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Regional Philosophischer Abend in Göttingen
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12:03 11.07.2019
Sorgten für einen erkenntnisreichen Abend: Designer Paul van Laar, Musiker Jonas Urbat und Philosoph Manuel Scheidegger (von links). Quelle: Michael Caspar
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Göttingen

Wie natürlich ist die Natur, wie unnatürlich der Konsum? Über diese Fragen sann der Philosoph und szenische Künstler Manuel Scheidegger am Mittwoch in Göttingen gemeinsam mit 90 Zuhörern nach.

„Natur ist immer ein Konstrukt.“ Das war eine der Erkenntnisse, die sich die größtenteils studentischen Teilnehmer an Scheideggers „Philosophie-Lecture“ (Vortrag) erarbeiteten. Der Mensch erlebt Natur als etwas, das ihm als Ding gegenüber steht, führte Scheidegger im Göttinger Coworking-Space Startraum an der Friedrichstraße 3/4 aus. Der Mensch kann Teile der Natur erbeuten. Er kann sie als Werkzeug nutzen, sie formen und umbilden.

Die Natur gebiert sich immer wieder neu

„Trotzdem bleibt der Mensch untrennbarer Teil der Natur“, machte Scheidegger seinen Zuhörern klar. Selbst wenn der Mensch Urwälder abholzt oder Klimaerwärmung verursacht, bricht er damit nicht aus jenem großen Prozess des Werdens und Vergehens aus. Dieser vollzieht sich in – unmenschlich langen – Zeiträumen. Der Begriff Natur kommt vom lateinischen Wort „geboren werden“. Die Natur ist die sich immer wieder selbst Gebärende, führte der Philosoph aus.

Die Zuhörer setzten sich in rege diskutierenden Kleingruppen mit romantischen Verklärungen der Natur auseinander. Der Mensch hat sich eine Welt geschaffen, die er als unnatürlich empfindet. Städter wollen sich die Natur zurückholen mit der Pflanzenwand im Büro, mit Naturbädern oder Waldkindergärten, mit Urban Gardening (gärtnerische Nutzung städtischer Flächen) oder Landlust-Phantasien. Sie wollen sich natürlich ernähren, greifen zum Smoothie oder pflegen einen veganen Lebensstil.

Lifestyle-Industrie und Online-Handel

Die Lifestyle-Industrie vermarktet diese Bedürfnisse. Angefeuert vom Onlinehandel flutet sie den globalen Markt mit täglich neuen Gütern. Die Werbung gaukelt den Konsumenten Dinge vor. „Wir sehen auf der Milchverpackung eine Kuh auf einer grünen Bergwiese, obwohl die Milch von Kühen in Stallhaltung stammt“, nannte Scheidegger ein Beispiel. Konsum ist das Verlangen, sich selbst in seinen Objekten zu spiegeln, erklärte er.

Der Philosoph machte seinen Zuhörern klar, dass sie nicht einfach zur Natur zurückkehren können. Die Natur spricht ihre eigene Sprache. Der Mensch muss sich in der Natur behaupten, wenn er nicht selbst zur Beute werden will. Er muss sich aber auch der Folgen seines Handelns bewusst werden. Umweltschutz sei Selbstschutz.

Jonas Urbat sorgte für sommerliche Sounds

Scheidegger unterbrach seine Ausführungen immer wieder, damit die Teilnehmer Fragen mit ihren Sitznachbarn erörtern konnten. Tuba-Solist Jonas Urbat remixte live sommerliche Sounds. Designer Paul van Laar hatte in dem großen Raum unter der Glaskuppel eine natürlich-künstliche Pflanzenwelt geschaffen.

In einem Erlebnisgarten vertieften die Zuhörer das Thema. Tamara Schiek bestrich Papier mit heißem Bienenwachs. Solche Tücher lassen sich als abwaschbare Frischhaltefolie verwenden. Weil sie luftdurchlässig sind, bildet sich kein Kondenswasser. Sie wirkten zudem antibakteriell, hieß es.

Von Zeit zu Zeit einfach mal die Luft anhalten

Gesundheitsberater Karsten Wode empfahl, im stressigen Alltag bewusst durch die Nase in den Bauch zu atmen. Von Zeit zu Zeit die Luft anzuhalten, helfe zur Ruhe zu kommen. Astrid Lätsch machte darauf aufmerksam, dass der moderne Mensch mit Sinnesreizen überflutet wird. Die Sinne stumpfen dadurch ab. Da helfe es, bewusst im Park oder im Wald die eigenen Sinne zu gebrauchen, auf das Rascheln des Laubs im Wind zu hören, die Borke der Bäume zu fühlen und das Gras zu riechen.

Scheideggers Lecture ist Teil der Veranstaltungsreihe „Argumented Reality“, die vom Göttinger Laborausstatter Sartorius gesponsert wird. Der nächste Termin ist im September. Das genaue Datum und das Thema stehen noch nicht fest.

Coworking-Space Startraum

Der Nutzerkreis des Göttinger Coworking-Space Startraum an der Friedrichstraße 3/4 in Göttingen wächst kontinuierlich, berichtet Mitgründer Nils Brunnert. 40 Personen gehören mittlerweile zur Community der Stammnutzer im alten Postgebäude, das später lange als Videothek diente. Ein Kreis von weiteren 60 Personen kommt unregelmäßig jeweils für einen Tag. Start-up-Teams, Freelancer und Selbstständige arbeiten im Startraum. Auch Mitarbeiter von Konzernen nutzen das Angebot an ihren Homeoffice-Tagen. Ein Vorteil: Die Nutzer kommen untereinander ins Gespräch. So tun sich ungeahnte Kooperationsmöglichkeiten auf.

Der Coworkings Space führt eigene Veranstaltungen durch. Die Gründung einer eigenen Startraum-Akademie ist noch in diesem Jahr geplant. In der vergangenen Woche hat der Startraum den Innenhof umgestaltet. Dort können die Nutzer nun bei sommerlichen Temperaturen mit ihrem Laptop unter Bäumen sitzen.

Die Einrichtung vermietet ihre Räume auch für Seminare, Workshops und Events mit zwei bis 100 Teilnehmern. Externe Anbieter sorgen auf Wunsch für Catering. Sie bieten Snacks und Getränke, aber auch Vollverpflegung.

Die Räume werden auch von der Life Science Factory genutzt, die Unternehmensgründungen in den Lebenswissenschaften fördert. Die Factory will dazu beitragen, dass der renommierte Wissenschaftsstandort Göttingen zu einem anerkannten Gründerstandort wird, so Geschäftsführer Sven Wagner. (mic)

Von Michael Caspar

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