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Die ganze Welt in Göttingen Göttinger Übersetzerin: Gena Alcorta-Fleischmann spricht fünf Sprachen
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16:07 17.04.2014
Liebt die deutsche Sprache: Gena Alcorta-Fleischmann ist freiberuflich als Übersetzerin tätig. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Viele sind stolz, wenn sie sich in einer Fremdsprache einigermaßen verständigen können. Nicht so Gena Alcorta-Fleischmann: die 55-jährige Übersetzerin beherrscht neben ihrer spanischen Muttersprache noch Deutsch, Englisch, Französisch sowie Italienisch und kann darüber hinaus noch ein wenig Portugiesisch.

„Schon im Alter von zehn war mir klar, dass ich später einmal etwas mit Sprachen machen werde“, berichtet die Uruguayerin. Als Kind und später als Jugendliche verbrachte sie fast ihre gesamte Freizeit in der Sprachschule, studierte später an der Universität Montevideo Übersetzungswissenschaften. Parallel absolvierte sie eine Sekretärinnen-Ausbildung, „weil es für Übersetzer in Uruguay nicht genug zu tun gibt“.  

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Als das „Ensemble Modern“ eine große Südamerika-Tournee machte und Alcorta als Dolmetscherin fungierte, erfuhr sie, dass das in Frankfurt beheimatete Orchester eine mehrsprachige Sekretärin suchte. Da die Südamerikanerin schon immer von Europa geträumt hatte, bewarb sie sich auf die Stelle  – und wurde genommen. Eineinhalb Jahre lebte und arbeitete sie in der Mainmetropole, nahm dann ein Zweitstudium Übersetzungswissenschaften in Heidelberg auf, das sie mit dem Diplom abschloss.

"Ich liebe die deutsche Sprache"

Zwischendurch lernte sie ihren heutigen Mann kennen, mit dem sie Mitte der 90er nach Göttingen zog, wo er als promovierter Physiker am Max-Planck-Institut arbeitet und sie als freiberufliche Übersetzerin tätig ist.Die Bandbreite der von ihr übersetzten Texte ist groß. Sie reicht von technischen Abhandlungen – unter anderem für Sartorius und Novelis – über Dokumente des Landgerichts bis hin zu Literatur (derzeit überträgt sie den preisgekrönten Christoph-Simon-Roman „Spaziergänger Zbinden“ ins Spanische).

Auch Poesie übersetzt sie, und zwar nicht nur in ihre Muttersprache. Derzeit arbeitet sie an der Übersetzung von Gedichten der uruguayischen Dichterin Juana de Ibarbourou ins Deutsche. Als die mexikanische Nationalmannschaft anlässlich der Fußball-WM in Göttingen gastierte, konnten die Kicker die Speisekarte des Freizeit In lesen – Alcorta hatte sie ins Spanische übersetzt. Und auch die spanisch-sprachige Version von Ernst BöhmesGöttingen – Kleiner Führer durch die Stadtgeschichte“, die im GT-Buchverlag erschien, stammt von ihr.

„Ich liebe die deutsche Sprache“, betont Alcorta, „sie ist unglaublich prägnant, hat viel Witz und ist in meinen Augen tatsächlich die Sprache der Dichter und Denker“. Überhaupt lebt die 55-Jährige gern in Deutschland. Sie mag die Pünktlichkeit sowie die Ehrlichkeit der Menschen, die zwar gelegentlich weh tue, aber vor Missverständnissen schütze: „Man weiß immer, woran man ist.“

„Von Kurtaxe hat in Uruguay noch nie jemand gehört“

Deutsche Freunde seien treu und nicht so schnell beleidigt wie ihre Landsleute: „Hier kann ich problemlos einen Termin absagen, was in Südamerika als Affront aufgefasst werden könnte.“ Sie genießt den Wechsel der Jahreszeiten – „in Uruguay ist das Wetter fast immer gleich“ – sowie die Rituale zu Ostern, Advent und Weihnachten.

Es gibt aber auch Dinge, die in Uruguay besser seien, zum Beispiel das Aroma von Obst und Gemüse sowie die für jedermann zugänglichen, endlosen Sandstrände: „Von einer Kurtaxe hat in Uruguay noch nie jemand gehört.“
Alcortas Kinder Rebecca (20) und Daniel (12) verstehen Spanisch zwar nahezu perfekt, sprechen es aber kaum. Uruguay fühlen sie sich kaum verbunden. „Sie müssen ihren eigenen Weg gehen“, sagt ihre Mutter

Von Hauke Rudolph

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