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Regional Spanier machen Praktikum in Deutschland
Nachrichten Wirtschaft Regional Spanier machen Praktikum in Deutschland
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19:14 29.05.2012
Studiert die Geheimnisse des Brauens: Fernando Martín bei Hütt im nordhessischen Baunatal.
Studiert die Geheimnisse des Brauens: Fernando Martín bei Hütt im nordhessischen Baunatal. Quelle: EF
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Göttingen

Nun ist Martín im Rahmen des Austauschprogramms Leonardo da Vinci der Europäischen Union für zwei Monate nach Deutschland gekommen, um Brauern über die Schuler zu schauen.

Einen Monat lang absolvierte er bei Alexander Mollenhauer in dessen Garagenbrauerei in Moringen ein Praktikum. Derzeit ist er für einen Monat in der Hütt-Brauerei in Baunatal tätig. Freie Tage nutzte er für einen Abstecher nach München, um Kontakte zu bayrischen Braumeistern zu knüpfen. Betreut wird Martín in Deutschland von der Beschäftigungsförderung Göttingen, der Partnerorganisation der städischen Wirtschaftsförderung von Santa Cruz auf Teneriffa. Mit Martín zusammen sind noch drei Frauen nach Göttingen gekommen. Weitere Existenzgründer sollen in den kommenden Monaten folgen, kündigt Projektleiter Hendrik Abel an.

Spanier lernen in Deutschland

Carolina Cabeza (40) will in ihrer Heimat eine Rechtsanwaltskanzlei gründen. Die Juristin, die neben Spanisch bereits Englisch, Französisch und Portugiesisch spricht, hat die vergangenen elf Jahre auf dem Flughafen in Teneriffa gearbeitet. Auch sie sieht in deutschen Urlaubern interessante Geschäftspartner. Sie möchte Deutsche beim Kauf und Verkauf von Immobilien, bei der Vermietung und in Erbfragen unterstützen. Für sechs Monate ist sie nach Deutschland gekommen. Derzeit arbeitet die Juristin in einer Göttinger Rechtsanwaltkanzlei. 

Noemi Correa (30) hat vor, sich mit einem Textilgeschäft selbstständig zu machen. Um das Bedienen von Kunden auf Deutsch zu lernen, absolviert sie in Göttingen bei Real ein Praktikum. Deutsche Ketten sind in Spanien präsent, erzählt sie. In Touristenhochburgen erwarteten die Arbeitgeber Deutschkenntnisse. Auf Teneriffa machten Deutsche 20 Prozent der Kundschaft aus. Ein Arbeitszeugnis aus Deutschland erleichtere den Einstieg. Mit der Gründung ihres eigenen Geschäfts will sie sich aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Spanien noch etwas Zeit lassen. 

Deutschkenntnisse hilfreich

Das gilt auch für Analí Flores (26), die an der Fachhochschule Betriebswirtschaft studiert hat und überlegt, ob sie ein Büro für Finanzbuchhaltung gründen soll. In Spanien werden solche Arbeiten von Firmen oft an Dritte vergeben, erzählt sie. Derzeit sei allerdings keine gute Zeit für neue Projekte. Die Arbeitslosigkeit liege bei 30 Prozent. Jeder zweite Jugendliche suche eine Beschäftigung. Flores würde gerne eine Weile in Deutschland Berufserfahrungen sammeln. Ohne solide Deutschkenntnisse hat man jedoch keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, hat sie beobachtet. Anders als in den 60er-Jahren suchten Firmen heute gut ausgebildete Fachkräfte.

Um ihr Deutsch zu verbessern, hat Flores bereits ein Jahr lang als Au-pair-Mädchen in der Bundesrepublik gearbeitet. Ab August macht sie in Bonn ein freiwilliges soziales Jahr. 100 Euro Taschengeld im Monat bei freier Kost und Logis seien mehr, als viele junge Spanier zu erwarten hätten, sagt sie. Göttingens Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck freut sich über die Praktikanten. Die Stadt schickt seit Jahren Langzeitarbeitslose nach Spanien, damit sie dort Arbeitserfahrungen sammeln.