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Regional Ein Fünftel der Soloselbstständigen im Handwerk lebt in prekären Verhältnissen
Nachrichten Wirtschaft Regional Ein Fünftel der Soloselbstständigen im Handwerk lebt in prekären Verhältnissen
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07:00 28.07.2019
Bei Soloselbstständigen sind weniger die aktuellen Einkommen als die schlechtere soziale Absicherung das Problem: Tischler beim Überprüfen des rechten Winkels. Quelle: dpa
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Göttinger

Soloselbstständigkeit im Handwerk wird häufig mit prekären Arbeitsverhältnissen in Verbindung gebracht: niedriges Einkommen, fehlende sozialer Absicherung und ungewisse Zukunft. Die Verhältnisse sind in Wirklichkeit jedoch vielschichtiger, schreibt Wissenschaftlerin Katarzyna Haverkamp in ihrer Studie „Soloselbstständigkeit im Handwerk – Ergebnisse des Mikrozensus 2014“. Die Arbeit entstand am Volkswirtschaftlichen Institut für Handwerk und Mittelstand an der Universität Göttingen, wo die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin seit 2007 tätig ist.

Soloselbstständige sind gut qualifiziert

Haverkamp zeigt in ihrer Analyse, dass es sich die Soloselbstständigen im Handwerk untereinander stark unterscheiden. Bestimmte Gruppen sind dabei – gemessen an ihrem Anteil am Gesamthandwerk – deutlich überrepräsentiert. So finden sich unter ihnen deutlich mehr Frauen, Ausländer aus anderen Staaten der Europäischen Union, Bürger im Rentenbezugsalter, Singles und Teilzeitkräfte. Gleichzeitig verfügen Soloselbstständige im Durchschnitt über höhere Bildungsabschlüsse als abhängig Beschäftigte. Insbesondere der Anteil der Abiturienten und der Hochschulabsolventen ist deutlich erhöht.

Nettoeinkommen im Vergleich

Die mittleren Nettoeinkommen der Soloselbstständigen, im Schnitt 1681 Euro, liegen deutlich unterhalb der mittleren Einkommen der Selbstständigen mit Beschäftigten (2678 Euro) und leicht unterhalb der mittleren Einkommen der abhängig Beschäftigten (1728 Euro) Das hat laut Haverkamp nicht zuletzt damit zu tun, dass 19 Prozent der Soloselbstständigen in Teilzeit arbeiten.

Gefährdung durch Armut

Die Wissenschaftlerin stellt jedoch klar, dass nur jeder fünfte Soloselbstständige ein persönliches Nettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt (917 Euro) bezieht. Die überwiegende Mehrheit verfügt demnach über Einkommen, die über dieser Schwelle liegen. Soloselbstständigkeit lässt sich also nicht pauschal mit prekären Lebensverhältnissen gleichsetzen. Zwölf Prozent der Soloselbstständigen verzeichnen sogar hohe persönliche Einkommen von mehr als 3057 Euro im Monat.

Weniger Wohneigentum

Problematisch, so Haverkamp, ist demzufolge weniger die aktuelle Einkommenslage als vielmehr die mangelnde soziale Absicherung. So zeigen die Daten des Mikrozensus, dass Soloselbstständige seltener rentenversichert sind als Selbstständige mit Beschäftigten. Sie verfügen im Vergleich zu diesen zudem seltener über Wohneigentum.

Zulassungspflichtige Handwerksberufe

Haverkamps Auswertung hat zudem ergeben, dass 72 Prozent der Soloselbstständigen im Handwerk in den sogenannten Berufen der Anlage A tätig sind. Die Anlage A der Handwerksordnung führt die zulassungspflichtigen Gewerbe auf, in denen die Meisterpflicht gilt. Derzeit sind das 41 Gewerbe, darunter unter anderem Maurer und Betonbauer, Friseure, Schornsteinfeger und Augenoptiker. Allerdings, so die Wissenschaftlerin, sei das zulassungsfreie Handwerk, wo es die Meisterpflicht nicht mehr gibt, deutlich stärker von der soloselbstständigen Wirtschaftsweise geprägt.

Der Mikrozensus, auf dessen Daten die Studie basiert, liefert der Politik Informationen über die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung. Die Statistischen Landesämter führen die Erhebung durch. An der Befragung sind jedes Jahr ein Prozent der Privathaushalte in Deutschland beteiligt, was 390 000 Haushalten mit 830 000 Bürgern entspricht.

Von Michael Caspar

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