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Regional Ottobock-Rollstuhlsparte aus den roten Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Regional Ottobock-Rollstuhlsparte aus den roten Zahlen
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18:50 22.01.2019
Christian Stenske und Bernardus Weemaes (r.) in der Rollstuhl-Produktionshalle am Standort Königsee. 
Christian Stenske und Bernardus Weemaes (r.) in der Rollstuhl-Produktionshalle am Standort Königsee.  Quelle: Bambey
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Königsee

Bereits im November hatte Ottobock-Eigner Hans Georg Näder im Tageblatt durchblicken lassen, dass die Entwicklung in Königsee positiv verläuft. „Dank gefragter neuer Produkte wie Elektrorollstühlen, vereinfachter Produktion und strategischem Einkauf schaffen wir in diesem Jahr wohl erstmals wieder eine schwarze Null, zumindest operativ und vor Abschreibungen. Nach schmerzhaften Trennungen von Mitarbeitern stellen wir dort dank der guten Nachfrage bereits schneller als erwartet wieder ein. Und auf unserem neuen Areal in Berlin Bötzow entstehen weitere intelligente Rollstühle“, hatte Näder betont.

Die Angestellten erhielten die „guten Nachrichten“ am Dienstagvormittag direkt vom neuen Ottobock-CEO Philipp Schulte-Noelle. „Besser hätte ich es mir gar nicht vorstellen können. Als erste Amtshandlung nach der Berufung zum CEO von Ottobock konnte ich hier die positiven Nachrichten aus der Human Mobility an die Belegschaft in Königsee weitergeben. Das ist ein sehr guter Tag“, sagte Schulte-Noelle.

Pressekonferenz in Königsee

Am Mittag informierte dann Christian Stenske während einer Pressekonferenz am Standort Königsee über die Entwicklung: „Wir haben unser Etappenziel erreicht und eine schwarze Null vor Sondereffekten erreicht. Für den Standort können wir Entwarnung geben und stellen wieder ein. Wir haben eine Zukunftsperspektive mit gutem Startpotenzial“, unterstrich der Geschäftsführer der Otto Bock Mobility Solutions GmbH. Zahlen präsentierte Stenske nicht.

Ralf Theisen, Geschäftsführer des Standortes Königsee, berichtete, dass der Umsatz 2018 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro zurückgegangen sei. Um die Sparte nach phasenweise zweistelligen Millionen-Defiziten wieder auf Kurs zu bringen, wurde unter anderem das Portfolio von 120 auf 75 Produkte reduziert und zudem „ein strategisch wichtiger Standort in Berlin eröffnet“. Zudem seien Fertigungs- sowie Verwaltungsprozesse professionalisiert worden.

„Ottobock wächst und die Human Mobility soll mitwachsen“

Von einem Turnaround wollte Stenske aber noch nicht sprechen. Und das, obwohl die Auftragslage so gut und die Nachfrage so stark gestiegen sei, dass die Rollstuhlsparte schneller als erwartet wieder einstellen könne. Um den Fortbestand der Human Mobility im Unternehmen dauerhaft zu sichern, bedürfe es noch weiterer Schritte. „Jetzt geht es darum, ein ehemals defizitäres, zu einem gewinnbringenden Geschäft zu machen. Ottobock wächst und die Human Mobility soll mitwachsen“, sagte Stenske. Der Chef der Business Unit Human Mobility hat die Vorgabe bekommen, ab 2022 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abgaben (EBITDA) von zehn Prozent zu erwirtschaften.

Aktuell arbeite das Unternehmen intensiv daran, „die durch den Sozialplan entstandenen Verwerfungen zu glätten“, so Theisen. Werksleiter Bernardus Weemaes ist seit September im Unternehmen und will mit LEAN-Management die Wertschöpfungskette effizienter machen. Dabei setzt er auf die Belegschaft. „Alle Mitarbeiter sind für diesen Erfolg verantwortlich. Wir müssen nun Stabilisieren und Motivieren. Zudem ist der Anteil an Leiharbeitern aktuell zu hoch, daran müssen wir arbeiten“, sagte Weemaes.

„Dieses Ziel hätten wir ohne die Abbaumaßnahmen so nicht erreicht“

Dem pflichtete der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrates Thomas Tredup bei. Er betonte jedoch, dass der aktuelle Erfolg auch der Verdienst jener gekündigten Kollegen sei, die den Betrieb im Gros zwischen Oktober und November verlassen mussten. „Thüringer Ingenieure entwickelten diese guten Produkte“, betonte Tredup. Dass jetzt wieder eingestellt werde, sei ein tolles Signal. Er frage sich jedoch, ob „die Entlassungen dann wirklich notwendig waren“. Darauf konterte Stenske: „Dieses Ziel hätten wir ohne die Abbaumaßnahmen so nicht erreicht. Ich würde die Entscheidung heute wieder so fällen.“ Allerdings sei es bei „beinahe Vollbeschäftigung in Thüringen“ nicht leicht, Fachkräfte zu gewinnen.

Dass Kollegen wieder zurückkommen, hält Tredup für unwahrscheinlich: „Viele haben wegen der negativen Stimmung gekündigt – über das normale Maß hinaus. Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt und Fluktuation und Unsicherheit ein Ende haben. Zu den Kollegen sage ich: Haltet durch und macht weiter, damit wir den Umbruch schaffen.“

Von Mark Bambey

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