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19:34 22.08.2019
Auf Baustellen lauern viele Gefahren. Nicht immer sind allen Beteiligten die Sicherheitsbestimmungen bekannt. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Göttingen

Auf Baustellen lauern viele Gefahren. Trotz aller akribisch geregelten Sicherheitsvorschriften ereignen sich dort immer noch ein Drittel aller tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland, viele durch Abstürze. Über Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen zum Arbeitsschutz auf Baustellen hat der Präventionsexperte und gelernte Bauingenieur Wolfgang Günthner am Donnerstag im Hörsaal des Primatenzentrums informiert. Der Vortrag des Regionalen Arbeitskreises für Arbeitssicherheit (RAB) richtete sich an Beschäftigte, Koordinatoren, Planer und Bauherren.

Wolfgang Günthler hat über Sicherheitsbestimmungen auf Baustellen informiert. Quelle: Mahnkopf

Zeitdruck und Absturzrisiko

So überschaubar die Zielgruppe blieb, so wuselig geht es auf vielen Baustellen zu. „Der Bau brummt“, sagt Günthner. Vom befürchteten Konjunktureinbruch sei in der Branche nichts zu spüren, die Zahl der Auftragseingänge im ersten Halbjahr um 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen – vor allem im Wirtschaftssektor. Der Zeitdruck wächst, viele Gewerke arbeiten parallel, und es fehlt an Nachwuchs. Kaum einer wolle noch eine Lehre auf dem Bau machen. „Das Gefährdungspotenzial ist ungleich höher als in anderen Branchen“, gibt Günthner zu bedenken. Altgediente Poliere und Vorarbeiter seien häufig auf von Subunternehmen gestellte ganze Kolonnen nicht deutschsprachiger Arbeitskräfte angewiesen, die Verständigung lasse zu wünschen übrig. Gefahren würden durch Lärm nicht wahrgenommen, das Absturzrisiko sei groß. Auch der soziale Arbeitsschutz sei ein großes Problem. Im Winter fehle es an fließendem Wasser und geheizten Räumen. Vernünftige Sanitäranlagen, Pausenmöglichkeiten und bei mehr als 50 Beschäftigen vorgeschriebene Erste-Hilfe-Räume seien keine Selbstverständlichkeit.

Vielzahl an Verordnungen

Klare Vorgaben und Richtlinien gibt es im Arbeitsrecht und bei den Sicherheitsbestimmungen. Die meisten Arbeitsstättenverordnungen enden mit dem Punkt „abweichende und ergänzende Regelungen für Baustellen“. Bis ins kleinste Detail ist dort geregelt, wie es auf Baustellen zuzugehen hat: die Höhe von Stolperstellen, Wegbreiten, Laufsteg-Neigung, Bautreppen-Steigung, Geländer-Belastung, Brandschutz, Umgang mit Gefahrstoffen, Montage und Demontage, der Abbau von Stahl- und Betonkonstruktionen. Auch die Bereitstellung von Getränken und Toiletten sind Gegenstand bürokratischer Bestimmungen. Das gilt für die Entfernung der sanitären Anlagen, Schamschutz, Hygiene, Lüftungsmöglichkeiten und Beheizbarkeit im Winter. „Dixi-Klos sind das nicht“, sagt Günthner: „Heute ist es nicht mehr üblich, dass Baustellen im Winter ruhen.“

Bauherr trägt Hauptverantwortung

„Die Theorie ist kein Problem, die praktische Unterweisung schon“, kommentiert der Unruheständler das Brandschutz-Thema und erinnert an das durch Schweißarbeiten ausgelöste Drama am Düsseldorfer Flughafen. Auch Instandsetzungsarbeiten seien Bauarbeiten, betont Günthner. Viele Vollsperrungen, über die sich Autofahrer ärgern, seien auf die Einhaltung bei Straßenbaustellen früher vernachlässigter Sicherheitsabstände zurückzuführen.

Bei Baustellen sind viele Menschen involviert: Bauleiter, Architekt, Fachplaner, Beschäftigte, Koordinatoren, Sicherheitsbeauftragte und unbeteiligte Dritte. Die Gesamtverantwortung trage aber immer der Bauherr – auch der einfache Häusle-Bauer, betont Günthner. Der sei in den seltensten Fällen qualifiziert, könne Dritte beauftragen, bleibe aber in der Kontrollpflicht. Aus der seien auch die einzelnen Unternehmen nicht ausgenommen – auch wenn es keinen Koordinator gebe.

Die RAB-Vorträge werden von Lars Maue vom Göttinger Gewerbeaufsichtsamt – das auch Baustellenkontrolleure einsetzt – organisiert. Der nächste Vortrag dreht sich am 26. September um Telearbeit, Home-Office und mobiles Arbeiten.

Von Kuno Mahnkopf

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