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Regional Ottobock verfolgt konkreten Wachstumspfad
Nachrichten Wirtschaft Regional Ottobock verfolgt konkreten Wachstumspfad
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18:53 23.11.2018
Philipp Schulte-Noelle führt Ottobock aktuell als Interims-Geschäftsführer. Quelle: Foto: Theodoro Da Silva
Duderstadt

Noch keine drei Monate im Unternehmen, und schon darf Schulte-Noelle starke Zahlen für das laufende Jahr präsentieren. „In diesem Jahr konnten wir den Umsatz bisher - im Vergleich zum Vorjahr - währungsbereinigt um gut neun Prozent steigern“, sagte Schulte-Noelle. Der 41-Jährige trat erst zum 15. August seinen Posten als Finanzvorstand an und wurde nach der Demission von Oliver Scheel Anfang November als kommissarischer Geschäftsführer bestellt.

Umsatz soll bis 2022 auf jährlich 1,3 Milliarden Euro erhöht werden

Dank der effizienteren Aufstellung sei der operative Gewinn vor Abschreibungen sogar um mehr als 20 Prozent gestiegen. „Das macht 2018 zum stärksten Jahr in der 99-jährigen Unternehmensgeschichte. Und das ist nicht das Ende. Unser Wachstumspfad bis zum Jahr 2022 sieht vor, den Jahresumsatz von heute mehr als 900 Millionen Euro auf gut 1,3 Milliarden Euro zu erhöhen. Den operativen Gewinn vor Abschreibungen von voraussichtlich gut 170 Millionen Euro wollen wir mehr als verdoppeln“, skizziert der Finanz-Chef die ehrgeizigen Ziele des Duderstädter Medizintechnik-Herstellers. Vom Unternehmen ist Schulte-Noelle bereits angetan: „Ich hatte eine gewisse Vorstellung und die wurde übertroffen. Die Dynamik und die Zukunftsausrichtung des Unternehmens sind wirklich einmalig. Ich spüre den Willen und die Offenheit überall auf der Welt, wo ich Ottobock-Mitarbeiter kennenlernen darf.“

„Vertrauensverhältnis ist bereits entstanden“

Bei Ottobock Fuß zu fassen falle ihm nicht schwer, sagt Schulte-Noelle. Er komme aus einem Unternehmen, das auch eine starke Familie im Hintergrund hatte und später die Kröner-Stiftung. „Kapitalmarkt- oder Quartalsdenken ist auch nicht die Welt, aus der ich in dieser Form komme. Es ging nicht darum, jedes Quartal zu optimieren, sondern eine Langfrist-Strategie wurde verfolgt. Was die Familie Näder anbelangt, fühle ich mich sehr gut aufgenommen. Ein Vertrauensverhältnis ist bereits entstanden, und insofern habe ich für mich die perfekten Rahmenbedingungen, um diese Wachstumsstrategie umzusetzen“, sagt Schulte-Noelle.

„Erfahrung aus fünfeinhalb Jahren bei Fresenius

Bei Eigentümer Hans Georg Näder genießt Schulte-Noelle hohe Wertschätzung: „Meine Familie und ich stehen voll hinter dem Wachstumspfad des Unternehmens und der Person Philipp Schulte-Noelle. Er bringt die besten Voraussetzungen mit, sich auch dauerhaft als CEO zu qualifizieren. Wir haben ein exzellentes Führungsteam.“ Schulte-Noelle hat die Beförderung gerne angenommen. „Die Berufung durch die Gesellschafter hat mich überrascht, aber auch sehr gefreut.Das Führungsteam zieht an einem Strang. Mit Hans Georg Näder als Eigentümer habe ich einen starken Verwaltungsratsvorsitzenden. Unser Partner EQT versorgt uns mit Erfahrung und Expertise. Ich bringe meine Erfahrung aus fünfeinhalb Jahren bei Fresenius ein“, sagt Schulte-Noelle. Neue Erkenntnisse gibt es auch in der Personalie Scheel. Konzernsprecher Marc C. Schneider betonte, dass dieser in seiner nur zehnmonatigen Zeit als CEO von Ottobock das Unternehmen vorangebracht hat. Der Verwaltungsrat habe großen Respekt vor seiner Leistung in Bezug auf Kostenreduzierung, Digitalisierung und Transformation. „Die bei der Umsetzung der Transformation aufgetretenen Differenzen haben zu der Trennung geführt. Der Verwaltungsrat unter Führung von Professor Näder und Dr. Scheel haben sich bereits auf eine einvernehmliche Vertragsbeendigung geeinigt“, teilte Ottobock mit.

