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Regional Sycor-Klage: IT-Wirtschaftskrimi geht in die nächste Runde
Nachrichten Wirtschaft Regional Sycor-Klage: IT-Wirtschaftskrimi geht in die nächste Runde
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18:19 30.10.2019
Die Sycor-Gruppe mit Hauptsitz Göttingen und mehr als 600 Mitarbeitern hat nach eigenen Angaben 2018 einen Umsatz von 98,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Quelle: r
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Göttingen

Die Fronten sind verhärtet, persönliche Emotionen im Spiel. Die Sycor-GmbH – eine Ottobock-IT-Ausgründung – hat die von ehemaligen Mitarbeitern gegründete Arineo GmbH wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens verklagt, fordert mehr als acht Millionen Euro Schadensersatz – Tendenz steigend. Zu keinem Ergebnis geführt hat am Mittwoch ein Gütetermin am Göttinger Arbeitsgericht. Richter Cornelius Kroeschell tendiert dazu, dass das Arbeitsgericht nicht zuständig sei. Vorrangig sei es um Handlungen ehemaliger Sycor-Führungskräfte gegangen, die erst nach Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses geschehen seien. Beide Parteien haben jetzt eine Frist bis 20. November, Stellung zum weiteren Vorgehen und einer möglichen Verweisung ans Landgericht zu beziehen.

Zuvor hatte Kroeschell als Einigungsansatz vorgeschlagen, die Kundenliste gemeinsam durchzugehen und in Absprache mit den Kunden abzustimmen. Die vom Richter skizzierte Geschichte hat alle Zutaten für einen Wirtschaftskrimi. Als Hans Georg Näder 2017 den Verkauf der 1998 unter dem Dach von Ottobock gegründeten Informationstechnologie-Firma Sycor anstrebte, äußerten auch deren Mitgründer Marko Weinrich und weitere Mitarbeiter Interesse, kamen aber nicht zum Zug. Ziel war ein mitarbeitergeführter Betrieb – eine employee owned company (EOC). Im November 2018 vollzog Näder dann eine Kehrtwende und die Verkaufsabsicht zurück. Nach zwischenzeitlichen Fusionsplänen für eine neue Holding mit Börsengang entschied die Näder Holding, Sycor doch in der Firmengruppe weiterzuentwickeln.

Mitarbeitergeführte Gesellschaft angestrebt

Da war die Arineo GmbH bereits gegründet. Deren Geschäftsführungsmitglied Martin Renker gibt die aktuelle Mitarbeiterzahl mit rund 200 an, zum Großteil ehemalige Sycor-Mitarbeiter. Die hätten lediglich von ihrem Grundrecht Gebrauch gemacht und sich für einen anderen Arbeitgeber entschieden – vor allem wegen des EOC-Firmenmodells. Als man damit an Näder herangetreten sei, habe er den damaligen Geschäftsführer von seinen Aufgaben entbunden. Die Fusions- und Börsenpläne hätten viele Mitarbeiter als negativen Kulturwechsel wahrgenommen und sich entschlossen, Sycor zu verlassen, sagt Weinrich.

„Es stellt sich zwingend der Eindruck ein, als wolle Herr Näder der Arineo GmbH und ihrer Belegschaft lediglich absichtlich und bewusst schaden“, kommentiert Weinrich die „halt- und substanzlosen Vorwürfe“, um die es jetzt geht. Das sehen die Sycor-Anwälte komplett anders. Die Mitarbeitergesellschaft sei vorgeschoben. Es sei nur um den Aufbau eines Konkurrenzunternehmens gegangen – mit Abwerben von Mitarbeitern und Kunden. Anwalt Matthias Koch spricht von einem „außergewöhnlich dreisten Fall“. Die ehemaligen Mitarbeiter seien zielgerichtet und systematisch vorgegangen und hätten ihr Vertrauensverhältnis ausgenutzt.

„Es geht hier nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Herrn Näder und Herrn Weinrich“, sagt Koch: „Die Sycor wurde durch ihre eigenen leitenden Angestellten schwer geschädigt und tut nur das, was jeder in dieser Situation tun würde, nämlich sich mit den Mitteln des Rechts zur Wehr zu setzen, um sich und all jene, für die man Verantwortung trägt, bestmöglich zu schützen.“

Sycor hat derzeit etwa 600 Mitarbeiter, drängt auf Auskunft über mit ehemaligen Kunden getätigte Umsätze und das Untersagen geschäftsschädigender Äußerungen. Die Arineo GmbH solle es unterlassen, abgeworbene Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, weitere Mitarbeiter abzuwerben und Sycor-Kunden anzusprechen. Allein im auf Unternehmenssoftware spezialisierten Geschäftsbereich Microsoft Dynamics habe Sycor 75 Prozent der Mitarbeiter und bis zu 20 von 25 wichtigen Kunden verloren, sagt Fachanwalt Sebastian Böttger. Es habe auch Massen-Abwerbeveranstaltungen gegeben. Der Fall gehe in seiner Tragweite und Unkorrektheit über alles hinaus, was er bislang erlebt habe. „Wir wollen überprüft wissen, wie sich Top-Führungskräfte verhalten haben, weder Beschäftigten die Zukunft verbauen noch einen Kleinkrieg führen.“

„Abstimmung mit den Füßen“

Dem widerspricht Arineo-Anwalt Till Wegmann schon wegen der Schadensersatzforderung. Es habe Abmahnschreiben und Unterlassungserklärungen gegeben, ergänzt Renker. Alle Versuche, Gespräche über eine Einigung zu führen, seien gescheitert. Böttger entgegnet, dass es keine Einigungsgespräche gegeben habe: „Wir hören heute erstmals die Position der Gegenseite.“ Auch Sycor-Geschäftsführer Ronald Geiger betont, dass sich das Verfahren nicht gegen gewechselte Mitarbeiter wende, sondern gegen Arineo und die verantwortlichen ehemaligen Führungskräfte: „Uns ist ein zügiger Fortgang des Verfahrens wichtig.“ Wegen handfester Anhaltspunkte, sich bei der Abwerbung unlauterer Mittel bedient zu haben, sei im September Klage gegen die Arineo GmbH in Deutschland eingereicht worden, bereits im Juli gegen deren österreichischen Ableger.

Näder kann sich nicht vorstellen, dass es eine Abstimmung mit den Füßen gegen ihn gegeben hat“, sagt Wegmann: „Jetzt versucht er, den ehemaligen Mitarbeitern vors Schienbein zu treten.“ Seine Pläne hätten große Unruhe in die Firma gebracht: „Es wird nicht funktionieren, sich auf dem Rechtsweg Kunden und Mitarbeiter zurückzuholen.“

Von Kuno Mahnkopf

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