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Regional Stimmung im Handwerk in Südniedersachsen ist weiterhin optimistisch
Nachrichten Wirtschaft Regional Stimmung im Handwerk in Südniedersachsen ist weiterhin optimistisch
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12:13 09.10.2019
Das Baugewerbe brummt. Von Konjunktureintrübungen ist im Handwerk in Südniedersachsen noch nichts zu spüren. Quelle: HAZ
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Göttingen

Handelskonflikte und der Brexit haben die Konjunkturaussichten eingetrübt. Im Handwerk in Südniedersachsen ist davon nichts zu spüren. Die Stimmung sei nach wie vor gut, sagt der Sprecher der Handwerkskammer (HWK) Hildesheim-Südniedersachsen, Stefan Pietsch. Allerdings gibt es auch im Handwerk Sorgen und Fachkräftemangel, regionale und branchenbedingte Unterschiede.

An der Herbstabfrage der Handwerkskammer haben sich 235 Betriebe beteiligt. Nur drei Prozent verzeichneten eine schlechte, 62 Prozent eine gute, 35 Prozent eine befriedigende Geschäftslage. „Entgegen der vielfältigen Abkühlungsprognosen schauen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk zurzeit optimistisch in die Zukunft“, sagt HWK-Betriebsberater Patrick Blum. Die Auslastung der Betriebe sei mit 92 Prozent auf überdurchschnittlichem Niveau, die Nachfrage weiterhin hoch. In den Regionen Göttingen und Hildesheim sei die Konjunkturentwicklung am besten verlaufen, im Raum Northeim und Holzminden leicht unter dem Durchschnitt, Schlusslicht das Osteroder Handwerk. Das führt Pietsch auf die bekannten Infrastruktur- und Demographieprobleme ländlicher Regionen zurück.

Das Baugewerbe brummt

Von einem unverändert hohen Niveau der Geschäftslage im Bauhauptgewerbe – also bei Maurern, Betonbauern, Dachdeckern, Zimmerern und Straßenbauern – spricht Pietsch. 98 Prozent der Betriebe bewerteten die konjunkturelle Lage mit gut oder befriedigend. Das Ausbaugewerbe von Installateuren bis zu Raumausstattern stabilisiere sich auf einem Topniveau, überdurchschnittlich sei auch die Geschäftslage im Gesundheitshandwerk. Im Investitionsgüter-Handwerk mit Schwerpunkt Zulieferer sei die Stimmung angespannter, aber immer noch freundlich. Der positiven Tendenz im Konsumgüter- und Dienstleistungshandwerk stehe eine etwas getrübte Konjunkturlage im Nahrungsmittelhandwerk entgegen. Das führt Pietsch vor allem auf die negative Umsatzentwicklung sowie steigende Preise auf den Beschaffungsmärkten zurück.

Im Kfz-Handwerk bleibe die Situation erfreulich. Die weitere Entwicklung kann die Handwerkskammer wegen der sich im Umbruch befindenden Automobilbranche noch nicht richtig einschätzen. Für Zulieferbetriebe und das Kfz-Handwerk könnte es mit Blick auf die E-Mobilität zu Umsatzrückgängen kommen, meint Simon Kreipe. Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsförderung rät dazu, die Innovations- und Digitalberatung der Handwerkskammer in Anspruch zu nehmen.

In einer herausragend guten Position sei vor allem die Baubranche, bestätigt Christian Frölich, Kreishandwerksmeister der Handwerkerschaft Göttingen. Bei anderen Innungen könne das durchaus anders aussehen. So hätten die Friseure mit Nachwuchssorgen und Konkurrenz durch Billiganbieter zu kämpfen, die Fleischer ebenfalls Sorgen wegen Nachwuchsmangels und der industriellen Produktion.

Verzögerungen bei Bauvorhaben

Die pessimistischen Einschätzungen aus dem Industriebereich kann Frölich nicht bestätigen: „Vieles kommt aber erst zeitverzögert bei uns an. Welche weiteren Aufträge für Gewerbebauten die Industrie vergeben wird, bleibt abzuwarten.“ Im Baugewerbe gebe es weiterhin volle Auftragsbücher und Wartezeiten bis zu drei Monaten, aber keine Vollauslastung und durchaus noch freie Kapazitäten: „Einige Kollegen können noch Aufträge entgegennehmen.“ In der vor allem vom Wohnungsbau profitierenden Boomregion Göttingen sei die Situation komplett anders als im strukturschwachen Südharz. Viele Bauvorhaben würden sich allerdings verzögern, weil die Genehmigungsbehörden nicht hinterherkommen oder die Finanzierung durch die Banken hake, sagt Frölich: „Symptomatisch ist die mangelnde Planungssicherheit. Das kann in manch einem Fall für graue Haare sorgen.“

Der als Schlusslicht der Quartalsabfrage der HWK genannte Raum Osterode sei nicht mit Göttingen vergleichbar, die Situation von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich, sagt der dortige Kreishandwerksmeister und Tischler Dirk Reinholz und will „nicht in Wehklagen verfallen“. Auf dem Bau laufe es im Allgemeinen noch ganz gut – von Dachdeckern und Zimmerleuten bis zum Heizungs- und Sanitärbereich. Die Auftragslage sei zumeist zufriedenstellend, die Wartezeiten für die Kunden erträglich. Ansonsten verweist Reinholz auf die Konjunkturabfrage der Kreishandwerkerschaft Osterode im November. Auch Ulrich Schonlau, Kreishandwerksmeister Northeim-Einbeck, bestätigt, dass die Auslastung im Baugewerbe zurzeit noch positiv sei: „Wir haben alle gut zu tun, zum Jahrenende hin verdichten sich ohnehin die Anfragen.“

Von Kuno Mahnkopf

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