Sein oberstes Ziel sei es nun, „das Unternehmen erfolgreich börsenreif zu machen“, wie der CEO betont. Dazu sei ein konkreter Wachstumsplan erarbeitet worden, der noch von Scheel initiiert worden sei. „Die gute Nachricht, besonders für die Mitarbeiter und die Region, lautet: Wir haben nicht zuletzt dank neuer Wachstumsfelder und der Digitalisierung großes Potenzial. Dazu nehmen wir am Stammsitz in Duderstadt und in Göttingen, für unsere Präsenz auf dem Gesundheitscampus, erhebliche Investitionen vor. Allein die Investitionen in neue IT-Systeme liegen in zweistelliger Millionenhöhe. Und mit dem Bereich Industrials ist es uns gelungen, ein ganz neues Geschäftsfeld aufzubauen, quasi ein Start-up im eigenen Unternehmen. Das erste Produkt, ein Exoskelett namens Paexo, ruft großes Interesse hervor“, sagt Schulte-Noelle.

„Erheblichen Investitionen in Duderstadt“ für iFab-Produktion

Zur Digital-Strategie gehöre der 3D-Druck von Orthesen- und Prothesenkomponenten. Die individuelle Fertigung, iFab genannt, nutzt digitale Technologien wie den 3D-Druck, um maßgeschneiderte Produktlösungen zu gestalten. „Wir liegen damit voll im Trend der personalisierten Medizin, die für die Pharmabranche, aber auch die Medizintechnik immer wichtiger wird. Ein solches iFab bauen wir bereits mit erheblichen Investitionen in Duderstadt auf“, so Schulte-Noelle.

Turnaround bei „Human Mobility“-Sparte in Königsee

Optimistischer richtet sich der Blick aktuell auf Königsee. Die dort ansässige und zuletzt kriselnde Human Mobility scheint zurück auf Kurs gebracht worden zu sein. Im Mai dieses Jahres erfolgte dort ein tiefer Einschnitt. Unter anderem sind 40 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen worden. Die Rollstuhl-Sparte war seit Jahren unter Druck, sie fuhr zweistellige Millionen-Defizite ein. „Dank gefragter neuer Produkte wie Elektrorollstühlen, vereinfachter Produktion und strategischem Einkauf schaffen wir in diesem Jahr wohl erstmals wieder eine schwarze Null, zumindest operativ und vor Abschreibungen. Nach schmerzhaften Trennungen von Mitarbeitern stellen wir dort dank der guten Nachfrage bereits schneller als erwartet wieder ein. Und auf unserem neuen Areal in Berlin Bötzow entstehen weitere intelligente Rollstühle“, betont Näder. Der Eigner blickt dementsprechend positiv nach vorn und sagt zum Ottobock-Kurs „Bionik, Biomechanik und digitale Transformation haben großes weltweites Potenzial. Auf bald 100 Jahre Ottobock und unsere weltweite Unternehmensfamilie, getragen von Werten und Kultur, unsere Mission – Mobilität für Menschen – darauf sind wir als Familie richtig stolz. Das ist aber erst der Anfang: Es wird noch mehr kommen – und das zum Wohl der Anwender, unserer Mitarbeiter und der Region Südniedersachsen.“

Von Mark Bambey und Uwe Graells

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