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Regional Sprudelnde Steuern und längere Abgabefristen
Nachrichten Wirtschaft Regional Sprudelnde Steuern und längere Abgabefristen
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18:00 16.05.2019
Stellen die aktuelle Finanzamtstatistik vor: Schnieders, Pohlmann und Bierwag (v.l.). Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Die Steuereinnahmen sprudeln, die Zahl elektronischer Steuererklärungen soll weiter steigen, die Abgabefrist für Steuererklärungen wird verlängert. Das Finanzamt Göttingen hat am Donnerstag über das Steueraufkommen im Jahr 2018, Änderungen und Neuerungen informiert.

Behörde informiert über elektronische Steuererklärung

Um die Jahrtausendwende wurde das Online-Portal Elster eingeführt, inzwischen werden dem Finanzamt etwa zwei Drittel der Einkommenssteuererklärungen digital übermittelt. Ziel sei die komplette Umstellung auf das für alle Beteiligten komfortable elektronische Verfahren, sagt Sachgebietsleiter Peter Bierwag. Deshalb biete die Behörde am Donnerstag, 6. Juni, um 18 Uhr wieder eine kostenlose Infoveranstaltung an. Anmeldungen wegen begrenzter Platzzahl sind bis 4. Juni unter Telefon 0551/407123 oder persönlich im Servicebereich möglich, bei Bedarf soll eine Folgeveranstaltung angeboten werden. Um die Nutzerfreudlichkeit der elektronischen Steuererklärung und weitere Themen geht es auch in einer Bürgerbefragung der Steuerverwaltung zur Kundenzufriedenheit, die noch bis Ende Februar 2020 läuft. ku

Steuerpflichtige haben in diesem Jahr erstmals die Möglichkeit, ihre Steuererklärungen für 2018 bis zum 31. Juli abzugeben. Bislang galt der 31. Mai als Deadline. Die Abgabefrist für beratene Steuerzahler endet am 29. Februar 2020, für freiwillig abgegebene Steuererklärungen gilt weiterhin eine Vierjahresfrist. Wie schon für 2017 sind Papierbelege nicht mehr einzureichen, sondern nur noch aufzubewahren und auf konkrete Anforderung nachzureichen. Als „Kehrseite der Medaille“ nennt Finanzamtsvorsteher Andreas Pohlmann, dass Fristverstöße ab 2019 mit Verspätungszuschlägen noch konsequenter geahndet werden.

Löwenanteil entfällt auf Lohnsteuer

Auf gut 958 Millionen Euro hat sich das seit 2016 jährlich um zehn Millionen Euro gestiegene Steueraufkommen beim Finanzamt Göttingen im vergangenen Jahr summiert. Pohlmann geht davon aus, dass diese Entwicklung anhält und in seiner Amtszeit noch die Milliardengrenze geknackt wird. Dass Niedersachsen Einnahmeausfälle von 844 Millionen Euro bis 2023 erwarte, bedeute keinen Rückgang des Steueraufkommens, sondern betreffe nur den Erwartungshorizont zusätzlicher Einnahmen. Basis sei allerdings die unwägbare Konjunkturentwicklung.

Steuerentwicklung 2014-2018 Quelle: Finanzamt

Der Löwenanteil des Steueraufkommens beim Finanzamt Göttingen entfiel 2018 mit knapp 548 Millionen auf die Lohnsteuer, gefolgt von fast 166 Millionen Euro Einkommenssteuer sowie im zweistelligen Millionenbereich Körperschafts-, Umsatz- und Grunderwerbssteuer. Lohnerhöhungen, der Rückgang der Arbeitslosigkeit und der starke Hochlohnsektor im Raum Göttingen würden ebenso zur Steigerung des Steueraufkommens beitragen wie die mit steigenden Grundstückspreisen und Investitionen ins Betongold zunehmende Grunderwerbssteuer, sagt Pohlmann. Den durchschnittlichen Lohnsteuersatz schätzt Behördensprecher Stephan Schnieders auf 20 bis 25 Prozent. Die Bearbeitungszeit der Veranlagungen für Arbeitnehmer liege mit bis 35 bis 38 Tagen weit unter dem Landesdurchschnitt.

Mehr Mitarbeiter für Überprüfungen

Während die Arbeit zunimmt, muss die für Stadt und Landkreis Göttingen ohne Duderstadt und die Samtgemeinde Gieboldehausen zuständige Behörde mit immer weniger Mitarbeitern auskommen, allerdings auch nicht mehr die lästige Kfz-Steuer betreuen. Die Mitarbeiterzahl ist inzwischen von mehr als 300 auf 288 geschrumpft. Als Gründe nennt Pohlmann die Entwicklung im EDV-Bereich und den öffentlichen Sparkurs. Personell verstärkt wurde der Außendienst: Die etwa 30 Betriebsprüfer machten sich bezahlt, sagt Schnieders. Von 27 768 Betrieben aller Rechtsformen wurden im vergangenen Jahr 1115 Freiberufler und 685 Betriebe überprüft, dabei 17,7 Millionen Euro Mehrsteuern festgestellt. Weitere 390 000 Euro mehr an Steuern kamen durch 316 Lohnsteuer-Außenprüfungen bei Arbeitgebern zusammen. Außerdem wurden 194 Umsatzsteuer- und Kassen-Nachschauen durchgeführt. Mit den Registrierkassen gebe es immer wieder Probleme, sagt Pohlmann.

Eigene Behörde für Großbetriebe

„Wer gut beraten ist, kann rechtliche Möglichkeiten eher nutzen“, antwortet der Finanzamtschef auf den weit verbreiteten Vorwurf, dass größere Steuerzahler weniger überprüft werden, mehr Schlupflöcher und Steueroasen nutzen könnten: „Wir bekommen den Unmut zu spüren, können aber nichts dafür.“ Kleinbetriebe und Selbstständige würden viele Jahre ungeprüft bleiben, bei Betriebsprüfungen Schwerpunkte gesetzt. Für größere Unternehmen gibt es eine eigenen Behörde – das Finanzamt für Großbetriebsprüfungen Göttingen.

Über Empfehlungen für Steuertricks ärgert sich der Behördenleiter nicht. Solange sie legal sind, sieht er es angesichts des Steuerdickichts sportlich, nicht aber, wenn es um Hinterziehung durch die Hintertür geht, Ehepartner nur auf dem Papier beschäftigt sind, Mietverträge fingiert oder die gewerbliche Putzkraft privat eingesetzt wird. Mit Steuererklärungen im Bierdeckelformat, wie es einst Friedrich Merz forderte, rechnet Pohlmann auch in Zukunft nicht – es sei denn, das Format habe den Inhalt einer DVD: „Ein einfacheres Steuerrecht bekommen wir nur, wenn alle Interessenvertreter ohne Smartphone auf Helgoland eingeschlossen werden.“

Von Kuno Mahnkopf

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