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Regional Software soll Internet-Kriminelle aufspüren
Nachrichten Wirtschaft Regional Software soll Internet-Kriminelle aufspüren
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05:00 31.07.2019
Entwickelte das Konzept für die Ermittlersoftware Gofer: der Göttinger Cybercrime-Spezialist Jörg Gottschalk. Quelle: Niemann
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Göttingen

„Zukunftsorientiert – Lösungen, die verändern“: Dieses Motto hat der Landkreis Göttingen für den Innovationspreis 2019 gewählt. Das Tageblatt stellt die Teilnehmer vor. Heute: Gofer Software.

„Ihr Rechner ist virenverseucht; wir müssen sofort handeln, um einen Totalschaden zu verhindern“, erklärt der Anrufer, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben hat. „So bringen Kriminelle Bürger dazu, ein Fernwartungsprogramm auf ihrem Rechner zu installieren und den Tätern so ungeschützten Zugriff auf alle Daten geben“, berichtet Jörg Gottschalk, Ermittler bei der „Task Force Cybercrime / Digitale Spuren“ der Polizeiinspektion Göttingen. Dutzende solche Fälle gibt es täglich in jeder deutschen Großstadt. Die Masche ist bereits gut zehn Jahre alt. „Oft agieren die englischsprachigen Täter von Indien aus“, weiß der Ermittler. Immer wieder fallen Bürger auf die Kriminellen herein.

Schwarzer Bildschirm

„Sobald der Anrufer Zugriff auf den Rechner hat, bittet er um Verständnis“, sagt der Polizist. Der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter sagt etwa: „Ihr Bildschirm wird jetzt gleich programmbedingt schwarz. Ich werde ihnen aber am Telefon genau erklären, was ich jetzt tue.“ Gottschalk: „Während der Anrufer den Bürger mit immer neuen Ausführungen hinhält, wird der Computer systematisch nach persönlichen Daten ausgespäht.“ Die Kriminellen lesen Zugangsdaten aus und installieren Trojaner.

Plünderung der Online-Konten

„Kann der Täter auf Online-Bankkonten zugreifen, bucht er Gelder ab, kauft Kryptowährungen oder Gutscheine“, berichtet Gottschalk. Ein Bürger, den er betreut, ist so um 50 000 Euro geschädigt worden. Im Gros der Fälle fehlen am Ende drei- bis vierstellige Beträge, weiß der Polizist. Einige Bürger betrachten das als Lehrgeld und verzichten auf eine Anzeige. Wer zur Polizei geht, muss den eigenen Rechner mitbringen – oder warten, bis die Polizei vorbeikommt. Die Datenverarbeitungs-Gruppe der Taskforce sichert dann die Daten und spiegelt den Computer, erstellt also eine Eins-zu-Eins-Kopie.

Täter hinterlassen auch im Netz Spuren

„Die Täter hinterlassen auf dem Rechner – wie an anderen Tatorten – Spuren, die wir verfolgen können“, führt der Ermittler aus. Das sei allerdings aufwendig. Gottschalk klagte auf der Fahrt zu einer Weiterbildung einem Kollegen seiner Einsatzgruppe, einem IT-Spezialisten, sein Leid, und fragte, ob dieser Abhilfe wisse. Der Kollege stellte den Kontakt zu einem Programmierer im Polizeidienst her. Dieser wiederum schuf nach den Vorgaben des Ermittlers eine Software, Gofer, die auf dem Rechner des Geschädigten automatisch alle nötigen Spuren sichert und zu einem Datenpaket, einer zip-Datei, schnürt.

Beachtung des Datenschutzes

„Die Gofer-Software steht mittlerweile auf der Internetseite der niedersächsischen Polizei zum Herunterladen bereit“, berichtet Gottschalk. Der Geschädigte kann vor dem Starten des Programms Einstellungen vornehmen und der Polizei bestimmte Zugriffe verwehren. Zudem kann er alle Dateien, die das Programm erstellt, durchsehen, bevor er sie der Polizei übermittelt. Das dient dem Datenschutz.

Fertiger Bericht für die Staatsanwaltschaft

„Gofer erfasst unter anderem den Verlauf der Internetzugriffe, installierte Programme und die Zugriffsdaten des installierten Fernwartungsprogramms“, führt Gottschalk aus. Das Programm bereitet alles in einem Auswertungsbericht so auf, dass der Polizist diesen gleich an die Staatsanwaltschaft weitergeben kann.

Positives Feedback aus ganz Deutschland

„Das Programm erleichtert uns in Göttingen, wo wir Ermittler ständig drei, vier aktuelle Microsoft-Support-Fälle auf dem Tisch haben, aber auch Kollegen in anderen Teilen Deutschlands die Arbeit sehr“, sagt der Polizist. Die Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis seien durchweg positiv.

Von Michael Caspar

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