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Regional Spurensuche: Handwerk verfolgt Schwarzarbeiter
Nachrichten Wirtschaft Regional Spurensuche: Handwerk verfolgt Schwarzarbeiter
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14:52 22.09.2009
Stellt ihren Entwurf vor: Sabrina Kulle aus Witzenhausen.
Stellt ihren Entwurf vor: Sabrina Kulle aus Witzenhausen. Quelle: soz
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Sabrina Kulle war nicht die einzige, die einen Plakatentwurf für die Kampagne gegen Schwarzarbeit einreichte. Ihre ganze Berufsschuleklasse Mediengestaltung an der BBS II hatte sich an der Ausschreibung der Krieshandwerkerschaft Südniedersachsen beteiligt. Mit ihrem Entwurf „Schwarzarbeit hinterlässt Spuren“ überzeugte die 24-jährige Witzenhäuserin den KHS-Vorstand. In Schwarz-Weiß mit riesigem Fingerabdruck erhielt ihr Poster den einstimmigen Zuschlag der Jury. Gestern stellten Vorstand und Geschäftsführung der KHS die Kampagne vor, mit der in der kommenden vier Wochen in den Städten Göttingen, Duderstadt und Hann Münden der Schattenwirtschaft der Garaus gemacht werden soll.

Zwar könne er für den Landkreis Göttingen keine konkreten Zahlen nennen, im ehemaligen Zonenrandgebiet hätten es die eingetragenen Handwerksbetriebe jedoch besonders schwer, erklärte KHS-Geschäftsführer Andreas Gliem. Neben der Schwarzarbeit belaste der Verdrängungswettbewerb durch ostdeutsche Firmen die Handwerksbetriebe. Verfolgung und Ahndung von Schwarzarbeit allein reiche heute nicht mehr aus. Gliem fordert eine Umkehr im Bewusstsein der Menschen, weist auf die Vernichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, auf Steuerausfälle und Gewährleistungsverluste durch die organisierte Schwarzarbeit hin.

Absetzbarkeit richtiger Weg

„Steuern und Lohnzusatzkosten müssen runter“, forderte Jutta Schwarzer. Die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen stellte zur Vorstellung der KHS-Kampagne gestern klar, dass auch die politischen Ursachen für Schwarzarbeit behoben werden müssten. Die Absetzbarkeit von Handwerkerlöhnen bis zu 20 Prozent von bis zu 6000 Euro sei ein richtger Schritt, die Beträge müssten jedoch mindestens verdoppelt werden. Auch Kammerpräsident Jürgen Herbst will es den Schwarzarbeitern schwer machen.

Deshalb forderte er den Gesetzgeber erneut auf, die bestehende Wegeunfallversicherung für Schwarzarbeiter komplett zu streichen. „Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt“, unterstrich Landrat Reinhard Schermann. Der Landkreis nehme die Sache sehr ernst, sagte er gestern und verwies auf die Kooperation mit der zuständigen Zollverwaltung. „Optimierungsbedarf“ sieht Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer bei der Verfolgung von Schwarzarbeit. Sein Fazit dennoch: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die Fachbetriebe gelte es zu schützen, erklärte Klaus Burhenne. Hann. Mündens Bürgermeister erinnerte an die fatalen Brände in der Fachwerkstadt. Die notwendigen Aufbauarbeiten könnten Schwarzarbeiter nicht leisten.

Mit wenigen Worten habe Sabrian Kulle, die bei der Firma Klartext gelernt und dort auch eine Stelle bekommen hat, die Probleme der Schwarzarbeit auf den Punkt gebracht, stellte Norbert Dunemann, stellvertretender Kreishandwerksmeister, fest. Deshalb werden die Plakate und Transparente in den kommenden vier Wochen in Riesenformaten an Brücken, Kreuzungen und anderen zentralen Orten im Landkreis platziert.

Informationen zur Kampagne.

Von Hanne-Dore Schumacher

Albrecht Scheuermann 21.09.2009
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