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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: Der Göttinger Trödelhändler Haytham Hasun aus dem Irak
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12:21 30.07.2013
Erstaunlich breites Sortiment: Haytham Hasun führt alles von der CD bis zur Stehlampe.
Erstaunlich breites Sortiment: Haytham Hasun führt alles von der CD bis zur Stehlampe. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Das Leben wird immer schneller. Ein aufwühlendes Ereignis jagt das nächste. Die Menschen kommen überhaupt nicht mehr zum Luftholen,“ sagt Haytham Hasun. Der gebürtige Iraker, der in der Hauptstadt Bagdad aufgewachsen ist und seit 35 Jahren in Deutschland lebt, hat seine Methode der Entschleunigung gefunden.

Seit drei Jahren betreibt er in der Nikolaistraße 1 einen Trödelladen.Das Sortiment von Haytham, wie sich der Händler von Kunden nennen lässt, ist breit. Im Schaufenster liegen alte Münzen neben Blechspielzeug, Lampen und Kaffeekannen. Im 40 Quadratmeter großen Laden ist fast kein Durchkommen. Auf dem Boden stapeln sich die Comic-Hefte und Praline-Ausgaben.

"Sohn des Adlers"

Überall gibt es Schätze zu entdecken. Haytham zieht ein Erdkundebuch aus dem Regal. Es stammt aus dem Jahr 1929. Dann zeigt er ein Radio von 1950. Die alten Sachen, die durch viele Hände gegangen sind, haben dem Händler Gelassenheit gelehrt. Er hat Abstand gewonnen.

Vielleicht hat es auch etwas mit seinem Namen zu tun, dass er das Leben gerne aus großer Höhe betrachtet. Haytham bedeutet „Sohn des Adlers“. Etwas von dieser Abgeklärtheit gibt der Selbstständige, der früher unter anderem in der Gastronomie tätig war, an seine Kunden weiter.

Feilschen auf dem Basar

Studenten kaufen bei ihm ein. Mit wenig Geld müssen sie ihre Wohnung ausstatten. Sie versuchen die Preise zu drücken. Das Handeln macht Haytham Spaß. Es erinnert ihn an das Feilschen auf dem Basar. Theaterleute decken sich bei ihm ein. Andere suchen für eine Geburtstagsfeier ein besonderes Geschenk. Nachschub erhält der Händler aus Haushaltsauflösungen.

„Es wäre doch schade, wenn alle diese Dinge auf dem Müll landen“, sagt er. Er sorge für eine Wiederverwendung und leiste so einen Beitrag zum Umweltschutz. Im hinteren Teil des Ladens präsentiert der Künstler eigene Bilder. 1982 hatte er seine erste Ausstellung. In Hann. Münden ist das gewesen. „So reich wie der Sultan von Oman bin ich weder durch die Kunst, noch durch den Laden geworden“, meint der Händler, aber er sei zufrieden. Geld erfülle nur einen Zweck, mache aber nicht glücklich.

Von Michael Caspar