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00:17 04.06.2019
Beim Treffen mit dem Tageblatt in einem Göttinger Café präsentierten Juliane Schöning und Hemant Chawla ihre essbaren Löffel. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Essbare Löffel will ein Startup-Unternehmen aus Göttingen auf den Markt bringen. Nämlich als Alternative zu Plastiklöffeln, wie es vonseiten der kleinen Firma heißt. Die nennt sich „Kulero“, ein Wort, das auf Esperanto Löffel bedeutet. Kulero – das sind zur Zeit Juliane Schöning, Kruvil Patel und Hemant Chawla. Sie studiert Indologie an der Göttinger Universität, er lernt in einem hiesigen Unternehmen den Beruf des Kaufmanns im Groß- und Außenhandel und Kruvil kümmert sich um die Produktion in Indien. Essbare Löffel? Ja, versichern beide, die bietet Kulero an und deshalb werden jetzt Kunden in der Gastronomie gesucht, die lieber auf Getreide setzen denn auf Polymere.

Zeit für einen Nachschlag ist drin

„Grundstoff unserer Esslöffel sind verschiedene Getreidearten wie Weizen, Hafer, Mais, auch Kichererbsen und Sojamehl“, klärt Juliane Schöning auf. Die genaue Rezeptur will ihr Partner Hemant Chawla nicht verraten. Die sei geheim und schließlich Grundlage der gemeinsamen Geschäftsidee. In den essbaren Löffeln seien außerdem nur noch Salz, Wasser, Gewürze, Kakao und Gemüse, wie Rote Beete, enthalten, jedoch keine Konservierungsstoffe oder künstliche Aromen. Beim Essen gehe der Geschmack der Löffel nicht auf die jeweiligen Speisen über, betont Schöning. Und selbst bei heißen Suppen würden die Kulero-Löffel mindestens 20 Minuten stabil bleiben. Die Zeit für einen Nachschlag ist also drin.

Bürokratische Hürden sind zu nehmen

„Mit unseren Löffeln lassen sich viele Tonnen Einwegbesteck vermeiden“, sieht Chawla sein Besteck vor allem als umweltfreundliche Alternative zu den Pendants aus Plastik. Der 23-Jährige hat sich informiert: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums seien allein in Deutschland im vergangenen Jahr mehrere Milliarden Einweg-Plastiklöffel genutzt und schließlich weggeworfen worden.

Hergestellt, erläutert der gebürtige Inder, würden die essbaren Löffel in seinem Heimatland. Familienmitglieder und Freunde wie Kruvil hätten eine spezielle Maschine konstruiert. In Indien seien die Löffel bereits auf dem Markt, ebenso in den USA. In Deutschland mussten etliche bürokratische Hürden genommen werden (labor- sowie gewerbetechnisch) – der Hürdenlauf sei aber fast bewältigt. Deshalb sind Chawla und Schöning bereits in die Akquise gegangen. Interesse sei bereits von den Inhabern Göttinger Eisdielen bekundet worden. In Betracht kämen aber auch alle Restaurants, Imbiss-Buden und Food to go Angebote, in denen Plastikbesteck zum Einsatz kommt.

Gastronomische Einrichtungen angefragt

Auf die Idee für den Vertrieb essbarer Löffel sind die beiden angesichts von immer wieder zu beobachtenden Müllbergen etwa bei Festivals gekommen. In Indien, weiß Chawla, werde der Plastikmüll zuweilen vor der eigenen Haustür verbrannt. „Aber es ist auch ein Bewusstsein da, es besser zu machen“, hebt er hervor. In Deutschland, ergänzt Schöning, „verschaffen wir uns mit dem gelben Sack ein gutes Gewissen. Dafür ist in Indien Einwegplastik inzwischen verboten.“

Jetzt sollen die essbaren Löffel zuerst einmal an gastronomische Einrichtungen vertrieben werden. Später soll auch Otto Normalbürger Kulero-Besteck erwerben können. Der Fair-Trade Einzelhändler Contigo habe Interesse angemeldet, den Vertrieb zu übernehmen. Schöning und Chawla haben ihre Tippel-Tappel-Tour bereits hinter sich, bei der sie für ihr Produkt geworben haben. „Wir warten jetzt auf Feedback“, sagt Schöning. Im Großhandel soll ein Löffel zwischen elf und 15 Cent verkauft werden. Eine Plastiktüte koste 15 Cent, hält Chawla dagegen. Dafür habe der Löffel Nährwert. Und die Löffel werden dann in Plastikfolie verschweißt geliefert? „Wir nehmen Butterbrotpapier dafür. Wir legen wirklich Wert auf Nachhaltigkeit“, betont Schöning.

An weiterem essbaren Besteck wird gearbeitet

Die Frage, warum nicht Bioplastik verwendet wird für die Löffel, wischen beide mit dem Argument vom Tisch, dass dieser Stoff nicht 100-prozentig abbaubar sei und einer langen Zersetzungsdauer unterliege.

Das Kulero-Team arbeitet, parallel zu Studium und Ausbildung, bereits an weiterem essbaren Besteck. Diese kleinen Plastikstäbchen, mit denen gemeinhin Kaffee umgerührt wird, aber auch die Stäbchen in asiatischen Restaurants könnten gut und gerne durch Produkte aus Mehl und Wasser ersetzt werden, findet das junge Unternehmer-Duo.

Übrigens: Wer den Löffel partout nicht essen will, kann ihn umweltfreundlich entsorgen. Er zersetzt sich nach kurzer Zeit.

Von Ulrich Meinhard

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