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Regional Umbau der Berliner Bötzow-Brauerei beginnt
Nachrichten Wirtschaft Regional Umbau der Berliner Bötzow-Brauerei beginnt
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19:28 14.11.2011
Von Hanne-Dore Schumacher
Am Modell: Ralf Hayda und Bernhard Kleinhenz (rechts). Quelle: EF
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Göttingen

Ab sofort wird es unruhiger auf dem 25 000 Quadratmeter messenden Gelände zwischen Kollwitzplatz, Alexanderplatz und Volkspark Friedrichshain. Der neue Besitzer der ehemaligen Bötzow-Brauerei, Hans Georg Näder, will hier 40 Millionen Euro investieren – im ersten Schritt (Tageblatt berichtete). Bis 2020, so die Pläne des Duderstädter Unternehmers und Inhabers der Otto-Bock-Firmengruppe, sollen Gewerbeflächen und Wohnungen, Freizeit- und Kulturangebote, das Hotel „Le Chateau du Nord“, ein Marktkonzept nach dem Vorbild der Chelsea-Markets und eine Rollstuhl-Manufaktur entstehen.

Dafür werden zurzeit die Gebäude komplett entkernt und rückgebaut, sicher und trocken gemacht, um Frostschäden zu vermeiden. Dafür müssen die bisherigen Mieter weichen. Ralf Hayda kennt sie alle. Der 37-jährige Diplom-Designer ist seit zehn Jahren im Auftrag des Vorbesitzers (Subgruppe der Metro) mit der Koordinierung der Zwischennutzungen beauftragt. „Er hat das Gelände am Leben erhalten“, betont Bernhard Kleinhenz, Leiter der Planungs- und Projektabteilung bei Otto Bock. Der neue Besitzer will die Kenntnisse Haydas nutzen, dem die Brauerei im „Bötzow-Kietz“ im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen ist. „Es gibt hier Sachen, für die würde ich mich anketten“, bringt Hayda seine Leidenschaft für das Ensemble, das Braumeister Julius Bötzow 1885 errichten ließ, zum Ausdruck. Soweit müsse man wohl nicht gehen, räumt Architekt Kleinhenz beim Rundgang ein, betont aber auch: „Wir wollen hier kein DDR-Museum errichten.“

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Im zweiten Stock eines der Hauptgebäude haben sich Planer, Architekten und Projektteams eingefunden. Einige Räume sind beheizt und provisorisch eingerichtet. Es gibt Tische und Stühle, einen Kühlschrank mit Getränken, einen Kicker und intakte Toiletten. Wie von Näder im September angekündigt, haben die Arbeiten für das Millionen-Projekt begonnen. Was erhaltenswert ist, bleibt erhalten, so der Tenor. Am Modell zeigt Kleinhenz, wie er auf dem Gelände künftig Altes mit Neuem kombinieren will (Bild).

Doch zunächst müssen die Aufräumarbeiten gestemmt werden, müssen Kantinenkacheln, Uralt-Klosetts und „Eisenschweine“ (Heizkörper und Öfen) entsorgt werden. Zeitgleich wird der Bestand neu vermessen, erklärt Kleinhenz die Vorgehensweise. „Bötzow hat wild gebaut“, begründet er den Vermessungsaufwand und deutet auf Häuser hin, „die einfach dazwischen gebaut wurden“. „Manchmal wird es einem bange“, gesteht er hinsichtlich dessen, „was wir noch vorhaben.“ Aber so ganz ernst meint das der 60-Jährige nicht. Bötzow sei eines von vielen Bauvorhaben bei Otto Bock, sagt er, und weist auf Modernisierung, Um- und Neubauten an den Standorten Königsee und Duderstadt hin, erinnert an das Berliner Science-Center, dessen Realisierung er als Projektleiter begleitet hat. Keine Angst also, sondern „komplette Begeisterung“ für das Bötzow-Projekt, betont der Architekt.