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Regional Northeimer Umfotec lässt brummende Klimaanlagen verstummen
Nachrichten Wirtschaft Regional Northeimer Umfotec lässt brummende Klimaanlagen verstummen
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19:27 27.03.2018
Die Umfotec-Geschäftsführer Ralf Buck (l.) und Jörg Friedrich stellen die Weichen beim Northeimer Automobilzulieferer.
Die Umfotec-Geschäftsführer Ralf Buck (l.) und Jörg Friedrich stellen die Weichen beim Northeimer Automobilzulieferer. Quelle: Pförtner
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Northeim

Erste Weichen für die Zeit nach dem Verbrennungsmotor hat der Northeimer Automobilzulieferer Umfotec gestellt. „In diesem Jahr läuft unsere erste Serie eines lärmmindernden Bauteils für Klima- und Belüftungsanlagen in Fahrzeugen an, 2020 dann die zweite“, berichtet Geschäftsführer Ralf Buck.

„Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema“, berichtet der Manager. In den Elektro- und Hybridfahrzeugen, die vermehrt auf den Markt kämen, fielen Fahrern die Geräusche der Klima- und Belüftungsanlagen viel stärker auf. In herkömmlichen Fahrzeugen würden sie vom lauten Verbrennungsmotor übertönt. Umfotec wolle diesen Bereich, in dem die Firma zurzeit nicht einmal ein Prozent ihres Umsatzes erwirtschafte, in den kommenden Jahren ausbauen. So schaffe sich das Unternehmen langfristig ein zweites Standbein.

Resonatoren heben Störgeräusche weitgehend auf

„Bisher finden unsere lärmdämpfenden Bauteile, die sogenannten Resonatoren, vor allem bei Turboladern Anwendung“, erläutert Buck. Durch Schlitze in den Bauteilen erzeugten sie im hörbaren Bereich von 1000 bis 3000 Hertz einen Gegenschall, der die Störgeräusche weitgehend aufhebe. Vor zehn Jahren seien die Resonatoren vor allem in dieselbetriebenen Luxuswagen eingebaut worden. Vor fünf Jahren habe ihr weltweiter Marktanteil bei 50 bis 60 Prozent gelegen. Mittlerweile sei er auf 40 bis 50 Prozent gesunken. Die großen Systemhersteller fertigten die Teile zunehmend selbst.

„Trotzdem wollen wir als globaler Marktführer wachsen“, betont Jörg Friedrich, der für Einkauf und Finanzen zuständige Umfotec-Geschäftsführer. 34 Mio. Euro Umsatz hätten sie 2017 gemacht, davon 45 Prozent im Export, insbesondere in Asien. 2018 sollten es 38 Mio. Euro werden. Sie fertigten mittlerweile für turbogeladene Benziner des Massenmarkts. Ihre Serien kämen auf einige 100000 Stück. 2018 laufe erstmals eine Produktlinie mit 2,5 Mio. Resonatoren an.

Neue Produktionsanlagen

„Um das zu bewältigen, errichten wir neue Produktionsanlagen“, sagt Friedrich. 2017 hätten sie 3,7 Mio. Euro investiert. 2018 seien es weitere drei Mio. Euro. Damit gehe Umfotec von einer eher manuellen zu einer verstärkt maschinellen Produktion über. Deshalb sei die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen zwei Jahren von 220 Beschäftigten unter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation auf 200 Mitarbeiter – einschließlich von 35 Leiharbeitern – gesunken. Diese Mitarbeiterzahl wollten sie halten. Derzeit suchten sie Maschinenbauer und Akustiker.

„Wir rechnen in den kommenden fünf Jahren mit einer wachsenden Nachfrage nach unseren Resonatoren für turbogeladene Verbrennungsmotoren“, sagt Buck. Wie sich der Markt danach entwickeln werde, sei offen. Der Gesetzgeber setze die Hersteller mit strengeren Auflagen zum Schadstoffausstoß unter Druck. Manche Beobachter rechneten daher damit, dass in zehn Jahren mehr Neufahrzeuge mit Elektromotoren als mit Verbrennungsmotoren auf den Markt kämen. Andere sähen die Verbrennungsmotoren auch in 20 Jahren noch vorne. Damit bleibe ausreichend Zeit, um neue Produkte – etwa für die Schallminderung bei Klima- und Belüftungsanlagen – zu entwickeln.

1992 in Nörten-Hardenberg gegründet

Gegründet worden ist Umfotec im Mai 1992 in Nörten-Hardenberg von Hans Türk. Er verlagerte den Firmensitz vier Jahre später nach Northeim an den Speckweg 2, wo das Unternehmen bis heute ansässig ist. 2007/08 übernahm die Hamburger Beteiligungsfirma Granville Umfotec. Neben Buck und Friedrich gibt es dort noch einen dritten Geschäftsführer, Jörg Lange. Er kümmert sich um die Neuaufstellung der Produktion.

Von Michael Caspar