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Regional Wellpappe auf Erfolgwelle
Nachrichten Wirtschaft Regional Wellpappe auf Erfolgwelle
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00:29 10.05.2018
Präsentieren das Geschäftsergebnis 2017 (v.l.): Jens Fokuhl, Mathias Schliep und Kornelius Thimm. Quelle: Pförtner
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Northeim

„In der Wellpappenbranche haben wir mit einer seit Jahrzehnten nicht dagewesenen hohen Nachfrage nach Wellpappe in den letzten Monaten deutliche Marktveränderungen erlebt“, erklärte CFO Jens Fokuhl am Montag. Grund dafür sei die anhaltend positive Wirtschaftsentwicklung in allen Absatzländern und die damit verbundenen hohen Konsumausgaben, insbesondere im privaten Bereich.

Nicht zuletzt wegen ihrer guten Eignung für Transport und individuelle Gestaltung erfreut sich Wellpappe in Zeiten des Online-Handels wachsender Beliebtheit. Auch den steigenden Anforderungen in Sachen Umweltbewusstsein und Recylingfähigkeit kann das Material gut erfüllen. Über die vergangenen fünf Jahre hat die Thimm-Gruppe ihr Umsatzvolumen daher um 30 Prozent (2013: 456 Mio. Euro, 2017: 601 Mio. Euro) steigern können.

Operatives Ergebnis niedriger als 2016

Dass das operative Ergebnis EBITDAR mit 40,5 Millionen Euro dennoch unter dem Vorjahreswert (52 Mio. Euro) lag, hat zwei Gründe. Zum einen führte die außergewöhnliche Entwicklung auf dem Papiermarkt zu einer erheblichen Verknappung des Angebots und einem Preisanstieg von bis zu 27 Prozent. „Die Erhöhung der Verkaufspreise, die nötig gewesen wäre, um diese Steigerung aufzufangen, konnten bis Ablauf des Geschäftsjahres 2017 nur teilweise umgesetzt werden“, so Fokuhl.

Der zweite Faktor, der sich auf das EBITDAR-Ergebnis auswirkte, war die zeitlich verzögerte Inbetriebnahme des neuen Wellpappenwerks Holledau im bayerischen Wolnzach. Mit einer Investitionssumme von insgesamt 60 Millionen Euro war der Neubau das zentrale Projekt der letzten beiden Jahre. „Nachdem der Bau des Werkes nahezu planmäßig verlaufen war, fiel die Anlaufkurve der Serienproduktion länger aus als erwartet“, so COO Kornelius Thimm. Mittlerweile habe das „modernste Werk in Europa“ aber „volle Fahrt“ aufgenommen.

Investition in Digitalisierung

Als weitere richtungsweisende Investition wurde im April 2017 eine digitale Rollendruckmaschine am Standort Ilsenburg in Betrieb genommen. Nach dem ersten Jahr des Digitaldrucks zieht das Unternehmen ein positives Fazit. Die Akzeptanz bei den Kunden sei überdurchschnittlich hoch gewesen, so Thimm. Man habe durch diese Technologie an Flexibilität gewonnen und könne in kleineren Auflagen anbieten. „Dabei handelt es sich um zusätzliches Geschäft, das wir dank der neuen Drucktechnologie generieren.“ Denn der Digitaldruck setzt genau da an, wo andere Druckverfahren an ihre Grenzen stoßen.

„Es war kein leichtes Jahr“, bilanzierte Mathias Schliep, Vorsitzender der Geschäftsführung. Er sei seit 35 Jahren dabei und habe eine Entwicklung wie in 2017 noch nicht erlebt. Vor diesem Hintergrund habe man eine „ganz gute Entwicklung hinbekommen“. Mit dem neuen Werk und der fortschreitende Digitalisierung des Unternehmens seien wichtige Schritte in der Weiterentwicklung des Unternehmens getan.

Bekenntnisse zum Standort Northeim

Dabei formulierte Schliep für das Familienunternehmen mit 3035 Mitarbeitern an 19 Standorten in Deutschland, Tschechien, Polen, Rumänien, Frankreich oder Mexiko und ein klares Bekenntnis zu Südniedersachsen: „Northeim ist unsere Zentrale.“ Allerdings bewege sich das Mutterwerk an seinen Kapazitätsgrenzen. Die Thimm-Gruppe will mittelfristig auch hier erweitern. Vor allem das Thema Logistik steht oben auf der Agenda.

Laut Schliep sei der Platz- und Kapitalbedarf in der Wellpappenindustrie groß. Deshalb laufen bereits Verhandlungen über den Erwerb eines 8000 Quadratmeter großen Grundstücks in direkter nördlicher Nachbarschaft zum Firmengelände an der Breslauer Straße. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, westlich der Bahnlinie deutlich zu erweitern oder gar das Werk neu aufzubauen. Fokuhl: „Viele Gespräche laufen derzeit parallel.“ Erste konkrete Planungen, zumindest für das Nachbargrundstück, sollen bereits Ende des Jahres vorliegen.

E-Commerce-Startup aus dem Hause Thimm

Mit dem Online-Shop www.kartonara.de hat die Thimm-Gruppe ein E-Commerce Startup konzipiert. Seit März 2018 sind die Verpackungsexperten mit dem Angebot online. Es richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen aber auch private Endverbraucher. Sie können hier standardisierte Verpackungen aus Wellpappe und Zubehör für die Warendistribution kaufen. Das Sortiment werde stetig erweitert, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. So sollen zukünftig innovative Verpackungen für den E-Commerce und individualisierte Kartons das Sortiment ergänzen. „Das digitale Geschäftsmodell öffnet für die Zukunft einen neuen Vertriebsweg und unterstützt unsere Positionierung im E-Commerce“, so Thimm-Geschäftsführer Mathias Schliep. Deutschland sei in Sachen Onlinehandel vor allem gegenüber Asien und den USA weit zurück. Hier sei in den kommenden Jahren mit starkem Wachstum zu rechnen. Damit einhergehen wird ein steigender Bedarf an Verpackungen.

Von Markus Scharf

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