Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Von der Drohne zur Paketfüllung
Nachrichten Wirtschaft Regional Von der Drohne zur Paketfüllung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:23 11.07.2018
Von der Drohne zur Paketfüllung: Der Know-how-Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft funktioniert dank des SNIC immer besser.Grünewald
Von der Drohne zur Paketfüllung: Der Know-how-Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft funktioniert dank des SNIC immer besser.Grünewald
Anzeige
Göttingen

Technologieberatung und Innovationsscouting des Südniedersachsen Innovationscampus (SNIC) sind zwei Zahnräder, die Wirtschaft und Wissenschaft in konkreten Problemlösungen zusammenbringen sollen. Mehr und mehr Beispiele zeigen, dass der Know-how-Transfer inzwischen wie geschmiert läuft.

Firma Opitz Maschinentechnik mit Sitz in Kalefeld

Die Firma Opitz Maschinentechnik sitzt in Kalefeld im Landkreis Northeim. Mit ihrem Faltkisten-Volumen-Reduzierer, der Pakete auf Füllhöhe einfaltet, um so die Größe der Pakete so klein wie möglich zu machen, hatte sie bereits 2016 den zweiten Platz beim Innovationspreis des Landkreises Göttingen gewonnen. Nun sollte der Reduzierer um eine weitere Funktion ergänzt werden: den verbliebenen Stauraum mit Luftpolstern automatisch zu befüllen.

An welcher der Hochschulen der Region gab es die dafür nötige Expertise? Auf den Lehrstuhl Waldinventur und Fernerkundung wäre auf Anhieb vermutlich niemand gekommen. „Die technische Herausforderung bestand darin, den verbliebenen Hohlraum im Paket zu bestimmen“, so Forstwissenschaftler Lutz Fehrmann. „In unserem Arbeitsbereich tasten wir aus der Luft mit einem Laserscanner Oberflächen ab, erstellen damit ein Oberflächenmodell und berechnen die Baumhöhe.“ Im Grunde eine ähnliche Problemstellung, fraglich war lediglich, ob sich der Ansatz von einem quadratkilometergroßen Wald auf ein quadratzentimetergroßes Paket herunterskalieren ließ.

Göttinger bekommen Verstärkung von der TU Clausthal

„Wir erwarten von dem Projekt keine Publikationen, deswegen waren wir am Anfang auch so kritisch“, betont Fehrmann. „Am Ende hat uns aber die technische Herausforderung gereizt, denn es ist auch schön, die eigene Arbeit in der praktischen Anwendung zu sehen.“ Die Göttinger bekamen noch Verstärkung von der TU Clausthal, wo ein Mathematiker sich mit der Aufgabe beschäftigt, das Optimierungsproblem der Paketbefüllung mit vorgegeben Polstergrößen zu lösen. Nun soll ein Prototyp entwickelt werden.

Die Wissenschaftler lösen das technische Problem. Die Abstraktionsleistung jedoch, dass man für die Frage des Maschinenbauers die Antwort bei den Forstwissenschaftlern finden könnte, haben andere erbracht: Technologieberater Peter Oswald, der seinen Sitz bei der Göttinger Wirtschaftsförderung GWG hat, sowie die Innovationsscouts Bettina Otto und Feodora Lenz, die im Bereich Wirtschaftskontakte und Wissenstransfer der Universität Göttingen angesiedelt sind. Das Erfolgsgeheimnis des regionalen Know-how-Transfers liegt im Austausch von Technologieberatern und Innovationsscouts – um die Bedürfnisse und Möglichkeiten zu kommunizieren und auch Ideen weiterzuentwickeln.

Drei Technologieberater und vier Innovationsscouts in Südniedersachsen

Die Wege zwischen beiden sind kurz, einmal wöchentlich trifft man sich, in der größeren, regionalen Runde – denn in Südniedersachsen sind insgesamt drei Technologieberater und vier Innovationsscouts unterwegs – einmal monatlich. Und ansonsten wird bei Bedarf immer zum Telefonhörer gegriffen. „Die Abstimmung läuft wirklich, wirklich gut“, sagt Feodora Lenz. „Durch den engen Austausch sind inzwischen immer mehr Kontakte und Wissen vorhanden, so dass wir schnell und zielgerichtet Partner vermitteln können.“

Der Informationsfluss geht in beide Richtungen. Technologieberater Peter Oswald wird entweder von Unternehmen mit Anfragen kontaktiert oder geht von sich aus aktiv auf Unternehmen zu, um Unterstützungspotenzial auszuloten. Dabei erlebt er grundsätzlich viel Offenheit. Was daraus entsteht, ist vielfältig: sei es die Hilfe bei der Fördermittelbeantragung, die Vermittlung von Experten, das (Weiter-) Entwickeln von Ideen oder die konkrete Projektbegleitung. So landen dann auch Anfragen bei den Innovationsscouts.

Wirtschaftlich verwertbare Ideen, Patente oder Kompetenzen aufspüren

Die wiederum durchstreifen auf eigene Faust die Institute der Universität, um Partner zu suchen oder sie eigeninitiativ an die Technologieberater zu vermitteln. Sie führen aber auch offene Interviews, um wirtschaftlich verwertbare Ideen, Patente oder Kompetenzen aufzuspüren. „Wir kondensieren diese Gespräche und speisen die daraus gewonnenen Technologieangebote und Kompetenzen in eine Datenbank“, sagt Bettina Otto. Diese Datenbank wird dann auch jedem Externen für die eigene Recherche verfügbar sein.

Von Sven Grünewald

Regional Neu-Eichenberger Sondergebiet Logistik - Mehr als 100 Bürger demonstrierten dagegen
10.07.2018
Regional Ausbildungsabschluss bei Ifas - Über die Reha in den Beruf
09.07.2018