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Regional Wolfgang Barek lässt den Lenker nicht los
Nachrichten Wirtschaft Regional Wolfgang Barek lässt den Lenker nicht los
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20:27 24.11.2010
„Teilweise sagt meine Frau zu, ohne mich zu fragen“: Wolfgang Barek ist Berufskraftfahrer aus Leidenschaft.
„Teilweise sagt meine Frau zu, ohne mich zu fragen“: Wolfgang Barek ist Berufskraftfahrer aus Leidenschaft. Quelle: Hinzmann
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Wolfgang Barek sitzt lässig zurückgelehnt im Pausenraum der W. V. Heyn GmbH. Er schmunzelt, die Arme hat er locker verschränkt. „Man darf keine Hektik aufkommen lassen“, sagt er ruhig. Seit fast 22 Jahren fährt er inzwischen für die Göttinger Spedition. Er hat die frischgeprägten Münzen bei der Einführung des Euros aus der Landeszentralbank in Hannover abgeholt und die alten Münzen dorthin zurückgebracht. Ein Jahr dauerte die Abwicklung des Auftrags – manchmal mit zwei Fahrten täglich.

All die Jahre sei Barek eines gewesen, „fehlerfrei“, sagt seine Chefin Veronica Heyn. Sie kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn sie über ihren Angestellten erzählt. Die Straßenkarten habe er im Kopf, er wüsste, wie man mit den Kunden umgeht. Erfahrungen, die sie nicht missen möchte. Mit wenigen Worten bringt sie es auf den Punkt: „Vertrauen und Respekt“.

Wolfgang Barek ist jemand, der nicht aufhören will. „Es treibt mich immer hierher“ – und doch könnte er längst Rentner sein. Heute wird der Familienvater und dreifache Großvater 70 Jahre alt. „Jeder muss das für sich selbst entscheiden“, sagt er über den Rentenbeginn. „Wenn man in guter körperlicher Verfassung ist und sich nicht quält, warum nicht länger arbeiten?“ Barek sieht nicht aus wie 70, und er fühlt sich auch nicht so.

„Als wir herausbekommen haben, dass man als Rentner so viel dazu verdienen kann wie man will, war das für mich eine klare Sache: Herr Barek bleibt“, sagt Heyn. Man müsse Menschen diese Möglichkeiten einräumen, findet die Unternehmerin. Heyn beschäftigt in ihrer Firma 50 Mitarbeiter und hat einen Fuhrpark mit 40 Fahrzeugen. „Bei uns haben alle einen Arbeitsvertrag“, sagt sie. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Personal-Fluktuation dem Unternehmen nicht gut tun.“ Zwei Drittel ihrer Mitarbeiter sind über 40 Jahre und ebenso viele sind seit mehr als zehn Jahren dabei.Heyn selbst ist 65 Jahre.

Hauptkunde ist das Göttinger Logistikunternehmen Zufall. „Es kommt vor, dass wir einen Auftrag bekommen und die Fahrer innerhalb einer halben Stunde losfahren müssen“, sagt sie. Bei Wolfgang Barek gebe es da nie ein Problem. „Teilweise sagt meine Frau zu, ohne mich zu fragen“, sagt er und lacht.
Nur einmal im Jahr, da sei er nicht zu erreichen: Wenn nämlich Skisaison ist. Alpin und Langlauf sind seine großen Hobbys.

Von Florian Heinz