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Regional Wiedereinführung der Meisterpflicht: Was bedeutet das fürs Göttinger Handwerk?
Nachrichten Wirtschaft Regional Wiedereinführung der Meisterpflicht: Was bedeutet das fürs Göttinger Handwerk?
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11:34 05.12.2019
Fliesenleger unterliegen künftig wieder der Meisterpflicht, wenn sie sich selbstständig machen wollen. Quelle: IG Bau
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Göttingen

53 Handwerksberufe wurden 2004 für zulassungsfrei erklärt. Jetzt folgt eine kleine Rolle rückwärts: Für zwölf Handwerke gilt wieder die Meisterpflicht – gut für das Göttinger Handwerk?

Schon lange gärt die Debatte um die Frage, wie sinnvoll es ist, einen Meistertitel als Voraussetzung für die Selbstständigkeit vorzuschreiben. Mit dem Abschaffen des Meisterzwangs sollte der Situation Rechnung getragen werden, dass zunehmend Facharbeiter fehlen. Argumentiert wurde auch damit, dass ein Meisterbrief alleine nicht für Qualität bürge. Die Gegner der Abschaffung führten ins Feld,dass kleine Betriebe ohne Meister häufig nach kurzer Zeit vom Markt verschwunden seien und Reklamationen dann ins Leere liefen.

Meisterpflicht für zwölf Handwerke

Im Koalitionsvertrag hatten sich CDU und SPD dazu verpflichtet, den Meisterbrief zu erhalten. Geprüft werden sollte, inwieweit EU-Recht eine Rückkehr zur Meisterpflicht zulässt. Das Ergebnis: Zwölf Handwerke sind künftig wieder der Meisterpflicht unterworfen: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rolladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Raumausstatter, Glasveredler, Orgel- und Harmoniumbauer sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller.

Ziel sei es, durch diese Änderung der Handwerksordnung „die Qualität und die Qualifikation im Handwerk zu stärken und die Strukturentwicklung im Handwerk und dessen Zukunft nachhaltig zu sichern“, heißt es in einer Mitteilung der Bundesregierung. Ausnahmen von der Neuausrichtung sind vorgesehen für Gesellen, die bereits viel Erfahrung in ihrem Beruf gesammelt haben. Sechs Jahre Berufserfahrung, davon vier Jahre in leitender Tätigkeit sind Voraussetzung. Und: Es gibt Bestandsschutz für Firmen, die bereits am Markt sind, ohne dass weder der Chef noch ein Mitarbeiter über einen Meisterbrief verfügen.

Qualität war rückläufig

Die Meisterpflicht wird insbesondere dort wieder eingeführt, wo eine Reglementierung zum Schutz von Leben und Gesundheit und die Wahrung von materiellem und immateriellen Kulturgut erforderlich sei, heißt es in der Mitteilung.

„Das ist aus unserer Sicht ein Anfang, das zu reparieren, was 2004 vermurkst wurde“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Nach Abschaffung der Meisterpflicht beispielsweise bei den Fliesenlegern seien die Qualität der Arbeit und die Ausbildungsleistung rückläufig gewesen. Vor allem die Ausbildungszahlen seien „dramatisch eingebrochen“. „Qualität kommt von Qualifikation.“

Verbesserung des Verbraucherschutzes

Frölich betont, dass mit der neuen Regelung der Verbraucherschutz wieder verbessert werde.„Das ist aus dem Ruder gelaufen durch die vielen Ein-Mann-Betriebe.“ Eine Ausweitung der Meisterpflicht auch auf weitere Berufe sei wünschenswert. Doch in fünf Jahren soll erst mal das Ergebnis der Veränderung evaluiert werden. Frölich: „Das müssen wir abwarten und dann weitersehen.“

„Die Handwerkskammer Hildesheim sieht in dem Gesetzesentwurf einen Meilenstein für das Handwerk“, teilt deren Sprecher mit. „Wir freuen uns über jedes einzelne Handwerk, das die Rückvermeisterung geschafft hat.“ Die Handwerksorganisation müsse sich darüber im Klaren sein, dass es mit der Überführung in meisterpflichtige Gewerke nicht getan sei. Es sei nicht damit zu rechnen, dass „plötzlich Meister in diesen Gewerken vom Himmel fallen“. In vielen Gewerken müsse jetzt geprüft werden, wo diese ihren Meister machen könnten. Für die Handwerksorganisation geht es dabei darum, entsprechende Fortbildungen anzubieten, Lehrpersonal zu finden und Lehrgänge neu zu konzipieren.

„Verschlechterungen handwerklicher Leistungen“

„Aus Sicht der Kreishandwerkerschaft war die Wiedereinführung der Meisterpflicht längst überfällig“, erklärt Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Der Wegfall 2004 habe „zwangsläufig zu Verschlechterungen handwerklicher Leistungen bei gleichzeitiger Zunahme von Gewerbetreibenden – teils ohne jegliche Vorkenntnisse“ geführt. Auch die Ausbildungsbereitschaft habe nachgelassen, weil die Ausbildungsbetriebe befürchteten, dass Lehrlinge schon vor der Gesellenprüfung aussteigen, sich selbständig machten und „mit Dumpingpreisen konkurrieren“.

Von Peter Krüger-Lenz

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