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20:00 17.05.2019
Wo ist der Mitarbeiter hin? Raucherpause? Dixi Klo? Künftig muss wohl jede Unterbrechung der Arbeit genau dokumentiert werden. Quelle: dpa
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Göttingen

Das Urteil ist gefallen. Arbeitgeber müssen bald sämtliche Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter erfassen. Ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) sorgt seit fünf Tagen für Reaktionen der unterschiedlichsten Art.

Mitarbeiter entscheiden eigenverantwortlich

„Wir haben Vertrauensarbeitszeiten“, sagt der Geschäftsführer der Ifas GmbH Göttingen, Dietmar Thiele. Das heißt, die Mitarbeiter der Firma, die eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen betreibt, entscheiden eigenverantwortlich, wie sie ihre tagtägliche Arbeitszeiten gestalten. Eine Regelung, die mit dem Betriebsrat abgesprochen sei und die – zumindest bislang – gut funktioniere. „Solange man das Gefühl hat, dass man nicht ausgenutzt wird, was man an Vertrauen gibt, ist das so in Ordnung“, führt Thiele weiter aus. Und wenn doch? „Dann müsste neu darüber nachgedacht werden“, zeigt sich der Geschäftsführer unaufgeregt. Er habe aber den Eindruck, dass die Regelung die Mitarbeiter „abholt“. Eine Arbeitszeiterfassung sei aufwendig und teuer. Vieles müsste dann genau geregelt werden, etwa, wenn sich Raucher Pausen gönnen.

„Keine festen Zeiten für Außendienstler “

„Die Festlegung des Europäischen Gerichtshofes macht uns nichts aus, weil die Arbeitszeiten in unserer Unternehmensgruppe schon von jeher erfasst werden“, erklärt Helmut Peter. Er ist der Geschäftsführer der Autohaus-Gruppe Peter mit Sitz in Nordhausen. Auch in Göttingen unterhält der Betrieb eine Filiale. „Unsere Mitarbeiter, wie etwa die Monteure, arbeiten im klassischen Mehrleistungssystem. Der Vertrieb hat gleitende Arbeitszeiten, denn für einen Außendienstler kann man keine festen Zeiten festlegen. Insofern spielt das Thema `Arbeitszeiterfassung´ für uns eine untergeordnete Rolle“, stellt Peter fest.

„Überflüssige bürokratische Verpflichtung“

Position bezogen hat umgehend der Arbeitgeberverband Mitte mit Sitz in Göttingen. „Die Entscheidung des EuGH zur Arbeitszeiterfassung wirkt wie aus der Zeit gefallen“, zeigt sich Hauptgeschäftsführerin Kirsten Weber nahezu erstaunt über das Urteil der obersten EU-Richter. „Die Arbeitgeber sind gegen die generelle Wiedereinführung der Stechuhr im 21. Jahrhundert. Nicht, weil sie die tatsächlichen Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter verschleiern wollen, sondern das jetzige Arbeitszeitgesetz ausreichend Möglichkeiten bietet, dasselbe Ziel zu erreichen“, erklärt Weber. Jetzt komme eine weitere, „völlig überflüssige bürokratische Verpflichtung“ auf die europäischen Unternehmen zu.

Auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 könne man nicht mit einer Arbeitszeiterfassung 1.0 reagieren. „Die Entscheidung darf in Zeiten gelebter und mit zum Teil mit Betriebsräten vereinbarter Vertrauensarbeitszeiten keine Nachteile für solche Arbeitnehmer mit sich bringen, die schon heute flexibel arbeiten. Arbeitgeber wehren sich auch gegen den erneuten Generalverdacht, nicht sorgsam genug mit den Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter umzugehen“, findet Weber deutliche Worte.

„Achtungsvoll miteinander umgehen“

Nicht minder deutlich wird Thomas Uloth. Der Berater aus Berlin unterstützt die Gemeinwohl-Ökonomie. Er war vor einigen Wochen zu einem Vortrag in Göttingen. „Das ist ein Schritt zurück in die Steinzeit“, sagt er auf Anfrage des Tageblatts. Eine solche Vorgabe könne zu Exzessen führen, findet er. Jeder Toilettengang, jede Raucherpause müsste irgendwie dokumentiert werden. Es sei auch schwierig einzuschätzen, was eventuell Goodwill des Arbeitnehmers ist und was Arbeitszeit. „Da sehe ich viele Fragezeichen.“ „Ich hätte mir gewünscht, dass stattdessen das Bewusstsein darüber gefördert wird, wie beide Seiten achtungsvoll miteinander umgehen und einvernehmlich miteinander wirtschaften“, zeigt Uloth den Ansatz von Gemeinwohl-Ökonomie auf. Wirtschaften auf Augenhöhe, im Idealfall hierarchiefrei müsse die Zukunft des Arbeitslebens sein. „Aus meiner Sicht muss es das Gesetz nicht geben“, so Uloth.

Von Ulrich Meinhard

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