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Regional Trübe Bilanz: Kein Bock mehr auf Maibock?
Nachrichten Wirtschaft Regional Trübe Bilanz: Kein Bock mehr auf Maibock?
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00:21 31.05.2019
Vorstand Martin Deutsch hat in der Aktionärsversammlung auch die Markenstrategie vorgestellt, Vorstand und Aufsichtsrat waren dekorativ hinter Bierkisten verschanzt. Quelle: Niklas Richter
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Einbeck

Die Bilanz der Einbecker Brauhaus AG für 2018 schäumt nicht gerade über. Im Gegenteil. Das Jahresergebnis schließt mit einem Fehlbetrag von 1,943 Millionen Euro ab, eine Dividende wird nicht ausgeschüttet, bei den ertragsstarken Bockbieren mussten deutliche Absatzrückgänge hingenommen werden. Aktionärsvertreter übten in der Hauptversammlung am Dienstag im PS.Speicher Kritik am Kurs des Unternehmens. Vorstand und Aufsichtsrat wurden aber entlastet – mit Ausnahme eines Aufsichtsratsmitglieds.

Wetter-Einfluss und Dosen-Comeback

Ob Regen, Hitze oder Fußball – Erfolg oder Misserfolg des Saisongeschäfts mit dem Bier wird immer wieder auch mit dem Wetter und externen Faktoren begründet. „Wir alle hatten mit weiteren bierseligen Spielen der deutschen Nationalmannschaft gerechnet“, sagte Vorstand Martin Deutsch in der Hauptversammlung der Einbecker Brauhaus AG. Das jähe WM-Aus sei zwar durch stabiles warmes Wetter zwischen Ostern und Oktober kompensiert worden. Diese Entwicklung sei aber zu relativieren, da mit steigendem Alkoholgehalt weniger der entsprechenden Getränke konsumiert worden seien. Sprich: Bei hohen Temperaturen ziehen die trinkenden Verbraucher Mineralwasser alkoholischen Getränken vor. Bei der Einbecker Brauerei haben im vergangenen Jahr alkoholfreies Bier und alkoholreduzierte Biermischgetränke zweistellig zugelegt. Leicht positiv entwickelt hat sich der Bereich der Bierspezialitäten, der Absatz der Pilsbiere hingegen sehr verhalten, der der Bockbiere sogar negativ. Deutsch diagnostiziert eine Konsumentenzurückhaltung bei Temperaturen von mehr als 25 Grad, da dann der Alkohol schneller und stärker wirke. Ein Comeback scheint hingegen die Dose zu erleben, die nach einem kompletten Einbruch wieder einen Marktanteil von gut sieben Prozent erreicht. Das ermögliche auch den Zugang zum Vertriebskanal Discount, meint Deutsch. ku

Seine erste Rede als alleiniger Vorstand in der Hauptversammlung hatte sich Martin Deutsch anders vorgestellt. Deutsch stellte ein „sehr unbefriedigendes Jahresergebnis“ vor, den Verlust begründete er mit Einmaleffekten, die künftig nicht mehr zu erwarten seien: zusätzliche Kosten beim Abriss des Brauereigebäudes durch Deckeneinbrüche bei den denkmalgeschützten Gewölbekellern in Kassel, Probleme bei der Pfandrückstellung wegen längerer Umlaufzeiten für das Leergut, Pensionsrückstellungen und Abschreibungen. Ihren Fassbestand musste die Brauerei nach 25 Jahren Nutzungsdauer in hohem Umfang erneuern, will nach Logistik-Investitionen jetzt die Produktionsanlagen modernisieren und flexibler auf Marktentwicklungen reagieren. Als mittlerweile bedeutenden Erfolgsfaktor nannte Deutsch dabei die Energieeffizienz.

Kein Bock auf Maibock?

