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"Alles Bio" Mit sieben schwarzen Schafen fing alles an
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18:30 19.08.2011
Harte Arbeit: Bettina Hucke macht ihren „Burschi“.
Harte Arbeit: Bettina Hucke macht ihren „Burschi“. Quelle: Hinzmann
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Lutterhausen

Käse mit Annanas, Salbei und Curry, mit Zitronenverbene und Pfeffer hat Bettina Hucke vom Milchschafhof Lutterhausen kreiert. Mit Rosmarin bereitet sie ihre „Gute-Laune-Mischung“ zu. Gerne experimentiert die Hofkäserin mit den Demeter-Kräutern aus Lichtenborn. Während sie frischen Käse produziert, kümmert sich ihr Mann Peter um die Schafe.

Heute macht Hucke ihren „Burschi“. Zunächst wird die Milch im Kessel bei 63 Grad pasteurisiert. Dann werden, je nach Käsesorte, die entsprechenden Kulturen hinzugefügt. Welche, das bleibt Huckes Geheimnis. Das ist meine persönliche Schatzkammer“, zeigt sie ihre tiefgekühlten Vorräte.

Mit Kälberlab wird die Milch dickgelegt. Für eine Stunde bleibt die Masse im Kessel stehen, dann wird der Käse das erste Mal geschnitten. „Durch die Schnittflächen tritt die Molke aus, dadurch wird der Reifeprozess verlangsamt“, erklärt Hucke. In festgesetzten Abständen wird das Gallert geschnitten. Immer fester wird der Bruch. Mit der Kelle schöpft Hucke etwa ein Drittel der ausgetretenen Molke ab. „Die erste Kelle ist für mich“, bekennt sie. Bei der schweißtreibenden Arbeit brauche sie die Flüssigkeit als Durstlöscher. Damit die Käsemasse nicht zu fest wird, kommt an Stelle der Molke Wasser hinzu.

Bei 39 Grad wird der Käsebruch „gebrannt“. Zehn Minuten muss sie nun rühren, dann kann Hucke mit dem Abfüllen beginnen. „Das ist relativ schweißtreibend“, erklärt sie. Wenn man ihr zusieht, weiß man, warum. Mit der Kelle befüllt sie die löchrigen Formen. Kaum hat sie eine Kelle eingefüllt, ist die Molke auch schon abgelaufen. Schnell muss sie arbeiten, sonst wird der Käse klumpig. Und kaum ist der große Kessel leer, werden die Formen das erste Mal gewendet. Immer wieder muss der Käse in den selbstpressenden Formen gedreht werden, bis er zum Einsalzen aus der Form kommt. Dann will der Käse gepflegt sein. Der „Burschi“, ein halbfester Schnittkäse, wird zwei Wochen lang täglich gewendet. Erst dann hat er seine Schimmelschicht gebildet. Hucke produziert nicht nur den „Burschi“. Sie macht auch Joghurt und verschiedene Weichkäsesorten. Wenn ihre Tiere viel Milch geben, geht sie dreimal in der Woche in die Käseküche. Sonst müssen zwei Produktionstage reichen.

Peter Hucke melkt alle Schafe mit der Hand. Und nicht nur in der Sommerzeit verbringt er viel Zeit bei den Tieren. Von Dezember bis Juni kommen die Lämmer. „Wir züchten auf Lebensleistung“, schildert Hucke. Viele Betriebe tauschten die Tiere im Alter von sieben Jahren aus. Ihr ältestes Schaf ist 15 Jahre.

1995 haben Bettina und Peter Hucke den Hof in Lutterhausen bei Hardegsen gekauft. Mit sieben schwarzen Schafen zogen sie ein. Nach und nach bauten sie eine Herde mit 25 Tieren auf. Inzwischen halten sie fast 100 Schafe. 55 davon werden gemolken, 65 Liter Milch bringen sie zusammen an guten Tagen. Mehr Milch kann Hucke neben ihrem Beruf als Landwirtschaftlich technische Angestellte kaum verarbeiten.

„Anfangs habe ich viel Lehrgeld bezah lt“, gibt sie unumwunden zu. Bedingt durch die hohen Anforderungen an die Milchverarbeitung hat sie im Januar 2004 eine berufsbegleitende Fortbildung zur landwirtschaftlichen Milchverarbeiterin begonnen und im Frühjahr 2006 erfolgreich abgeschlossen. Nach wie vor fahre sie auf Lehrgänge, um sich für die Käseproduktion weiter zu bilden. „Das ist ein guter Ausgleich zum Beruf“, sagt sie. Ein Kraftakt war der Bau der Käserei. Als sie die Baugenehmigung bekamen, sei die Saison fast vorbei gewesen. Erst im August sei sie auf den ersten Markt gefahren. Ein Erfolg: Am Abend war sie ausverkauft.

2005 bekam sie den lange umkämpften Platz auf dem Northeimer Wochenmarkt. Nur mit eigenen Produkten habe sie angefangen. Heute nimmt sie für ihr Sortiment mit 60 verschiedenen Käsesorten auch Zukaufprodukte aus Elkershausen und von diversen Hofkäsereien mit und fährt auf verschiedene Sondermärkte, Schäfereifeste oder Ökomärkte. Seit 2006 ist ihr Hof Bioland-Betrieb. Mit der Käserei hat sich Hucke einen Herzenswunsch erfüllt, sagt sie – trotz der vielen Arbeit: „Ich mache mit Begeisterung Käse.“

  • Milchschafhof
  • Lutterhausen
  • Bettina Hucke
  • Lutterhäuser Straße 6
  • 37181 Lutterhausen
  • Telefon: 0 55 05 / 31 55
  • Fax: 0 55 05 / 95 97 58
  • E-Mail
  • Internet
  • Der Käse ist auf Märkten und ab Hof nach Vereinbarung sowie jeden Sonnabend (8 bis 13 Uhr) auf dem Northeimer Wochenmarkt erhältlich.

Von Ute Lawrenz