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Regional Oldtimerpflege mit dem Wachs des Zuckerrohrs
Nachrichten Wirtschaft Regional Oldtimerpflege mit dem Wachs des Zuckerrohrs
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00:27 02.03.2018
Produziert Pflegemittel ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen: Bodo Rengshausen-Fischbach. Quelle: Caspar
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Amelsen

Bienenwachs wird knapper, da Imker mit dem Bienensterben zu kämpfen haben“, berichtet Bodo Rengshausen-Fischbach, geschäftsführender Gesellschafter von Tapir. Aus Bienenwachs und anderen natürlichen Rohstoffen stelle seine Firma Pflegemitteln für Leder, Lacke und Holz her. Die große Nachfrage nach Bienenwachs, nicht zuletzt von Seiten der Kosmetikindustrie, sorge für steigende Preise. Zum Teil würde dem Wachs deshalb, ohne das auszuweisen, das billigere Erdölprodukt Paraffin beigemengt. Ein grundsätzliches Problem mit dem Rohstoff seien Stoffe, die bei Erwärmung entständen und einen grauen Schleier erzeugten. Das verunsichere Endkunden.

„Wir waren daher sehr interessiert, als uns vor drei Jahren ein Händler aus Indien Zuckerrohrwachs als Alternative anbot“, berichtet Rengshausen-Fischbach. Das seit dem 19. Jahrhundert bekannte, aber nur in geringen Mengen produzierte Wachs aus den ausgepressten Stängeln des Zuckerrohrs habe einen angenehmen Geruch, sei weich und lasse sich zudem leicht mit Öl und Wasser mischen. Allerdings schwanke die Qualität des Rohstoffes aus Indien, dem zweitgrößten Zuckerrohranbauland der Erde, stark.

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Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand

„Wir haben daher gemeinsam Professor Herbert Riepl von der Technischen Universität München, Campus Straubing, im November 2017 ein Projekt gestartet, das Berlin über das Programm Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand fördert“, sagt der Unternehmer. Aufgabe der Straubinger sei es, die verschiedenen Bestandteile des Wachses zu bestimmen und ihre Eigenschaften zu beschreiben. Gleichzeitig entwickelten sie Verfahren zur Aufbereitung des Wachses, so das am Ende ein genau definierter Rohstoff vorliege.

„Ein solches Wachs wäre auch für die Hersteller von Faserplatten von Interesse“, erklärt der Göttinger Chemiker und Verfahrenstechniker Kharazipour. Rengshausen-Fischbach hat ihn über den Südniedersachsen Innovationscampus kennengelernt. Bisher würden Hersteller zur Behandlung der Oberflächen Paraffin verwenden, was umweltbewusste Verbrauchern ablehnten.

Forschung über ausgepresstes Zuckerrohr

„Wir forschen ebenfalls über ausgepresstes Zuckerrohr“, berichtet Kharazipour. Seine Mitarbeiterin Neda Nikvash habe in ihrer Doktorarbeit von 2012 untersucht, inwieweit sich die Fasern alternativ zu Holz nutzen ließen. Zur Plattenherstellung müsse das Wachs den Fasern entzogen werden. Zur Oberflächenbehandlung lasse es sich dann auftragen.

Die Firma Tapir ist vor 35 Jahren in Amelsen, einem Ortsteil der Stadt Dassel, gegründet worden. „Ich habe mein Studium mit der Aufbereitung von alten Volvos verdient“, berichtet Rengshausen-Fischbach. Zur Aufbereitung des Leders habe er damals ein Pflegemittel nach alten Rezepten hergestellt, das bei Oldtimerfreunden auf Interesse gestoßen sei. So habe er noch als Student gemeinsam mit seiner Frau, Heike Fischbach, Tapir ins Leben gerufen.

„Heute stellen wir mit zehn Mitarbeitern 30 verschiedene Produkte her“, sagt der Unternehmer. Um Kunden und zertifizierte Wagenpfleger zu schulen, hätten sie Anfang des Jahres für 60 000 Euro einen Schulungsraum für 48 Personen eingerichtet. Er befinde sich in einer alten Scheune von 1784, die Tapir seit Jahren als Lagerhalle für die aus aller Welt angelieferten Öle, Wachse und Fette nutze.

Von Michael Caspar

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