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Wirtschaft Wenige weibliche Selbstständige in Göttingen – trotz guter Möglichkeiten
Nachrichten Wirtschaft Wenige weibliche Selbstständige in Göttingen – trotz guter Möglichkeiten
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06:00 03.05.2019
Gründerinnen: Martina Henn-Sax (l.) und Miriam Engel (r.), hier mit der SPD-Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta. Quelle: r
Göttingen

Zu den wesentlichen Unterschieden zwischen Gründerinnen und Gründern zählten laut „Female Founders Monitor“ die Organisation von Familie und Beruf, die Finanzierung des Startups sowie die unternehmerischen Ziele. Fast die Hälfte aller Gründerinnen orientierten ihr Geschäftsmodell an gesellschaftlichen Problemstellungen, bei den Männern dominierten wirtschaftliche Ziele, so die Ergebnisse der Studie, die in Kooperation mit dem Bundesverband Deutsche Startups und Google for Startups durchgeführt wurde.

Im Jahr 2016 haben die Unternehmerinnen Miriam Engel und Martina Henn-Sax den ersten Gründerinnentag in Göttingen organisiert. „Zunächst war die Resonanz noch verhalten. In den Folgejahren kamen dann immer mehr Teilnehmerinnen dazu, 2018 waren es rund 70 Frauen“, sagt Henn-Sax. Der Gründerinnenanteil in Göttingen entspreche in etwa denen der Studie. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch heute noch für Frauen eine wichtige Frage bei dem Vorhaben, ein Unternehmen zu gründen. Die meisten Arbeiten im familiären Bereich werden immer noch von Frauen erledigt“, so Henn-Sax.

Finanzierung ist Herausforderung für Frauen

Besondere Herausforderungen für Gründerinnen hat die Studie auch bei den Themen Wachstum und Finanzierung ermittelt: Nur 7,3 Prozent der frauengeführten Startups beschäftigten mehr als zehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Außerdem erhielten nur 7,8 Prozent der Frauenteams Venture Capital, bei den Männerteams seien es 16,8 Prozent. Daher müssten Frauen öfter auf andere Finanzierungsquellen zurückgreifen wie Familie und Freunde, so die Ergebnisse der Studie.

„Bei vielen Kreditinstituten werden die Frauen immer noch gefragt, was der Mann verdient, statt zu fragen, welches Potenzial die Idee hat“, stellt Henn-Sax fest. Zudem würden Frauen bei Verhandlungen vorsichtiger agieren. Männer stellten dagegen klare Forderungen und erzielten so auch schneller ein positives Verhandlungsergebnis.

Ein weiterer Unterschied zu männlichen Gründern sei das Alter. „Bei Startups sind sehr junge Gründerinnen eher die Ausnahme. Frauen haben meistens schon eine abgeschlossene Ausbildung und ein paar Jahre Berufserfahrung, bevor sie in die Selbstständigkeit gehen. Viele warten auch, bis die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind“, sagt Henn-Sax. Noch immer gehöre es zum Selbstverständnis von Frauen, den eigenen Wert zu hinterfragen.

Startup-Gründerin mit 20 Jahren

Das bestätigt auch Victoria Lachs, die 2018 ein Yogastudio in Göttingen gegründet hat. Allerdings bildet sie eine seltene Ausnahme, da sie sich schon im Alter von 20 Jahren in die Selbstständigkeit wagte. „Ich musste lernen, dass es okay ist: Man darf sich gut verkaufen. Meine Erfahrung ist, dass die Leute auch eher auf Vorschläge oder Forderungen eingehen, wenn man selbstbewusst formuliert, wie viel einem etwas wert ist“, beschreibt Flachs ihre Motivation. Verzichten konnte sie jedoch auf Gründer-Kredite, da sie klein anfing und nur für die Einrichtung ihres Studios und die Mietkosten aufkommen musste, die sie sich zuvor selbst erspart hatte. Noch betreibt sie ihr Unternehmen allein, allerdings hat sie schon Pläne für Erweiterungen ihres Konzeptes. „Ich finde es wichtig, flexibel zu bleiben und sich selbst auch stetig weiterzubilden“, sagt die Startup-Gründerin.

Die Bedingungen in Göttingen bezeichnet Henn-Sax als optimal. „Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind gut abgedeckt, durch die Uni herrscht ein vor allem liberales Umfeld und es gibt vielfältige Beratungsangebote. Es liegt aber auch an den Frauen selbst, sich für ihre Forderungen einzusetzen. Das fängt in der eigenen Beziehung und in der Familie an und geht bis in den Bereich Förderprogramme und Kredite“, sagt Henn-Sax und verweist schon auf den nächsten Gründerinnentag am 21. November 2019, dessen Programm bereits geplant werde.

Von Claudia Nachtwey

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