Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Wie der Hermann die Spanien-Idee hatte
Nachrichten Wirtschaft Regional Wie der Hermann die Spanien-Idee hatte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:55 23.02.2016
Von Sven Grünewald
Wolfgang Hermann (2. v. r.) mit seinen spanischen Auszubildenden: Alvaro Millan, José Segovia, Eduardo Martin, Jon Castillo (v. l.).
Wolfgang Hermann (2. v. r.) mit seinen spanischen Auszubildenden: Alvaro Millan, José Segovia, Eduardo Martin, Jon Castillo (v. l.). Quelle: Heller
Anzeige
Northeim

Seit über 20 Jahren fährt Hermann, der eine Autohauskette unter anderem in Northeim und Göttingen betreibt, nach Andalusien in sein Ferienhaus. So auch im Januar 2012. „Ich ging zu den Containern, um Flaschen und Papier wegzubringen“, erzählt Hermann. Daran klebte ein Zettel, auf dem eine junge Frau in drei verschiedenen Sprachen geschrieben hatte: Bitte helfen Sie mir, ich habe Abitur, aber keine Arbeit. „Das war so eindringlich, weil es auf einem Müllcontainer war.“ So wurde Hermann auf das Phänomen der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien aufmerksam.

Zurück in Deutschland traf er sich mit Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, und Martin Rudolph, Geschäftsstellenleiter der IHK in Göttingen. „Hermann wollte von uns wissen, ob wir uns vorstellen könnten, dass spanische Jugendliche in unseren Betrieben unterkommen“, erzählt Andreas Gliem. Hier sollte damit der Fachkräftemangel bekämpft werden.

„Wir haben die Idee schnell aufgegriffen und in die IHK Hannover hineingetragen“, ergänzt Martin Rudolph. Die IHK übernahm die Führung und bereits 2013 gelang es, zusammen mit der Arbeitsagentur und der Volkshochschule Göttingen Osterode die ersten Spanier nach Südniedersachsen zu holen. Inzwischen leitet die VHS das Projekt.

Wolfgang Hermann hingegen nutzte die politischen Kontakte aus seiner Zeit im niedersächsischen Landtag, um die bundespolitischen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Vor allem Thomas Oppermann (SPD) habe ihm damals geholfen, sagt Hermann. „Später hat das Arbeitsministerium die Idee sehr gut weitergeführt und dann ging das seinen Weg.“ Für Hermann war danach Schluss. „Da waren schließlich die Profis am Werk.“

In der ersten Runde war noch vieles improvisiert, die Ausführungsbestimmungen der Projektfinanzierung standen noch nicht fest, bei der Unterbringung sprang das GDA Wohnstift ein und SerNet sorgte für kostenloses Internet. Und doch klappte alles. „Dass die Idee so erfolgreich umgesetzt wurde, hätte ich nicht gedacht“, meint Gliem rückblickend.

Heute ist aus der Idee fast ein Selbstläufer geworden. Auch dieses Jahr im Sommer wird wieder eine Gruppe Spanier nach Südniedersachsen kommen. Die größte Herausforderung für das Projekt stellt derweil die Flüchtlingskrise da. Unternehmen bemühen sich stärker, Flüchtlinge in die Betriebe zu integrieren, und ob es langfristig weiterhin eine Finanzierung gibt, ist noch offen. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit noch immer bei rund 45 Prozent.

Seiner eigenen Idee ist er Wolfgang Hermann als Unternehmer weiter treu geblieben, jedes Jahr hat er bislang Auszubildende als Mechatroniker eingestellt.