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Regional Sami's Bringdienst: Küchenchef aus Sri Lanka in Rosdorf
Nachrichten Wirtschaft Regional Sami's Bringdienst: Küchenchef aus Sri Lanka in Rosdorf
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16:48 25.04.2014
In seinem kleinen Restaurant: Seevaratnam Nithiyananthan aus Sri Lanka. Quelle: Hinzmann
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Rosdorf

1980 kam Seevaratnam Nithiyananthan als politischer Flüchtling in die Bundesrepublik.

Der damals 20-Jährige sprach kein Wort Deutsch und verfügte über keine berufsrelevanten Kenntnisse. Eins aber konnte der geborene Sri Lanker: anpacken. Heute, 34 Jahre später, betreibt er sein eigenes Restaurant, besitzt ein Haus, ist glücklich verheiratet und hat drei Kinder, die alle das Gymnasium besuchen.

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Der Bürgerkrieg zwischen den tamilischen Separatisten und dem von Singhalesen dominierten Staat brach erst 1983 aus, aber bereits Jahre vorher herrschten große Spannungen. Obwohl selbst nicht politisch aktiv, entschloss sich Nithiyananthan dazu, seine Heimat zu verlassen und in Deutschland Asyl zu beantragen.

Das wurde ihm zwar gewährt, aber besonders rosig sah seine Zukunft nicht aus. Die Fortsetzung seines Mathematikstudiums war wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht wirklich eine Option. Doch Nithiyananthan wollte etwas aus sich machen und nahm seine Zukunft selbst in die Hand. Er fing in einem italienischen Restaurant als Küchenhilfe an, lernte zu kochen und belegte nebenbei Deutschkurse.

„Außer Japanisch kann ich alles kochen“

Nach zweieinhalb Jahren begann er eine Kochlehre im Würzburger Ratskeller, arbeitete dort nach der Abschlussprüfung noch zwei Jahre und wechselte anschließend ins Maritim Hotel. Es folgte eine Reihe von weiteren Stationen in guten bis sehr guten Restaurants, bis er 2001 von Landsleuten hörte, dass in Göttingen „Giovannis Bringdienst“ auf dem Hagenberg zum Verkauf stand.

Also zog Nithiyananthan in die Leinestadt. Nach zwei Jahren verkaufte er „Giovannis“ und eröffnete in der Bunsenstraße in den Räum, wo heute das La Grotta residiert, Sami’s Bringdienst. Vier Jahre später erwarb er in Rosdorf eine Immobilie, in der bis heute Sami´s Bringdienst untergebracht ist und die Familie Nithiyananthan, bestehend aus Vater Seevaratnam, Mutter Suseelathevy und drei Kindern (16, 15, 11), lebt.

„Außer Japanisch kann ich alles kochen“, sagt der Gastronom. Dementsprechend international präsentiert sich die Karte seines Bringdienstes und kleinen Restaurants: Pizza, Nudeln, Schnitzel, Gyros, deutsche, asiatische, mexikanische sowie US-amerikanische Spezialitäten stehen auf der Karte.

„Vieles ist im Bürgerkrieg zerstört worden“

Gerichte aus seiner Heimat fehlen. Die habe er vor ein paar Jahren gestrichen, berichtet Nithiyananthan: „Die Gäste konnten mit den ungewohnten Gewürzen einfach nichts anfangen.“ Vor zwei Jahren besuchte der Sohn eines selbstständigen Großhändlers nach langer Zeit seine Heimat. „Es sah alles anders aus“, erinnert er sich.

„Vieles ist im Bürgerkrieg zerstört worden.“ Seinen Bruder hat er besucht, die Eltern sind verstorben. „Wir haben regelmäßig miteinander telefoniert, aber gesehen haben wir uns nach meiner Flucht nie wieder“, erzählt er traurig. Was die politische Situation Sri Lankas angeht – er bitte um Verständnis, dass er darüber nicht sprechen möchte.

Seine Kinder seien natürlich „in erster Linie Deutsche“. Aber er und seine Frau erzögen sie so, dass sie der sri-lankischen Kultur möglichst eng verbunden blieben. Die beiden Söhne spielen Fußball beim SC Rosdorf, ihr Vater bevorzugt weiterhin Cricket. Auf den Tisch der Familie kommen typisch sri-lankische Speisen, obwohl der Vater auch ein großer Anhänger von Schweine- und Sauerbraten, Knödeln und Sauerkraut ist.

Nur an deutschen Gerstensaft habe er sich nie gewöhnen können, erzählt er lachend. Er bevorzuge das weniger bittere, aus Reis gebraute Bier seines Geburtslandes.

Sami’s Bringdienst,
Masch 23 in Rosdorf
Telefon 05 51 / 633 88 50

Von Hauke Rudolph

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