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Regional Die erste Wein-Ernte zum Test steht an
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00:24 26.07.2018
Winzer Michael Winkler neben seinen einjährigen Riesling-Rebstöcken mit einer Riesling-Traube. Quelle: Niklas Richter
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Lenglern

Wer Weintrauben aus dem Supermarkt gewohnt ist, könnte die Trauben am Weinberg in Lenglern für klein halten: „Das liegt an der Trockenheit, dass sie nicht so groß geworden sind“, erklärt Michael Winkler, der Apotheker ist. Seit vergangenem Jahr baut er hobbymäßig in Lenglern auf 2,85 Hektar Fläche Wein an – noch ist nicht die ganze Fläche bepflanzt, doch in diesem Jahr haben Winkler und seine Familie weitere 2000 Pflanzen auf 1,3 Hektar gesetzt.

Der Weinanbau ist bei den Winklers Familiensache: Neben seiner Frau Dunja Winkler helfen in den Sommerferien auch die drei Söhne Marc, Jan und Tom mit. Hund Felix ist natürlich auch dabei. Unkraut zwischen den Reben muss entfernt werden, herabhängende Äste abgeschnitten oder an den Stäben befestigt werden. Es gibt immer etwas zu tun.

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Riesling und Solaris angebaut

Die Trauben an den Reben sind zwar durch die Trockenheit eher klein, sehen aber sonst gut aus. Die Trockenheit habe auch ihre Vorteile: Sie schütze vor Pilzen. „Beim Riesling sind die Trauben eher kompakter, beim Solaris ist die Struktur lockerer“, erklärt Winkler, der ursprünglich aus dem Rheingau kommt. Das bedeutet, dass die Riesling-Trauben enger aneinandersitzen, die Solaris-Trauben an einem Strauch lockerer aneinander sind.

Beide Sorten hat Winkler, der sich sein Winzer-Wissen Learning-by-doing angelernt hat, vergangenes Jahr angebaut. In diesem Jahr sind noch die Sorten Souvignier gris, Muscaris, Pinotin und Cabernet Cortis hinzugekommen. „Alles pilzwiderstandsfähige Sorten“, wie Winkler betont. Auch die Solaris sei sehr unempfindlich.

Michael Winkler baut seit 2017 in Lenglern Wein an. In diesem Jahr wird er testweise den ersten Riesling und Solaris ernten. Ein Besuch auf dem idyllischen Weinberg – dem größten in Niedersachsen.

„Eigentlich sollte man den Wein erst im dritten Jahr ernten“, sagt Winkler. Durch das Abschneiden der Trauben statt des Erntens in den ersten zwei Jahren würde dann die gesamte Kraft in die Pflanze gehen und diese stärken. Der Apotheker ist jedoch zu neugierig dafür: Er hat die Trauben dran gelassen und will eine erste Test-Ernte machen. „In der letzten Augustwoche wird es so weit sein“, sagt er. Die Solaris-Trauben seien bereits jetzt am reifen, die Riesling-Trauben bräuchten noch ein bisschen. „Vielleicht bekommen wir 20 Liter aus jeder Sorte“, sagt der Weinbauer – der mit seinem Weinberg in Lenglern übrigens der größte Weinbauer in Niedersachsen ist. Vielleicht werde es in diesem Jahr auch erstmal nur Federweißer.

Die südöstlich ausgerichtete Anbaufläche auf der Finkenbreite bei Lenglern, in 250 Metern Höhe, müsse laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung innerhalb der ersten drei Jahre komplett bepflanzt werden, so Winkler. Während er und seine Familie im vergangenen Jahr die ersten 1000 Reben noch per Hand pflanzten, hätte er sich nun aus einer Rübenpflanzmaschine eine Wein-Pflanzmaschine selbstgebaut und damit in diesem Jahr schon gepflanzt.

Vorgabe: Nach drei Jahren muss ganze Fläche bepflanzt sein

„Eigentlich wäre es sinnvoller, nach drei Jahren zu gucken, was gut ist und dann erst die ganze Fläche zu bepflanzen“, findet der Hobby-Winzer. Die Vorgabe in drei Jahren alles bepflanzen zu müssen, ist auch ein Grund, warum er in diesem Jahr schon mal ernte. „Ich will jetzt schon mal sehen, wie der Wein wird, bevor ich eine Entscheidung für den Rest der Fläche treffe“, erklärt der 52-Jährige.

Auf der Fläche wächst nicht nur Wein, sondern auch einige Blumen. „Damit Insekten kommen“, erklärt Winkler. Die seien zum Bestäuben und Auffressen der Blattläuse nützlich. „Es ist kein Biowein, aber welcher mit integriertem Pflanzenschutz“, sagt der Winzer. Er benutze so wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich. „Ich will den Wein mit Genuss trinken können“, sagt er.

Winklers Lieblingswein: der Riesling

Sein Lieblingswein ist übrigens der Riesling. Deswegen hat er den auch – obwohl er weniger widerstandsfähiger ist als beispielsweise die Solaris – angebaut. Er könne sich gut vorstellen, einen Cuvée, so wird ein aus verschiedenen Rebsorten gewonnener Wein bezeichnet, aus Riesling und Solaris zu erstellen. Da kämen die „schöne Säure“ und das Fruchtige des Rieslings mit den interessanten Geschmacksnuancen des zuckerhaltigen Solaris’ zusammen.

Während es in diesem Jahr erstmal nur ein bisschen Weißwein oder Federweißen gibt, wird es in den nächsten Jahren dann mit den angebauten Sorten Pinotin und Cabernet Cortis auch Rotwein geben. „Die Rotweinsorten auszusuchen war sehr anstrengend“, sagt Winkler. Und ergänzt lachend: „Wir mussten alle Rotweine durchprobieren.“

Von Hannah Scheiwe

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