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16:06 16.10.2019
Die Weltwirtschaft wächst langsamer: Zollinspektion im Hafen der chinesischen Stadt Nanchang. Quelle: Zhaozhi
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Göttingen

Die Konjunktur in Niedersachsen – insbesondere bei der Industrie – trübt sich ein, berichtet die Industrie- und Handelskammer. Das trifft auch Göttinger Firmen – aber nicht alle gleich. „Wir merken das nachlassende Wachstum vor allem daran, dass es für uns leichter wird, Mitarbeiter zu finden“, berichtet Christian Stickl, der geschäftsführende Gesellschafter der Kappa Optronics GmbH aus Klein Lengden. 20 neue Mitarbeiter hat das Unternehmen, das Kamera- und Sichtsysteme entwickelt und produziert, im vergangenen Vierteljahr eingestellt. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 20 Prozent.

In wachsendem Markt

„Wir beliefern Highend- und Premium-Segmente, die von konjunkturellen Schwankungen weniger stark betroffen sind“, führt Stickl aus. Kamera- und Sichtsystem würden in Autos und Flugzeugen zunehmend wichtiger. Dieser Markt wachse. Probleme habe seine Firma dagegen im Rüstungssektor. Das habe mit den instabilen Regierungsverhältnissen etwa in Italien, Spanien oder Israel zu tun, wo sich politische Entscheidungen verzögerten. Zudem würden europäische Rüstungsunternehmen oft nicht mehr mit deutschen Firmen zusammenarbeiten wollen, weil die Bundesregierung im Alleingang Exportverbote – etwa nach Saudiarabien – verhänge. Produkte könnten dann nicht ausgeliefert werden.

„Wir haben in diesem Jahr kräftig investiert“, sagt Stickl. 2020 werde es darum gehen, die neuen Maschinen auszulasten. Investiert werde jetzt verstärkt in strategische Partnerschaften sowie in Auslandstöchter. Kappa Optronics habe gerade eine Tochter in Spanien gegründet, um näher bei ihren Kunden zu sein.

Afrikanische Schweinepest

„2019 ist für uns ein brutal schwieriges Jahr“, sagt Benjamin Krieft, Geschäftsführer der Göttinger Fleischwarenfabrik Börner-Eisenacher. Das habe aber weniger mit der Konjunktur als mit der in Asien wütenden Afrikanischen Schweinepest zu tun. Die Epidemie führe dazu, dass China in Europa große Mengen Schweinefleisch kaufe. Die Preise seien auf ein „noch nie dagewesenes Niveau“ gestiegen. Diese Preiserhöhungen könnten sie allerdings kaum gegenüber den Handelsriesen durchsetzen.

Marktnische Bioprodukte

„Uns hilft dabei, dass wir mittlerweile 55 Prozent unseres Umsatzes im Biobereich erzielen“, sagt Krieft. Dort würden die Fleischpreise weniger stark steigen. Der Anteil solle im kommenden Jahr auf 60 Prozent steigern. Eine Herausforderung seien zudem die anziehenden Energiekosten. Für ihre 130 Mitarbeiter müssten sie mehr Geld ausgegeben, um sie zu halten. Deutlich zugelegt hätten in den vergangenen zwei Jahren die Kosten für Logistik. Die Logistiker fänden kaum noch Fahrer.

Transportmengen gehen zurück

„Wir sind eine personalintensive Branche und müssen unsere Kosten weitergeben“, sagt dazu Andreas Krüger, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Krüger. Er habe allerdings im Gegensatz zur Gesamtbranche keine Probleme, Fahrer zu finden. Er bilde selber aus. Wegen des „guten Betriebsklimas“ sei die Fluktuation gering. Die nachlassende Konjunktur spürten sie durch zurückgehende Transportmengen bei einzelnen Kunden. Das werde aber durch neue Kunden ausgeglichen. In diesem Jahr hätten sie ihre Lager- und Umschlagflächen durch eine neue Halle in Hann. Münden um 10000 auf nun 48000 Quadratmeter erhöht.

Im Einzelhandel läuft es „ungebrochen gut“

„Im Einzelhandel laufen die Geschäfte ungebrochen gut“, berichtet Alexander Grosse, der Vorsitzende des Göttinger Einzelhandelsverbands. Das wisse er aus vielen Gesprächen mit Kollegen. Konjunkturelle Schwankungen verspürten sie als „letztes Glied der Kette“ immer verzögert. Niemand stelle wegen der aktuellen „konjunkturellen Delle“ Personaleinstellungen oder Investitionen zurück.

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Konjunkturklimaindikator

Der Abschwung der Industrie erfasst im Herbst auch andere Branchen. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturklimaindikator der Industie- und Handelskammer hervor. Die Studie basiert auf der Befragung von knapp 1900 Unternehmen in Niedersachsen. Danach hat sich die Wirtschaftslage im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. 28 Prozent der Firmen betrachten die aktuelle Geschäftslage als gut (2018: 39 Prozent). Unverändert zufrieden sind 59 Prozent. Unzufrieden zeigen sich 14 Prozent (2018: acht Prozent).

Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich verschlechtert: zwölf Prozent der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 55 Prozent erwarten keine Veränderung und 33 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der Abschwung der Industrie hat sich im dritten Quartal fortgesetzt. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland waren rückläufig und der Auftragsbestand wird jetzt von 28 Prozent der Unternehmen als zu klein beurteilt. (mic)

Von Michael Caspar

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