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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: Banja-Ritual im Teremok
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16:25 16.08.2013
Heizt seinen  Kunden ordentlich ein: Alexander Greb, Inhaber der russischen Sauna. Quelle: Hinzmann
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Reyershausen

„Holzhäuschen“ bedeutet der passende Name – „Teremok“ heißt die Russische Sauna, die Alexander Greb vor anderthalb Jahren in Reyershausen eröffnet hat. Dort bietet er seinen Gästen Raum für Sauna-Besuche auf russische Art. Wie in einer anderen Welt fühlt man sich im zugehörigen Garten. Durch einen Holzzaun ist das Areal vor Einblicken geschützt.

In der Gruppe kommen die Menschen in die Russische Sauna. Egal, ob zu zweit oder mit mehreren, man bleibt unter sich. Acht bis zwölf Stunden, auch mal weniger, sind Russen in der Sauna, erzählt der Betreiber des „Holzhäuschens“. Sie nutzten die Zeit, um miteinander im Gespräch zu bleiben. Zum Ritual gehöre auch das Abschlagen mit einem Quast aus Birkenreisig. Der „Wenik“ wirke wie eine Massage und fördere die Durchblutung. Greb hält für seine Gäste auch Eichenreisig vor. „Nach zwei bis drei Gängen fühlst du dich wie neugeboren“, schwärmt er von dem „Banja“-Ritual. 

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Feier in der Sauna

Auch gefeiert werde in der Sauna: der Junggesellenabschied oder ein Geburtstag. Oft grillt der Chef für seine Gäste. Das Grillgut bringen die Gäste mit, sogar im Winter sei oft Schaschlik angesagt. Wie die Sauna, wird der Grill mit Holz beheizt. Ordentlich gestapelt liegt das Feuerholz bereit. Zu trinken gibt es typisch russische Getränke. Greb verkauft Kwas, russisches Bier und Birkenwasser.

Schon zwei Jahre vor der Eröffnung hat Greb das leerstehende Haus an der Durchgangsstraße in Reyershausen gekauft. Stück für Stück hat er mit seinen  Eltern und Ehefrau Elena das Areal zur Sauna umgerüstet. Im vergangenen Jahr hat er das Fachwerkgebäude mit Holz verkleidet. „Wir haben noch viel mehr vor“, sagt er. Doch das braucht Zeit. Der gelernte Bäcker geht regulär der Arbeit in einer Bäckerei nach. Am Wochenende nimmt er sich Zeit für seine Kunden. Und wenn er nicht kann, helfen seine Eltern.

Mit drei Jahren nach Deutschland gekommen

Alexander Greb (28) stammt aus Sibirien, Elena Greb kommt aus Wolgograd. Seit 1992 lebt die 24-Jährige in Deutschland, mit drei Jahren sei sie hergekommen. Deutsche Vorfahren holten ihre und seine Familie nach Deutschland. Elena landete in Erfurt. Dort lernte sie Alexander Greb kennen. Er war 1997 nach Deutschland gekommen. Bei der Bundeswehr war er in Erfurt stationiert. 2009 sind sie gemeinsam in den Flecken Bovenden gezogen.

In der Sauna wird für sie der Unterschied deutlich zwischen Menschen, die aus Russland und aus Deutschland kommen.  Ein Tag mit Freunden in der Sauna sei hierzulande nicht so üblich. Außerdem hätten die Menschen hier weniger Scheu vor öffentlichen Saunen.  In ihrer Heimat habe jeder eine Sauna im Haus. Die Menschen verbänden ihr Bad mit der Sauna. Frauen und Männer saunierten getrennt. Nur Ehepartner schwitzten gemeinsam.

Ein Stück Heimat

Ihren russischen Landsleuten will das Paar in Deutschland ein Stück Heimat bieten. Von nur 15 bis 20 russischen Saunen in Deutschland weiß Greb und spricht von einer Marktlücke. Nicht nur aus der Region kämen die Besucher ins Teremok, auch aus Hamburg und Hannover.
Greb hat schon neue Pläne: Er möchte einen Raum für Billard, Darts oder Tischtennis einrichten. Auch eine zweite Sauna ist geplant sowie die Erweiterung der  Parkmöglichkeiten, verrät der Handwerker.

Von Ute Lawrenz

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