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Regional Regionale Unternehmen beklagen Verluste durch Sanktionen gegen Russland
Nachrichten Wirtschaft Regional Regionale Unternehmen beklagen Verluste durch Sanktionen gegen Russland
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20:24 12.09.2014
Geschäft mit Russland und Ukraine stockt: Jan Schelp und Stefan Gais an einer Maschine, die in die Ukraine geliefert werden soll. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Sein Messtechnik-Unternehmen werde aufgrund der Krise 2014 bei einem geplanten Gesamtumsatz von 220 Mio. Euro zwei Mio. Euro weniger einnehmen. Dabei sei Mahr nicht einmal direkt durch die Ausfuhrverbote betroffen. Vielmehr hielten sich die Kunden, westliche Autohersteller mit Werken in Russland, derzeit mit Investitionen zurück.

Gais hält das Vorgehen der Europäischen Union (EU) gegenüber Russland für falsch. Die Russen fühlten sich durch die EU-Aktivitäten in der Ukraine in ihrer Sicherheit gefährdet. Durch Sanktionen verschärfe sich das Problem noch. Wichtig sei zu erkennen, dass die USA andere Interessen verfolgten als Europa. Wenn Russland seine Gaslieferungen an Europa einstelle, erschließe sich dort für die Amerikaner ein neuer Absatzmarkt für ihr Flüssiggas.

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Deeskalation

Eine Deeskalation liegt nach Einschätzung von Gais auch im Interesse Russlands. Das Land, das vor allem Öl und Gas exportiere, benötigte für seine Industrialisierung Direktinvestitionen aus dem Westen. Setze die EU jedoch weiter auf Konfrontation würde Russland seine Kontakte mit China intensivieren.

Der Göttinger Labor- und Prozesstechnologieanbieter Sartorius erwirtschaftet bisher 1,5 Prozent seines Konzernumsatzes in Russland. „Wir werden das wohl nicht verlieren, aber auch nicht weiter wachsen“, erwartet Pressesprecherin Petra Kirchhoff. Direkt von den EU-Sanktionen sei Sartorius bisher nicht betroffen.

Sie hätten zwar Dual-Use-Produkte wie etwa Bio-Fermenter im Angebot, Produkte also, die sich sowohl zivil als auch militärisch nutzen ließen. Sie würden aber bisher kaum nach Russland verkauft, weil dort die Produktion von Biopharmazeutika „kein großes Thema“ sei.

„Beeindruckend positive“ Entwicklung

Von einer bisher „beeindruckend positiven“ Entwicklung des Russlandgeschäfts spricht Karl Heinz Burghardt, der beim Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Ottobock für das Osteuropageschäft zuständig ist. Sie produzierten auch in Russland. Bisher hätten weder die EU-Sanktionen, noch die russischen Gegenmaßnahmen Ottobock direkt betroffen. Allerdings sei das Unternehmen im Russlandgeschäft von den staatlichen Gesundheitsbudgets abhängig. Dort habe es 2014 „erhebliche Kürzungen“ gegeben.

„Wichtige Märkte“ sind Russland und die Ukraine für die Einbecker KWS Saat AG, teilt Pressesprecherin Mandy Schnell mit. In der Ukraine habe die KWS eine Tochtergesellschaft mit 65 Mitarbeitern, die dort Saatgut produziere und vertreibe. Im russischen Lipetzk gebe es eine Tochtergesellschaft für Züchtung, Produktion und Vertrieb mit mehr als 100 Mitarbeitern. Russisches Saatgut brächte bei weitem nicht die Erträge westlicher Sorten.

Da die Bestellungen für das saisonale Saatgutgeschäft erst im Winter/Frühjahr vorgenommen würden, seien die Auswirkungen der Krise derzeit nicht abzuschätzen.

Von Michael Caspar