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Regional Umsatzplus und Beschäftigungsrekord
Nachrichten Wirtschaft Regional Umsatzplus und Beschäftigungsrekord
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15:00 23.11.2017
Sieht die Zahlen des Dehoga-Bundesverbandes differenzierter: Olaf Feuerstein vom Kreisverband Göttingen.
Sieht die Zahlen des Dehoga-Bundesverbandes differenzierter: Olaf Feuerstein vom Kreisverband Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen / Landkreis

„Die Hotels und Restaurants profitieren von der guten Konjunktur in Deutschland und damit von mehr Job-Sicherheit und der gestiegenen Konsumlaune der Verbraucher“, erklärt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga-Bundesverband). Von Januar bis September setzte die Beherbergungsbranche 2,9 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum (preisbereinigt plus 1,0 Prozent). Die Gastronomen inklusive der Caterer erwirtschafteten in den ersten drei Quartalen ein Umsatzplus von 3,1 Prozent (preisbereinigt plus 1,1 Prozent). Damit steuere das Gastgewerbe auf das achte Wachstumsjahr in Folge zu – zumal das Weihnachts- und Silvestergeschäft noch anstehe.

Die positive Entwicklung schlage sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder: Zum Stichtag 30. Juni 2017 arbeiteten im Gastgewerbe demnach fast 40000 mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte als ein Jahr zuvor. 2016 zählte die Bundesagentur für Arbeit 1,026 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, ein Jahr später 1,065 Millionen. In den vergangenen zehn Jahren habe das Gastgewerbe damit fast 300000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen – ein Plus von 38,7 Prozent (Gesamtwirtschaft: plus 19 Prozent).

Trotz steigender Gäste- und Umsatzzahlen stehe die Branche aber vor großen Herausforderungen. „Positive Umsätze sind noch kein Garant für positive Betriebsergebnisse, gute Zahlen kein Selbstläufer“, mahnt Dehoga-Präsident Zöllick. „Probleme bereiten den Betrieben vor allem die Suche nach Fachkräften, steigende Betriebskosten, immer mehr bürokratische und teure gesetzliche Auflagen sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen“, fügt er an.

Viele neue Konzepte in Göttingen an den Start gegangen

Olaf Feuerstein vom Dehoga-Kreisverband Göttingen äußerte sich auf Tageblatt-Nachfrage zu den veröffentlichten Zahlen kritisch, zumal es für das Kreisgebiet keine eigenen Erhebung gebe. „Die wäre mal fällig“, betont der Geschäftsführer des Hotels Freizeit In, zu dem auch die Restaurants Bullerjahn und Planea Basic gehören. Die publizierten Zahlen würden nur das bundesweite statistische Mittel abbilden, nicht jedoch die tatsächliche Situation vor Ort. „Gerade hier in Göttingen sind in den vergangenen Jahren mehrere neue Konzepte an den Start gegangen, die zu einem großen Kapazitätszuwachs in der Gastronomie geführt haben“, beschreibt Feuerstein im Hinblick auf markante Neueröffnungen wie beispielsweise Pagoda, Timberjack’s, Café und Bar Celona, Vapiano oder L’Osteria. Diese neue Art der Szene- und Trendgastronomie sei in einer studentisch geprägten Stadt durchaus üblich. Dies bedeute aber auch, dass das Wachstum nicht in jedem lange etablierten Betrieb ankommen kann. „Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass das Lohnplus für dieses und das nächste Jahr insgesamt 5,1 Prozent beträgt, dann reden wir insgesamt eher von einem Minuswachstum“, differenziert Feuerstein die Euphorie des Bundesverbandes. Dazu kämen in vielen Betrieben auch strukturelle Probleme – etwa bei Unternehmensnachfolgen oder bei der Mitarbeitergewinnung. Feuerstein weiter: „In der Gastronomie muss man oft arbeiten, wenn andere frei haben. Deshalb sind diese Jobs nicht mehr so attraktiv.“

Von Markus Riese