten aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht, dagegen vorzugehen – zumal nicht wenige nur befristet beschäftigt sein oder nur einen Minijob hätten.

Dass es Fälle von Tricksereien gibt, will Olaf Feuerstein, der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands von Göttingen und Duderstadt, nicht ausschließen. Allerdings sei ihm unter den 141 Dehoga-Mitgliedsbetrieben „kein Laden bekannt“, der so etwas das tue. Es gebe allerdings noch einmal ein Vielfaches an Betrieben, die nicht beim Dehoga organisiert sein.

Um Höhe der Trinkgeldeinnahmen ranken sich Gerüchte

„Das Trinkgeld, das nicht versteuert werden muss, entschädigt viele Mitarbeiter in der Küche und an der Spüle, im Service und an der Theke für die Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende“, weiß Feuerstein. Es belohne ihre anstrengende Arbeit, die sie an die Grenze der Belastbarkeit beanspruchen könne. Das Zusatzeinkommen sorge dafür, dass viele jahrzehntelang in diesem Bereich tätig sein. Um die Höhe der Trinkgeldeinnahmen würden sich „Gerüchte ranken“. Zehn Prozent des Rechungsbetrages halte er für angemessen. Mancher Kunde sei großzügiger.

„Wie das Geld verwendet wird, entscheiden die Mitarbeiter selbst“, betont Feuerstein. Im Hotel Freizeit In teilten sich Küche, Theke und Service das Geld. Im Bullerjahn behielten die Servicekräfte das Geld für sich.

Im italienischen Restaurant Amavi an der Güterbahnhofstraße 10 erhalten die Küchenmitarbeiter abends drei Prozent der Trinkgelder. Den Rest teilen sich die Festangestellten, erklärt Inhaber Marco Grimaldi. Für Aushilfen gebe es eine „andere Vereinbarung“. „Bei uns wird das Trinkgeld sonntagsabends zwischen den zwei Mitarbeitern in der Küche und im Service geteilt“, sagt Sarabjit Aujla, der Inhaber der indischen Restaurants Maharaja an der Gartenstraße 25.

Honorierung einer Teamleistung

„Das Trinkgeld honoriert eine Teamleistung und sollte daher geteilt werden“, findet Gastwirt Daniel Raub vom Friedländer Landhaus Biewald und vom Göttinger Restaurant Augusta am Wilhelmsplatz. Wie das geschehe, entscheide bei ihnen die jeweilige Serviceleitung. In Friedland werde alle drei Wochen, in Göttingen abendlich abgerechnet.

Trinkgeld, dass der Kunde mit Karte zahlt, weist unsere Buchführung auf einem gesonderten Konto aus“, führt Raub aus. Der Betrag lasse sich leicht ermitteln, da ihm kein Warenwert gegenüber stehe. Diese Summern flössen monatlich an die Mitarbeiter. Weil ihm durch die Kartenzahlung Kosten entständen, habe er eine zeitlang Trinkgeldzahlungen mit Karte untersagt. Das hätten die Kunden allerdings nicht akzeptiert.

Stundenlöhne in der Gastronomie

„Anders als etwa in Italien oder in den USA dient das Trinkgeld in Deutschland nicht dazu, niedrige Stundenlöhne aufzubessern“, betont Katja Derer, die bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Geschäfte der Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz führt. Der Obolus komme „on top“ zum Einkommen dazu. Für einfache Tätigkeiten würden in der Gastronomie nach Tarif 9,59 Euro in der Stunde gezahlt. Eine ausgelernte Fachkraft bekomme 13,44 Euro in der Stunde, Fachkräfte mit erhöhter Verantwortung 14,41 Euro in der Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn liege bei 9,19 Euro in der Stunde. Große Betriebe zahlten in der Regel Tarif. Je kleine der Betrieb werde, um so eher versuchten Chefs das zu vermeiden. In solchen Betrieben träten die Inhaber zum Teil in „Gutsherrenmanier“ auf. Manche versuchten es mit „Trinkgeld-Tricksereien“.

Von Michael Caspar

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