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17:04 08.03.2012
Einkaufserlebnis am Computer: Prof. Manfred Zilling.
Einkaufserlebnis am Computer: Prof. Manfred Zilling. Quelle: Caspar
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Hannover/Göttingen

„Ich hatte keine Lust mehr, immer mit Bestellformularen durchs Institut zu laufen“, berichtet der Chemisch-Technische Assistent Daniel Frank am Cebit-Stand der Universität Göttingen. So schrieb er ein Programm zum Online-Bestellen von Chemikalien, das zudem deren Verbrauch und Entsorgung dokumentiert: die Kataster- und Verwaltungssoftware Goe-Chem. 2005 hatte Frank die erste Version fertig.

Nach Jahren der Optimierung im Praxis-Betrieb ist Goe-Chem marktreif. „Hier auf der Cebit haben bisher mehrere Hochschulen, ein Ministerium sowie ein Herr aus Saudi-Arabien Interesse am Produkt gezeigt“, berichtet Frank. Ein Unternehmen will er gründen, wenn der Markt sein Produkt nachfragt. In Absprache mit der Universität kann er seine Stundenzahl als technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter verringern.

Um Bequemlichkeit geht es auch am Stand nebenan. Prof. Manfred Zilling von der Privaten Fachhochschule Göttingen will dem E-Commerce, dem Einkaufen im Internet, eine Erlebniskomponente verschaffen. Dazu verknüpft der Wirtschaftsinformatiker ein Einkaufprogramm mit den sozialen Netzwerken, die der Nutzer übers Internet pflegt (Facebook, Skype). Der E-Shopper kann sich so mit seinen virtuellen Freunden online über Produkte, die ihm gefallen, austauschen, Meinungen und Tipps einholen. „Händler können für solche Freundeskreise im Netz Verkaufsveranstaltungen moderieren, ähnlich einem Tupper-Abend“, sagt Zilling. Noch ist die Idee nicht ausgereift. Der Göttinger will auf der Messe das Marktpotenzial ausloten.

Top-Partner von SAP

Mit Softwarelösungen für Geschäftskunden befasst sich die Sycor GmbH. „Wir waren zwei Jahre nicht auf der Cebit“, berichtet Vertriebsleiter Karl-Heinz Waschina. Mittelständler, die Sycor-Zielgruppe, ließen sich über Fachmessen, etwa für die Kunststoffindustrie, besser erreichen. Doch weil die Sycor zwischenzeitlich zu den „Top-Partnern“ von SAP aufgestiegen sei, habe der Walldorfer Softwarehersteller eine Präsenz der Göttinger auf dem SAP-Stand in Hannover erwartet. „Wir führen hier qualifizierte Gespräche mit Laufkundschaft“, meint Waschina zufrieden.

Das Problem der Unternehmer am Sycor-Stand: Die eigenen Programme sind nach 15 bis 20 Jahren Einsatz an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gestoßen. „Viele Unternehmen zögern die Einführung eines neuen Systems, das eigentlich nach acht bis zehn Jahren ansteht, heraus“, berichtet Waschina. Solange die Systeme gut liefen, scheuten die Firmen den Arbeitsaufwand einer Neueinführung. Dann müssten nämlich alle Arbeitsprozesse auf Optimierungsmöglichkeiten durchgegangen werden, erläutert der Sycor-Mitarbeiter.

Die Anbindung mobiler Computer an das firmeninterne Datennetz ist das Thema der Einbecker Mod IT GmbH. „Außendienstmitarbeiter müssen schnell und sicher auf die Firmendaten zugreifen können“, betont Vertriebsleiter Florian Reinhold. Um Missbrauch zu verhindern, könnten die Einbecker im Falle des Verlustes mobiler Computer Daten aus der Ferne löschen. Ein anderes Thema: „Mitarbeiter wollen mit ihren eigenen Computern und Tablets ins Firmennetz gehen können“, berichtet Reinhold. Auch das ermöglichen die 70 Mitarbeiter von Mod IT, die in Einbeck und Hannover beschäftigt sind.

Technik ist ausgereift

Das Göttinger Software-Unternehmen H + H befasst sich mit dem sogenannten Cloud-Computing. „Die Programme und Daten sind dabei nicht auf den lokalen Rechnern installiert und gespeichert, sondern im Netz verfügbar“, führt Vertriebsleiter Frank Büermann aus. Er rechnet 2012 in diesem Bereich mit einem „sprunghaften Wachstum“. Das Thema sei zwar bereits einige Jahre alt, doch nun sei die Technik ausgereift. Der Diplom-Kaufmann: „Unser Terminkalender auf der Cebit ist mit angekündigten Fachbesuchern gut gefüllt.“ H + H beschäftigt im Maschmühlenweg 37 Mitarbeiter. Tendenz steigend.

Auch das Göttinger Unternehmen Sernet wächst. „2011 haben wir acht neue Leute eingestellt“, berichtet Firmengründer und Geschäftsführer Johannes Loxen. In der Bahnhofsallee 1b seien mittlerweile 50 Personen tätig. Der Messebesuch sei nicht nur wegen der Gewinnung neuer Kunden interessant. Es würden sich auch Arbeitssuchende vorstellen.

Loxen: „Vom Fachkräftemangel spüren wir nichts.“ Sernet kümmert sich um die Infrastruktur der Informationstechnologie. Dazu gehören unter anderem Firewalls, die Datennetze gegen Hacker, Computerviren und Spams schützen. Die Göttinger folgen dabei den Vorgaben der entsprechenden Iso-Norm.

Die Cebit ist noch bis Sonnabend, 10. März, täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Michael Caspar

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