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Regional Porträt: Lünemann-Geschäftsführer Josef Petermann
Nachrichten Wirtschaft Regional Porträt: Lünemann-Geschäftsführer Josef Petermann
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17:16 28.06.2013
Von Hanne-Dore Schumacher
In der Bäder-Ausstellung der Firma Lünemann in der Grätzelstraße: Geschäftsführer Josef Petermann.
In der Bäder-Ausstellung der Firma Lünemann in der Grätzelstraße: Geschäftsführer Josef Petermann. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Schüchtern war Josef Petermann, und so richtig vorstellen konnte sich niemand, dass es in der Fremde mit der Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann etwas werden würde.

50 Jahre sind seitdem vergangen, und mit einem Schmunzeln im Gesicht denkt Lünemann-Geschäftsführer Josef Petermann heute an diese Zeit. Wie kommt ein Junge aus dem Berchtesgadener Land an die Leine? Karl Rettberg war schuld. Der Prokurist von Lünemann hatte jahrelang Urlaub in Bayern gemacht und war regelmäßig Gast in der Pension Petermann. Rettberg kannte den Berufswunsch des kleinen Seppl (eines von vier Kindern), und er wusste auch, dass Josef, ginge es nach den Eltern, Tankwart werden sollte.

1961 hat Rettberg (der „Stahlmann“ bei Lünemann) den Jungen das erste Mal in den Ferien mit nach Göttingen genommen, 1962 begann Petermann seine Lehre bei Lünemann. Bei den Rettbergs hat er Familienanschluss gefunden, lebte bei ihnen und wurde ordentlich verwöhnt. Bereits nach zweieinhalb Jahren bestand er die Abschlussprüfung an der Handelslehranstalt und wurde mit 16 Jahren als Angestellter übernommen.

Natürlich habe er sich nach den Bergen gesehnt. Von Heimweh wusste auch Rettberg. Deshalb habe er Weihnachten 1962 nicht nach Hause gedurft. Sorge hatten die Gasteltern, dass der Junge nicht mehr nach Göttingen zurückkommen würde, erinnert sich Petermann. Aber er kam immer wieder gern zu den Lünemännern, die ihn, wie auch die Chefs Wilhelm und Reimer Günther, längst ins Herz geschlossen hatten.

Gebirgsjäger bei der Bundeswehr

Einmal nur war der Wahl-Göttinger länger in Berchtesgaden, als er 1968 nämlich die Bundeswehrzeit als Gebirgsjäger dort absolvierte. Als Petermann am 1. Januar 1970 wieder nach Göttingen zurückkehrte, bezog er ein eigenes Zimmer, „für wenige Mark“, in der Langen Geismarstraße 64, gleich um die Ecke vom Geschäft. Berufsbegleitend  begann Petermann 1971 mit dem Studium zum Betriebswirt (VWA). Nach der Prüfung 1974 sei er der erste Betriebswirt in der Firma gewesen.

Bei Lünemann fand Petermann nicht nur berufliche Erfüllung, dort traf er auch Bürokauffrau Gundel Reiter, die er am 14. Juli 1972 heiratete und mit der er die Söhne Sebastian und Christoph hat. Ab 1980 ging es beruflich steil bergauf: Handelsvollmacht, Geschäftsführung, Stellvertreter des Inhabers Reimer Günther. Höhen und Tiefen hat Petermann mit „seinem Betrieb“ erlebt, Krisen- und Goldgräberstimmung. Die Schließung des Stadtgeschäftes 1998 war ein Tiefpunkt. Aber: „Es ging nicht anders.“

Ehrenamtlich ist Petermann in seiner Wahlheimat engagiert, war im Einzelhandelsverband und in der Werbegemeinschaft tätig, auch in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer. Seit 1996 ist er Mitglied des Berufsbildungsausschusses in Hannover und des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) in Berlin, ist seit vielen Jahren auch Arbeits- und Sozialrichter.

Am 1. Oktober feiert Josef Petermann sein 50-jähriges Betriebsjubiläum bei Lünemann, am 30. Juni 2013 geht er in den Ruhestand. „Es ist ideal gelaufen“, zieht er Bilanz. Nie habe er den Umzug vom Süden in den Norden bereut.