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Regional Umverteilung vom Sparer auf den Kreditnehmer
Nachrichten Wirtschaft Regional Umverteilung vom Sparer auf den Kreditnehmer
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00:30 12.03.2018
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am Donnerstag während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale. Quelle: dpa
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Göttingen

Ihre Ursache hat die Niedrigzinsphase in der 2007 beginnenden weltweiten Finanzkrise. Es war der aufgeblähte US-amerikanische Immobilienmarkt, der die Weltwirtschaft in eine schlimme Krise stürzte und spätestens mit dem Crash der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers gar in Schockstarre versetzte. Staaten sprangen ein, um einst mächtige Finanzdienstleister zu stützen, einige Banken wurden verstaatlicht. Ohnehin meist hoch verschuldet, gerieten so auch Staaten in bedrohliche finanzielle Schieflage. „2010 setzte dann die europäische Staatsschuldenkrise mit Griechenland als größtem Problemfall“, skizziert Schwager.

Mario Draghis berühmte Worte „whatever ist takes“

Im Juli 2012 hat Mario Draghi als Chef der Europäischen Zentralbank bei einer Rede in London die berühmten Worte „whatever ist takes“ (zu Deutsch „was auch immer nötig sein wird“) gesprochen. „Das hat die Gläubiger damals massiv beruhigt. Die Rede gilt als der Wendepunkt in der Eurokrise, weil Draghi so die Märkte beruhigte“, sagt Schwager. Gleichzeitig sei sie der Beginn der Niedrigzinspolitik in Europa. „Die Leitzinsen sanken nach und nach bis in den negativen Bereich“, sagt der 56-Jährige.

Von der Niedrigzinsphase seien alle Banken betroffen. Es sind dabei aber besonders die regionalen Kreditinstitute, deren Geschäftsmodell unter Druck gerät. Während große Banken unterschiedlichste Geschäfte machen, leben die regionalen Häuser vornehmlich vom Einlagengeschäft. Doch die Zinsüberschüsse sinken und so müssen die Häuser sich auf die Suche nach anderen Einnahmequellen und Einsparpotenzial machen. „Die Sparkassen haben oftmals ein Kostenproblem, weil sie ein großes und somit teures Filialsystem unterhalten. In Zukunft müssen sie Kosten abbauen und andere Einnahmequellen generieren. Kunden müssen sich wohl darauf einstellen, in Zukunft für viele Dienstleistungen Gebühren zahlen zu müssen“, prognostiziert Schwager.

„Kreditnehmer-Seite ist politisch einfach stärker vertreten“

Eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik hält der Finanzexperte in den kommenden Jahren für wenig wahrscheinlich. Vorteilhaft sei der Nullzins nämlich für Staaten, die somit relativ rasch ihre Schuldenlast tilgen können. „Es findet eine Umverteilung vom Sparer auf den Kreditnehmer statt. Die Kreditnehmer-Seite ist politisch einfach stärker vertreten“, sagt Schwager. Bei der Zinsentscheidung am Donnerstag in Frankfurt beließ der EZB-Rat den Leitzins im Euro-Raum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0  Prozent. Für Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, gilt weiterhin, dass sie dafür 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Die EZB hielt auch an ihrer Aussage fest, Anleihen bis Ende September 2018 oder länger zu kaufen – zumindest so lange, bis die Entwicklung der Teuerungsrate mit dem Inflationsziel von etwa 2 Prozent vereinbar ist. Ein Enddatum für die Käufe erwähnte die EZB weiterhin nicht.

Zinsüberschuss fällt

Eine Banker-Regel lautet einfach formuliert: „Mit dem Zinsüberschuss muss ich meine Personal-und Sachkosten erwirtschaften.“ Was seit Jahrzehnten in den Akademien der Sparkassen oder auch Volksbanken gelehrt wird, lässt sich angesichts der andauernden Niedrigzinsphase immer schwieriger umsetzen. Beim Sparkassenverband geht man davon aus, dass spätestens bis zu den Jahren 2021/22 der Zinsüberschuss auf ein Niveau von 1,5 Prozent fallen wird. Im vergangenen Monat betrug dieser bei den niedersächsischen Sparkassen im Durchschnitt noch 1,93 Prozent.

Dass der Zinsüberschuss im Abwärtstrend ist und die Verbandsprognosen eintreffen, lässt sich beim Rückblick auf den Herbst 2016 erkennen. Vor eineinhalb Jahren betrug der Zinsüberschuss gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) noch 2,04 Prozent. Somit ist er im Verantwortungsbereich des Niedersächsischen Sparkassenverbandes bereits um 0,11 Prozentpunkte gesunken. Will eine Sparkasse ihr Betriebsergebnis auch nur annähernd halten, bleibt angesichts des sinkenden Überschusses vor allem der Schritt zu Einsparungen bei den Personal- und Sachkosten.

Anhand der Kennziffern für die Sparkasse Göttingen lässt sich die Situation gut darstellen: Aktuell beträgt die DBS rund 3,02 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss liegt mit 1,9 Prozent leicht unter dem Landesschnitt. Gehen weitere 0,4 Prozent in den nächsten Jahren verloren, müssten also gut 12 Millionen Euro eingespart werden. r

Sparern prognostiziert der Schwager somit weiter eher magere Zeiten. Als Alternativen zum Festgeld rät er zu Immobilien- und Aktienfonds. „Damit lassen sich weitgehend ohne allzu großes Risiko ordentliche Renditen erzielen. Die Immobilienpreise steigen noch, das hatten wir in Deutschland gut 25 Jahre lang nicht.“ In Anbetracht der günstigen Kredite sollten sich Sparfüchse aber auch mal dazu durchringen, sich etwas zu leisten. „Bei den günstigen Krediten kann man sich ruhig mal etwas Besonderes gönnen. Sich zum Beispiel einen schönen Neuwagen zulegen.“

Von Mark Bambey

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