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Regional Orkan lässt den Jahresgewinn einbrechen
Nachrichten Wirtschaft Regional Orkan lässt den Jahresgewinn einbrechen
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17:37 20.07.2016
Von Michael Caspar
Harvester im Einsatz: Sturmschäden aufarbeiten.
Harvester im Einsatz: Sturmschäden aufarbeiten. Quelle: r
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Clausthal-Zellerfeld

„Ein Überangebot an Holz aufgrund des Orkans Niklas ließ die Preise für Fichte und Kiefer im Vorjahr jedoch um zehn Prozent einbrechen“, berichtet Rudolph. Lokale Sommerstürme setzten auch andere Holzsortimente unter Preisdruck. Angesichts dieser Lage entschlossen sich die Landesforsten, 100000 Festmeter weniger Holz auf den Markt zu bringen als im Vorjahr.

Holz ist meist gedreht und gesplittert

„20 Prozent des Holzes, die die Anstalt öffentlichen Rechts 2015 aufarbeitete, stammte aus Sturmschäden“, führt Rudolph aus. Solches Holz weist eine geringere Qualität auf, da es meistens gedreht und gesplittert ist. Zudem liegen die Aufarbeitungskosten höher, weil die Bäume kreuz und quer im Wald liegen. 2015 betrugen die Kosten mit 28 Euro pro Festmeter 3,10 Euro mehr als im Vorjahr. Die Folge: Der operative Jahresüberschuss der Landesforsten fiel mit 10,5 Mio. Euro deutlich niedriger aus als im Vorjahr mit 17,9 Mio. Euro.

20 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit touristischen Angeboten, Friedwäldern wie dem an der Plesse oder mit Kieswerken und Steinbrüchen, in denen etwa Solling-Sandstein gewonnen wird.

Knapp vier Millionen Bäume gepflanzt

„Um den Wald zu verjüngen, haben wir 2015 knapp vier Mio. Bäume gepflanzt“, sagt Rudolph. Es handelte sich dabei vor allem um Bäume, die die zunehmende Sommer-Trockenheit besser vertragen, darunter Douglasie, Kiefer, Rot- und Traubeneiche. Mischbestände sollen die Wälder stabil gegen den Klimawandel machen.

Rudolph benennt das Problem des Fachkräftemangels. „In den kommenden 15 Jahren gehen 40 Prozent der 1300 Mitarbeiter in den Ruhestand“, sagt der Pressespecher. Die Anstalt setzt auf Ausbildung. 2015 bildete sie 96 Forstwirte, je zwei Fischwirte und Tierpfleger, 18 Forstreferendare und 54 Forstanwärter aus.

Probleme mit der Stellenbesetzung

„Probleme bei der Stellenbesetzung haben wir vor allem im Harz, im Solling und in der Heide“, sagt Rudolph. Der Landkreis Göttingen ist aufgrund der Nähe zur Universitätsstadt weniger stark betroffen. Die Anstalt hat im Vorjahr 46 neue Mitarbeiter eingestellt.

Für 2016 erwartet die Landesforsten aufgrund einer eher schwierigen Entwicklung auf den Märkten ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres.

Verzicht auf Bewirtschaftung

Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, zehn Prozent des Landeswaldes im Zuge der Nationalen Biodiversitätsstrategie aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. 2016 soll dazu ein Beschluss fallen. „Das bedeutet, dass die Landesforsten dann zehn Prozent weniger Umsatz und Gewinn machen“, gibt Michael Rudolph, Pressesprecher der Landesforsten, zu bedenken. Das spüre das Land unmittelbar, da 70 Prozent des Gewinns in den Landeshaushalt flössen.

„Bei einer solchen Entscheidung werden zudem zehn Prozent weniger Mitarbeiter benötigt“, sagt der Pressesprecher. Auswirkungen hätte das auf die kleinen Sägewerke, die Holz aus der Region aufarbeiteten. Die Landesforsten hofften, dass sie die 8,2 Prozent ihrer Flächen, die bereits heute nicht bewirtschaften würden, mit einrechnen könnten. So werde etwa auf der Mackenröder Spitze, der höchsten Erhebung des Göttinger Waldes, seit 40 Jahren kein Baum mehr gefällt.

„Der Beschluss des Landes hat auch Auswirkungen auf die Bürger“, betont Rudolph. Sie könnten in solchen Waldstücken keine Pilze und keinen Bärlauch mehr pflücken. Auch die Gewinnung von Brennholz sei dort untersagt.