Durchwachsen ist der Getränkeabsatz im vergangenen Jahr gewesen. Alkoholfreies Bier und Mischgetränke hätten zweistellig zugelegt, Bockbiere deutlich verloren, der Export sei enttäuschend verlaufen, berichtete Deutsch. Trotz rückläufigen Absatzes sei der Umsatz stabil geblieben: „Das ist zurückzuführen auf eine Flaschenbier-Preiserhöhung für alle Marken ohne Nörten-Hardenberger sowie den Verzicht auf margenschwache Marken- und Fremdabsatzmärkte.“ Das Jahr habe mit einem kalten und schlechten Quartal begonnen, nach einem ordentlichen Sommerhalbjahr und einem Super-Oktober sei der Absatz zum Jahresende abgestürzt, der Dezember der schlechteste seit fünf Jahren gewesen.

Martin Deutsch(links) ist nach Ausscheiden von Lothar Gauß alleiniger Vorstand der Einbecker Brauhaus AG. Quelle: Niklas Richter

Die Einbecker Bierbrauer wollen weiter auf Qualität setzen, auf den permanenten Wettbewerb um den niedrigsten Aktionspreis verzichten, die EDV aktualisieren, Kosten optimieren und sich um neue Produkte und Kundengruppen bemühen. Durch die Halbliter-Dose unter anderem bei Lidl sei es gelungen, beim Mai-Ur-Bock wieder aufzuholen. „In den ersten vier Monaten konnten wir beim Absatz, Umsatz und Ergebnis positive Entwicklungen im Vergleich zu Vorjahr und Plan verzeichnen“, sagte Deutsch. Dem in diesem Monat eingeführten naturtrüben Nörten-Hardenberger Zwickl Radler sollen in diesem Jahr zwei weitere neue Mixgetränke folgen.

Trübes Bier und trübe Stimmung

Getrübt ist die Stimmung bei den Aktionären, die viel nachfragten und Kritik äußerten, von Martin Krause mit 25 Stammaktien bis zum ehemaligen Aufsichtsratsmitglied Reinhard Ender, der nach eigenen Angaben 850 000 Aktien vertritt und neue Werbestrategien vorschlug – auch Influcencer im Internet. Wilhelm Nottbohm von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach von einem „miserablen Abschluss“, der immerhin früh kommuniziert worden sei, und drängte unter anderem auf die geplante Mikrobrauerei in Kassel .

Von mehr als 2000 Aktionären hatten sich 600 angemeldet, 400 waren erschienen. Quelle: Niklas Richter

„Wir brauchen mehr Umsatz , nicht noch einen Masterplan“, meinte Rainer Janisch: „Stolz ist schön, reicht aber nicht.“ Auch ohne Bierseligkeit sorgte Janisch für Heiterkeit, als er den Slogan „Unsere Biere sind beliebt“ aufgriff: „Für die, die sie trinken, ja. Aber das sind zu wenige. Meine Kumpel und ich reichen nicht.“

Alkoholfreies Bier lässt Starkbier alt aussehen

Sehr unterschiedlich ist 2018 die Absatzentwicklung bei den einzelnen Marken der Einbecker Brauhaus AG verlaufen. Leicht zugelegt hat Brauherren Pils, die alkoholfreie Variante deutlich zweistellig. Bei den Bockbieren wurde hingegen ein Rückgang um 6000 Hektoliter verzeichnet, beim Einbecker Pilsener das Jahr mit einem Minus von 4000 Hektolitern abgeschlossen. Seit Jahresbeginn gehe es aber wieder aufwärts, teilt der Vorstand mit. Nörten-Hardenberger habe sich 2018 mit einem Absatz-Plus von 4000 Hektolitern erfreulich entwickelt, die Peiner Marke Härke leicht verloren, auch die Lokalmarke Göttinger durch die Preiserhöhung drei Prozent eingebüßt. Weiter deutlich negativ sei mit minus 20 Prozent die Absatzentwicklung der Marken Martini/Kasseler. Als enttäuschend bezeichnet Deutsch die Exportentwicklung. Im Ausland sei ein China-Importeur entfallen, durch die fehlende Listungsfortsetzung im staatlichen Alkoholmonopol von Schweden der Absatz um 40 Prozent zurückgegangen. Mehrkosten gab es bei der Materialbeschaffung. Die Anbaufläche für Sommer- respektive Braugerste sei zwar um 20 Prozent gesteigert worden, die Erntemenge habe aber aufgrund der Trockenheit um 20 Prozent unter dem Vorjahr gelegen – mit entsprechender Preissteigerung. ku

Von Kuno Mahnkopf

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