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Regional Neue Therapieansätze bei angeborenen Herzfehlern
Nachrichten Wirtschaft Regional Neue Therapieansätze bei angeborenen Herzfehlern
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16:00 10.09.2019
Setzt den Magnetresonanztomografen ein, um angeborene Herzfehler zu diagnostizieren und zu therapieren: der Göttinger Arzt Michael Steinmetz. Quelle: Caspar
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Göttingen

„Zukunftsorientiert – Lösungen, die verändern“: Dieses Motto hat der Landkreis Göttingen für den Innovationspreis 2019 gewählt. Das Tageblatt stellt die Teilnehmer vor. Heute: fetales Herz-MRT.

„Eines von 100 Kindern kommt mit einem Herzfehler zur Welt, Herzfehler sind damit die häufigsten Geburtsfehler“, berichtet Privatdozent Dr. med. Michael Steinmetz, Oberarzt an der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Bei den Herzfehlern kann es sich unter anderem um Löcher in der Herzwand, fehlende Herzklappen, verengte oder falsch sitzende Arterien handeln. Manchmal ist die Einnahme bestimmter Medikamente wie Lithium während der Schwangerschaft der Grund, in anderen Fällen bestimmte Gene. Meistens bleibt die Ursache aber unbekannt.

Herzfehler bleiben oft unerkannt

Eine große Herausforderung: Nur jeder zweite Herzfehler wird bereits vor der Geburt bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. „Solange ein Kind nicht geboren ist, wirken sich die meisten Herzfehler nicht negativ aus“, führt der Arzt aus. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch das Blut der Mutter über die Nabelschnur. Erst mit der Geburt entfaltet sich die Lunge. Dann führen Herzfehler zu Problemen.

Untersuchung im Mutterleib

„Wenn das Kind als Notfall in die Klinik eingeliefert werden muss, ist es oft schon zu spät“, weiß Steinmetz. Deshalb setzt er Hoffnung auf ein Forschungsprojekt der UMG mit Unterstützung des Vereins Kinderherzen – Stiftung Deutsche Kinderherzzentren. Im Zuge des 2019 angelaufenen Projekts sollen bereits ungeborene Kinder im Mutterleib untersucht werden.

Herz hat die Größe der Faust

„Wir setzen dabei auf die Magnetresonanztomografie“, führt der Oberarzt aus. Bei ihr wird der Patient in eine Röhre geschoben. Ein umgebender Ring erzeugt ein starkes Magnetfeld, das die Wasserstoffatome im Körper anregt. Das verursacht in einem Empfängerstromkreis ein Signal, das sich zu Bildern zusammenfügen lässt. Die eingesetzten Sonden, auch Spulen genannt, müssen bei Neu- und Ungeborenen besonders hochauflösend sein, da das Herz die Größe der jeweiligen Faust hat. So lässt sich Verdachtshinweisen aus Ultraschlalluntersuchungen nachgehen.

„Ist der Herzfehler bekannt, kann der Arzt darauf reagieren“, führt Steinmetz aus. Löcher in der Herzwand lassen sich mit kleinen Schirmen schließen, die einwachsen, Arterien mit einem Stent aufweiten, komplexe Herzfehler können vom Kinderherzchirurgen operiert werden. Oft ist eine Behandlung mittels eines Herzkatheters möglich. Solche Behandlungen lassen sich in naher Zukunft unter Einsatz eines MRT begleiten.

Verzicht auf Röntgenstrahlung

In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 1,5 Mio. Euro geförderten Verbundprojektes mit UMG-Professor Martin Uecker, der die Professur des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung für Echtzeit Bildgebung innehat, der Universität Leipzig und verschiedenen Medizintechnikfirmen wird beispielsweise eine Echtzeit-MRT-basierte Herzkatheterintervention mit Stent entwickelt. So kann auf ein Röntgengerät verzichtet werden, dessen Strahlung das Krebsrisiko erhöht.

„Bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern setzen wir das MRT seit 2009 in Kooperation mit Professor Joachim Lotz vom Institut für Diagnostische Radiologie der UMG, ein“, berichtet Steinmetz. Babys untersucht seine Abteilung seit 2011, routinemäßig mit einer neuen, speziell für Kinder entwickelten Sonde seit 2016. An der UMG ist somit eine Herz-MRT-Diagnostik vom ungeborenen Kind bis zum Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler mit innovativen Ansätzen möglich.

https://www.goettinger-tageblatt.de/Campus/Goettingen/Goettinger-Herzforscher-verbessern-Frueherkennung-von-Herzfehlern-bei-Ungeborenen 

https://www.wrg-goettingen.de/inno/innovationspreis-2019/wettbewerb

Von Michael Caspar

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