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Regional Wenig Akzeptanz für Mehrwegbecher
Nachrichten Wirtschaft Regional Wenig Akzeptanz für Mehrwegbecher
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00:19 31.08.2017
Entwurf des neuen Fair Cups Göttingen. Quelle: r
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Göttingen

„Ab September kommt Fair Cup im neuen Design mit Mehrwegdeckel“, erzählt die Lehrerin Sibylle Meyer. Die Projektleiterin setzt auf die Weiterentwicklung des Prototyps große Hoffnungen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Fair Cup in Göttingen besser als bisher zu vermarkten. Doch der Fair Cup hat es schwer. Firmen ist das Verfahren oftmals zu kompliziert und zeitaufwendig.

Mit dem Projekt im Januar 2017 gestartet, hat der Fair Cup schnell Unterstützer gefunden. Hoch gelobt vom Umweltminister Stefan Wenzel war der Becher schnell in Göttingen ein Thema. Abwaschbar soll der Becher in einem Pfandsystem unter möglichst viele Leute gebracht werden. Speziell die Bäckereien Ruch, Hermann, Thiele und Küster unterstützten den Fair Cup, indem sie große Mengen der ersten Becher ankauften. Aktuell nehmen einige kleine Unternehmen wie Knitterfrei, Mc.Clean, Ifas, my.WorX oder Contigo am Projekt teil. Doch ein Durchbruch ist nicht in Sichtweite. Um diesen zu erlangen, müsste der Fair Cup Zugang zu großen Unternehmen in der Region wie zum Beispiel der Universität finden. Doch hier winkt man ab. „Wir probieren aus, ob abbaubare Becher eine Alternative sind“, sagt Peter Schierschke, Geschäftsführer der UMG-Gastronomie. Die unbeschichteten Becher aus Recyclingpapier hätten nur einen Nachteil, sie isolieren nicht so gut und lassen die Finger schneller heiß werden. Modelle wie der Fair-Cup-Becher seien derzeit keine Option. Auch Andreas Hermann von der gleichnamigen Bäckerei meint, die Nachfrage nach Mehrwegbechern sei „eher rückläufig“. Bei vielen Bürgern sei es doch die Bequemlichkeit, die zum Griff zum Einwegbecher führe.

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Front gegen Coffee To Go und Zweifel an den Alternativen

Quer durch Deutschland formiert sich eine Front gegen den Pappbecher. München will Pächtern städtischer Kaffeeausgaben Einweglösungen noch vor dem Herbst verbieten. Im Rat der Stadt fiel der Beschluss ohne Gegenstimmen. In Freiburg startete vergangenen Herbst ein Pfandbecher-System, an dem sich Cafés und Bäckereien beteiligen. Dabei ist es zweifelhaft, ob diese Alternativen stets besser ist als der Pappbecher. Auch Mehrwegbecher brauchen Ressourcen. Sie sind schwer, Herstellung und Transport benötigen Energie – nicht nur bei der ersten Lieferung aus der Fabrik zum Einsatz, sondern auch später beim Mitnehmen. Zudem müssen die Becher Warmwasser gespült werden, was ebenfalls Energie kostet und die Umwelt belastet.

„Die meisten finden unser Projekt großartig, toll und wünschen uns dann alles Gute. Doch so bewegt man nichts“, beschwert sich Sibylle Meyer. Dabei wäre der Bedarf vorhanden. „Allein auf dem Schulhof der BBS II Göttingen sammelt der Hausmeister täglich einen 120-Liter-Sack voll mit Pappbechern. Auch in unserer Schule wird das Projekt trotzdem nur schleppend angenommen, obwohl es mittlerweile sogar eine App mit Navigation gibt, die den nächsten Standort eines Fair Cups und den Weg dorthin anzeigt“, so Meyer.

Es gibt sie, die Unterstützer. Ein Familienbetrieb aus Nörten-Hardenberg zum Beispiel. Die TPK-Kunststoffe GmbH unterstützt den Fair Cup. Mit dem Fair-Cup-Team hat die Firma seit Februar 2017 eine Becherserie designt, die den Testbecher im September ablösen wird. Zudem soll dieser Becher automatentauglich sein. Sogar ein Automat wäre bereits vorhanden. Die Firma Tomra-Systems, ein Automatenhersteller für Pfandflaschen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen unterstützt den Fair Cup. „Wir haben für das Studentenwerk unter anderem einen Becher designt, der automatentauglich ist. Zudem können wir einen Tomra-Automaten, der für die Becher lediglich umprogrammiert werden muss, für drei Monate testweise und kostenlos aufstellen.

Doch jetzt gibt es wieder schlechte Nachrichten für den Fair Cup: Die Göttinger Firma Goldkorn GmbH & Co. KG wollte den Fair Cup mit seinem neuen Design am diesjährigen Soundcheck Festival vom 14. bis 16. September an ihren Getränkeständen einführen, hat sich aber kurzfristig dagegen entschieden. „Wir haben hin und her überlegt, aber der Aufwand für das System wäre zu groß gewesen“, sagt Geschäftsführer Klaus Hausmann. Der Mehrwegbecher Fair Cup sei eine gute Idee, doch man müsse dafür eine eigene Abrechnung machen und dies sei bei den zu erwartenden geringen Mengen zu aufwendig.

Von Bernard Marks

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