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Regional Supermarkt-Betreiber Wüstefeld auf Expansionskurs
Nachrichten Wirtschaft Regional Supermarkt-Betreiber Wüstefeld auf Expansionskurs
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00:17 03.04.2018
Alfred und Angela Wüstefeld im Edeka-Markt in Friedland.
Alfred und Angela Wüstefeld im Edeka-Markt in Friedland. Quelle: Markus Riese
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Friedland / Landkreis

Wüstefeld, der unter anderem Supermarkt- und Bäckerei-Filialen in Göttingen, Duderstadt und Rhumspringe betreibt, ist kein Anfänger in der Branche: Vor zwei Jahren erhielt er die Silberne Ehrennadel des Edeka-Genossenschaftsverbandes, dem er seit 1991 angehört. Das dürfte ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, warum Edeka sich hinsichtlich der Nachfolge des Marktes in Friedland um ihn bemüht hat. Interesse an der Filiale habe niemand bekundet. „Für sich betrachtet ist der Markt wirtschaftlich schwierig zu betreiben“, weiß der Kaufmann. Erst durch Synergien im Verbund mit den anderen Märkten werde er aus ökonomischer Sicht interessant.

Erstmals Markt mit mehr als 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche

„Die Edeka wusste, dass wir sowas können“, spielt Wüstefeld auf seine bisherigen Markt-Übernahmen an: „Neuland ist dieser Markt für uns nur insofern, als dass wir erstmals einen Markt mit mehr als 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche übernommen haben.“ Auch deshalb sei er selbst derzeit oft vor Ort, seine Frau Angela (48) sogar täglich.

Schweres Erbe angetreten: Gonschior gibt „sein Werk“ ab

Dass Wüstefelds in Friedland ein schweres Erbe antreten würden, war ihnen bewusst. Für Vorinhaber Karl-Heinz Gonschior haben die Mitarbeiter zum Abschied sogar eine Dankeschön-Anzeige im Tageblatt geschaltet. „Dieser Markt ist mein Werk“, sagt Gonschior leicht wehmütig. Fast 30 Jahre lang hatte der heute 68-Jährige den Supermarkt betrieben – stets hoch geschätzt von Kunden und Angestellten. Viele Mitarbeiter hielten ihm jahrzehntelang die Treue. Um ihre Zukunft muss sich der „Chef“, wie er nach wie vor im Markt angesprochen wird, keine Sorgen machen: Wüstefeld hat alle übernommen und sogar noch weitere eingestellt: fünf für den Lebensmittel- und Getränkebereich, vier für die Bäckerei-Filiale, die zuvor das Unternehmen Heinrich Apel (gehört zur Bäckerei Thiele) betrieben hatte.

Modernisierung „step by step“ – und langsam sichtbar

Etwa eine halbe Million Euro investiert Wüstefeld nach eigenen Angaben nun in den Markt, die Warenübernahme eingeschlossen. Weil der Laden zum Betreiberwechsel nur für einen Tag zwecks Inventur geschlossen war, werden Veränderungen erst langsam sichtbar. „Wir machen das step by step“, erklärt der 52-Jährige seinen Plan. Den Obst- und Gemüsebereich habe er bereits umgestaltet, die Bäckerei sei in Kürze an der Reihe, weitere Bereiche würden folgen. Unter dem Claim „Edeka zuhause“ werde nun ein Sortiment für die klassische Erstausstattung angeboten – interessant für Neuankömmlinge im benachbarten Grenzdurchgangslager. „Nonfood ist an diesem besonderen Ort sicherlich wichtiger als an Standorten vergleichbarer Größe“, beschreibt Wüstefeld die spezielle Nachfrage-Situation in Friedland.

Neues Lichtkonzept, vielleicht auch ein neuer Eingangsbereich

Schon bald soll ein neues Lichtkonzept mit energiesparenden LED-Leuchten im Markt installiert werden. Möglicherweise stehen auch noch bauliche Veränderungen im Eingangsbereich an – nach Absprache mit dem Vermieter. Dieser sei ferner für eventuelle Verschönerungen im Außenbereich zuständig, etwa hinsichtlich des Anstrichs oder der Parkplatzgestaltung. Hier habe es bereits positive Signale gegeben.

Nahversorgung mit Post, Lotto und Getränkemarkt

Wichtig für den Ort sei es, den Nahversorgungscharakter zu erhalten. So beherberge der Markt unter anderem eine Toto-Lotto-Annahmestelle, einen Hermes-Paketshop sowie eine kleine Post-Filiale im separaten Getränkemarkt. „All das bleibt erhalten“, verspricht Wüstefeld. Der Getränkemarkt habe nun sogar länger geöffnet als bisher.

Der Zwölf-Jahres-Masterplan des Ehepaares Wüstefeld

„Ein Ziel dieser Übernahme war es, den Markt in eine stabile und sichere Zukunft zu führen“, fasst Wüstefeld zusammen. Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, der Markt sei von einer dauerhaften Schließung bedroht. Doch jetzt hat Wüstefeld Fakten geschaffen. Sein Masterplan sieht vor, in zwölf Jahren aufzuhören; für die Zeit danach sei bereits eine Nachfolgeregelung gefunden, die auch den Fortbestand der weiteren von ihm betriebenen Filialen sicherstelle.

Von Markus Riese