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Die ganze Welt in Göttingen Jussi Larsson vermittelt zwischen Finnen und Deutschen
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16:17 09.05.2014
Echter Europäer: Jussy Larsson lebt mit seiner finnisch-spanisch-deutschen Familie gern in Göttingen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Einsam seien sie, still und ruhig. So stellten sich im Allgemeinen die Europäer den Finnen vor, erzählt Jussi Larsson. „Wir haben Temperament“, stellt der 47-Jährige jedoch klar, „wir zeigen es bloß nicht immer.“ Und der Diplom-Ingenieur, der in Göttingen seit 20 Jahren lebt und arbeitet, verrät noch etwas: „Wir Finnen sind Weltmeister im Kaffeetrinken.“ Die Sache mit den Alkoholexzessen im hohen Norden werde überbewertet.

Larsson muss es wissen, er kennt seine Landsleute, und genau deshalb ist er als selbstständiger Berater für das finnische Technologie-Zentrum Haapavesi europaweit unterwegs. Auf Messen, in Seminaren und Workshops unterstützt er vor allem die finnische Holzwirtschaft, hilft bei Vermittlungen und Geschäftsanbahnungen. Er bereitet die Unternehmer auf deutsche Geschäftspartner vor, erklärt, warum man in Deutschland nicht sofort per du ist und warum es tabu ist, „gleich jeden in die Sauna zu drängeln.“

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Larsson kennt beide Länder mit ihren Sitten und Gebräuchen, schon viele Jahre lebt er in Göttingen. Eigentlich wollte der Student des Faches Internationaler Holzhandel nur ein Erasmusjahr in Deutschland machen – an der Fachhochschule für Forstwirtschaft (HAWK) in Göttingen. Im „Blue Note“ beim Salsatanz lernte er jedoch Maria del Mar Ruiz Dominguez kennen und lieben, entschied sich für die gebürtige Spanierin und ein Leben in Göttingen.

„Mädchen für alles“

Im Galopp hat Larsson das Studium in Finnland beendet und war nach dem Diplom  „der erste finnische EU-Arbeitslose in Deutschland“. Nur für kurze Zeit. Holzfachmann Larsson fand eine Stelle bei Holz-Henkel, war dort zwei Jahre tätig, bis er in Sachen EU-Förderprogramme in seiner finnischen  Heimat aktiv wurde. „Das wird unser Mann in Deutschland“, beschlossen damals die verantwortlichen Finnen.

Von Göttingen aus ist Larsson, der 1966 in dem 10 000-Einwohner-Städtchen Salo geboren ist, für finnische Firmen, Kommunen, Institute und Wirtschaftsförderer in Europa unterwegs, macht Messevorbereitungen, ist bei Kundengesprächen dabei, hilft bei Patentanträgen. „Mädchen für alles“, beschreibt er seine Arbeit. Mit seiner Firma J. L. Finnovation vermittelt er zwischen „Nanomillimeterbauern“ (Deutschen) und „Holzbauern“ (Finnen), sagt Larsson.

Obwohl er mit der „idealen Ehefrau“ (deutsche Gründlichkeit, spanisches Temperament) und Tochter Alicia (14) gern in Deutschland lebt, pflegt er noch regelmäßig finnische Traditionen, geht jeden Tag in die Sauna, verbringt seine Freizeit gern mit Rucksack und Kamera in der freien Natur und träumt davon, das Alter mit Ehefrau Maria in seinem finnischen Waldhäuschen zu verbringen.