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Regional 2018 – ein Jahr der Umstrukturierungen
Nachrichten Wirtschaft Regional 2018 – ein Jahr der Umstrukturierungen
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14:49 27.12.2018
170 Stellen abgebaut, aber den Standort Göttingen nach eigenen Angaben gestärkt: Robert Bosch GmbH. Quelle: Wenzel
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Göttingen / Südniedersachsen

 Das zu Ende gehende Jahr war in Teilen der südniedersächsischen Wirtschaft von Umstrukturierungen, Standort-Verlagerungen und Stellenabbau-Plänen geprägt. Die betroffenen Unternehmen blicken dennoch zumeist optimistisch in die Zukunft.

Die Hiobsbotschaften verbreiteten sich teilweise schon im vergangenen Jahr. So meldete etwa der Schweizer Konzern ABB im Dezember 2017, den Produktionsstandort Göttingen schließen zu wollen. Im Februar 2018 schaltete sich die Politik ein – und versprach, sich für den Erhalt des Standortes einzusetzen. Außerdem holte sich der Betriebsrat damals Unterstützung von einem Unternehmensberater aus Dresden; gemeinsam wurde ein Konzept für den Erhalt der Produktion erarbeitet und der Betriebsleitung vorgelegt. Gebracht hat es letztlich nichts: Die etwa 100 Stellen in der Fertigung sogenannter Durchflussmessgeräte waren nicht zu retten.

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Göttingen soll „wichtiger Standort“ für ABB bleiben

„Der Prozess ist nahezu abgeschlossen“, beschreibt ABB-Unternehmenssprecher Klaus Treichel. Einige Mitarbeiter aus der Produktion seien an andere Standorte gewechselt, viele hätten das Unternehmen inzwischen verlassen. Der Abbau der Arbeitsplätze in Göttingen sei sozialverträglich und ohne größere Probleme erfolgt, so Treichel. Er betont, dass wesentliche Komponenten am Standort Göttingen erhalten werden – nämlich Service, Vertrieb, Produktmanagement und Engineering. „Göttingen wird weiterhin ein großer und wichtiger Standort für ABB sein“, versichert der Sprecher. Die kurz vor Weihnachten aus der Konzernzentrale kommunizierte Neuausrichtung des Unternehmens sei hiervon unabhängig.

Zeiss investiert Millionen in Göttingen

Auch bei Zeiss schreitet die Verlagerung von Arbeitsplätzen im Bereich Mikroskopie voran –und zwar stufenweise bis 2020/21, wie Sprecherin Karin Gretz-Köhler bestätigt. Alle festangestellten Mitarbeiter, deren Arbeitsplatz Teil der Verlagerung war oder ist, sollen ein Angebot zur Weiterbeschäftigung innerhalb der Zeiss-Gruppe erhalten, sofern nicht schon geschehen. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen habe es nicht gegeben. Derzeit sind laut Gretz-Köhler noch etwa 270 Arbeitsplätze bei der in Göttingen sitzenden Carl Zeiss CMP GmbH vorhanden, die zum globalen Zeiss-Fertigungsnetzwerk gehöre. CMP steht für „Component & Module Production“. 66 Arbeitsplätze seien im Jahr 2018 an andere Zeiss-Standorte verlagert worden, nämlich nach Jena und Oberkochen.

Bereits 2017 hatte Zeiss angekündigt, zehn Millionen Euro innerhalb von drei Jahren in die Modernisierung des Standorts Göttingen zu investieren. „Die Investitionen fließen in neue Maschinen und die Infrastruktur, unter anderem in neue Rein- und Sauberräume mit neuen Maschinen für eine moderne Optikfertigung“, erklärt Gretz-Köhler. Die Bauarbeiten auf dem Werkgelände hätten bereits begonnen.

Bosch: 170 Stellen abgebaut, aber Produktion gestärkt

Auch am Göttinger Bosch-Standort verlaufe die Umsetzung des bereits 2017 gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern beschlossenen Zukunftskonzeptes bislang planmäßig, wie Bosch-Sprecher Nico Krespach unterstreicht. „Die Serieninstandsetzung von Startern und Generatoren wurde in Göttingen wie vorgesehen bis Ende November beendet“, erläutert er. Ein Teil der Produktionsanlagen werde in den kommenden Monaten in zwei Werke in Osteuropa – in der Slowakei und der Ukraine – verlagert. „Parallel haben wir den Großteil der 170 Stellen inzwischen sozialverträglich abgebaut“, so Krespach weiter. Gleichzeitig sei es 2018 gelungen, die Auslauffertigung mehrerer Produkte nach Göttingen zu holen und den Produktionsstandort damit zu stärken. Dazu gehören laut Krespach eine ältere Version von ABS- und ESP-Systemen sowie die Produktion von Elektro-Hydraulischen Bremsen (EHB).

Stellenabbau auch bei Demag und Coherent

Im Uslarer Demag-Werk sollten ursprünglich fast die Hälfte der 230 Arbeitsplätze wegfallen. Begründet wurde diese Ankündigung im Januar 2018 mit der angedachten Verlagerung der Produktion von Großserien nach Estland und China. Dadurch wollte der finnische Eigentümer Konecranes jährlich vier Millionen Euro einsparen. Nach einigen Protesten einigte sich der Konzern Mitte des Jahres mit der IG Metall schließlich auf einen Zukunftstarifvertrag für den Standort Uslar. Dieser gilt bis Juni 2026 und sieht unter anderem vor, immerhin 154,5 Stellen zunächst zu erhalten.

Zu Entlassungen kam es zuletzt auch beim Göttinger Laser-Produzenten Coherent: Knapp 60 der insgesamt 600 Mitarbeiter waren davon betroffen, wie Geschäftsführer Richard Waldermann Mitte Dezember bestätigte.

Von Markus Riese