Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Zweite Schnellladesäule am „Kauf Park“ eingeweiht
Nachrichten Wirtschaft Regional Zweite Schnellladesäule am „Kauf Park“ eingeweiht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:58 23.08.2018
Symbolische Inbetriebnahme einer neuen Schnellladesäule am „Kauf Park“: Thomas Weber (EAM-Geschäftsführer), Hans-Peter Wyderka (niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung), Rolf-Georg Köhler (Oberbürgermeister Göttingen). Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

Die EAM hat während des 57. Mobilitäts-Talks am Mittwochabend ihre zweite Schnellladesäule für Elektroautos am Göttinger Einkaufszentrum „Kauf Park“ in Betrieb genommen.

EAM-Geschäftsführer Thomas Weber, Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Hans-Peter Wyderka vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung übergaben die Säule symbolisch ihrer Bestimmung; kurz darauf zapften bereits die ersten Fahrzeuge Strom. Die Säule sei, so Weber, mit drei verschiedenen Ladesteckern ausgerüstet und dadurch modellunabhängig nutzbar. Es handele sich um die erste Schnellladesäule der EAM aus dem Bundesförderprogramm zum Aufbau von Ladesäulen in Südniedersachsen. Insgesamt betreibe der Energieversorger inzwischen mehr als 50 Ladestandorte, davon sieben Schnellladesäulen.

Ladeinfrastruktur „an den richtigen Standorten“

Für das Vorankommen der Elektromobilität in der Region brauche es „Ladeinfrastruktur an den richtigen Standorten“, betonte Weber. Den „Kauf Park“ zähle er dazu. Die seit 2014 auf der anderen Seite des Parkplatzes stehende Schnellladesäule werde von sechs bis acht Fahrzeugen pro Tag frequentiert, das sei vergleichsweise viel. Der Bedarf werde steigen, weshalb die Erweiterung nun auch gleich zukunftsfähig gestaltet worden sei: „Die neue Schnellladesäule ist an unser 20-Kilovolt-Verteilnetz angeschlossen und bietet die Möglichkeit eines weiteren Ausbaus des Ladeangebots“, erläuterte er.

Centermanager Andreas Gruber betonte, dass der „Kauf Park“ das erste Einkaufszentrum Deutschlands mit einer Ladeinfrastruktur dieser Größenordnung sei. Die erste Säule habe sich als optimaler Standort erwiesen; die Nutzer würden die Aufladezeit häufig für einen Bummel durch den „Kauf Park“ nutzen. Die technische Infrastruktur und die Parkplatzsituation würden es erlauben, später weitere Schnellladesäulen zu installieren.

„Industrie kommt dem Bedarf nicht hinterher“

Ministeriumsvertreter Wyderka machte deutlich, dass bundesweit eine gewisse Grundausstattung an Ladeinfrastruktur inzwischen vorhanden sei. Das aktuelle Problem sei ein anderes: „Die Fahrzeugindustrie kommt dem Bedarf nicht hinterher“, beschrieb er. „Es liegt an der Henne, die zu wenig Eier legt“, nahm er ein zuvor gezeichnetes Bild von Moderator Jan Fragel auf, der damit die Frage aufwarf, was eigentlich zuerst kommen müsse – Elektroautos oder die Ladeinfrastruktur für eben diese Fahrzeuge.

Mobilitäts-Talk am 22. August in Göttingen: OB Rolf-Georg Köhler spricht. Quelle: Swen Pförtner

Auch Oberbürgermeister Köhler sieht derzeit vor allem die Industrie in der Pflicht. „Die Firma Solaris aus Polen ist in der Lage, 1500 E-Busse pro Jahr zu liefern. Die deutschen Hersteller können das nicht“, kritisierte er. Im Oktober werde er sich E-Busse in China anschauen – dem mit Abstand größten Markt für elektrifizierten Personennahverkehr. „Es geht hier auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland, denn wenn die Hersteller bei uns nicht liefern können, werden wir in Polen oder China unsere Busse bestellen müssen“, warnte Köhler.

Busse in Göttingen: GöVB mit fünfstufigem Zeitplan bis 2032

Wie weit China dem Rest der Welt beim Thema E-Busse voraus ist, beschrieb Thomas Zimmermann, Prokurist und Betriebsleiter der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB). Weltweit gebe es seinen Ausführungen zufolge momentan 385 000 E-Busse – davon allein 381 500 in China. Die übrigen 3850 Fahrzeuge verteilten sich demnach auf den gesamten Rest der Welt. Dennoch müsse es auch bei uns vorangehen, und die GöVB hätten hierfür inzwischen einen fünfstufigen Zeitplan bis zum Jahr 2032 definiert. Kurzfristig soll die Anzahl der Plug-In-Hybrid-Busse auf den Linien 41/42 auf sechs verdoppelt werden; später werde eine Reihe von E-Bussen hinzukommen und auf diversen weiteren Linien eingesetzt.

Die „German Angst“ vor zu wenig Reichweite

Aber nicht nur bei den Bussen, sondern auch bei den E-Autos gebe es noch viel Nachholbedarf, wie OB Köhler betonte. Bisher seien rund 53 000 E-Autos auf den deutschen Straßen unterwegs – es fehlen also „nur noch 946 000 bis 2020“, spielte er auf ein ursprünglich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) formuliertes Ziel an. Verhindern würde dies aus seiner Sicht auch die typische „German Angst“ vor einem zu kleinen Akku und zu wenig Reichweite. „Wir formulieren die Probleme und vergessen die Optionen“, sagte er auch selbstkritisch in Richtung Verwaltung und Politik. Dabei müsse man sich ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler aus dem Jahr 2010 vor Augen führen, der damals sagte: „Mobilität, wie wir sie heute praktizieren, ist nicht zukunftsfähig.“

Von Markus Riese

Göttingen Göttinger Party in der Lokhalle - 750 Gäste aus Wirtschaft und Politik

Wirtschaftsempfang der Stadt Göttingen in der Lokhalle: Ein festlicher Abend mit wirtschaftspolitischen Schlaglichtern.

22.08.2018

Anwendungsfelder für ein spezielles Kunststoff-Gel erschließt die Berlingeröder Firma Technogel – etwa im Bereich der Medizintechnik. Das Unternehmen, das Familie Näder gehört, expandiert kräftig.

21.08.2018
Regional Pilotversuch für Nachhaltigkeit - Real testet „Fair Cup“ mit Lebensmitteln

Das Göttinger Kaffeebecher-Projekt „Fair Cup“ ist am Dienstag in den beiden Göttinger Real-Märkten eingeführt worden. Die Becher sollen dort auch für Waren aus den Frischetheken genutzt werden.

21.08.2018