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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: „Fischerie Pat“ von Patrik Houdaert
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16:08 23.08.2013
Krabben, Austern und Lachs, Makreelen, Heilbutt und Tintenfisch: Patrik Houdaerts Markstand ist Treffpunkt für Fischfreunde. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Göttingen ist eine Stadt nach seinem Geschmack. Wenn der Belgier Patrik Houdaert (58) dienstags und sonnabends mit seinem Fischwagen „Fischerie Pat“ auf dem Wochenmarkt steht, atmet er tief durch. Die Unistadt mit ihren vielen aufgeschlossenen Menschen gefällt ihm gut. Und die Kunden mögen den charmanten Händler mit dem französischen Akzent. Nach 13 Jahren auf dem Wochenmarkt kann er nicht mehr unerkannt durch die Fußgängerzone bummeln.

Erinnerungen an Brüssel

Göttingen erinnert Houdaert ein wenig an seine Heimatstadt Brüssel, in die er noch drei, vier Mal im Jahr fährt. Dort sind die Menschen noch offener. „Da kann es einem passieren, dass man im Bistro der einzige Belgier unter lauter Ausländern ist“, berichtet er. Und wenn der Wirt sein Lokal schließt, sagt er zum letzten Dutzend: „Ihr habt jetzt die Wahl, entweder lasst ihr euch auf ein Getränk einladen oder wir gehen zusammen essen.“

Entsprechend hart war es für Houdaert, als ihn die Liebe vor 21 Jahren in ein Dorf bei Goslar verschlug. Mit Ausländern (und das sind nach Beobachtung des Belgiers für einige Harzer bereits die Bewohner des Nachbardorfs) können die Menschen dort wenig anfangen. Houdaert wurde in den ersten Jahren nur gegrüßt, wenn er mit seiner Frau unterwegs war. Sonst drehten die Menschen den Kopf weg.

Lieber in die Bretagne

Damals sagte der Belgier: „600 Kilometer von Brüssel fortzuziehen, war schon okay, nur die Richtung stimmte nicht.“ Statt in den Harz, hätte er lieber in die Bretagne gehen sollen. „Fünf Jahre hat es gedauert, bis das Eis gebrochen war“, erinnert er sich. Die Mitgliedschaften im Kegelverein und im Gospelchor erwiesen sich als hilfreich. „Wenn der evangelische Pastor nicht gewesen wäre, hätte ich wohl die erste Zeit nicht durchgestanden“, bekennt der Katholik. Mit ihm saß er abends oft beim Wein.

Der Geistliche aß gerne Fisch. Dass passte, denn Houdaert, der in Brüssel zuletzt für eine Schmuckfirma als Buchhalter und Handelsvertreter tätig war, hatte im Raum Goslar in einer Forellen- und Karpfenzucht mit angeschlossener Räucherei Arbeit gefunden. Dort diente er sich zur rechten Hand des Chefs hoch. Vor acht Jahren machte er sich dann mit seinem eigenen Fisch- und Partyservice selbstständig. Lange hat er über den Namen der Firma nachgedacht. Französisch sollte er klingen. „Fischerie Pat“ ist dabei herausgekommen. Darin steckt das Wort Cherie („Liebling“), das Houdaert im Logo farblich hervorhebt. Anfangs war eine Durststrecke durchzustehen. Houdaert musste das Vertrauen der Kunden mit Qualtität erwerben.

An fünf Tagen in der Woche auf den Märkten

Heute steht er an fünf Tagen in der Woche auf acht Märkten der Region. 70 bis 80 Stunden arbeitet er. Die Wochenenden sind Sonntagnachmittag zu Ende, wenn der Fisch fürs Räuchern einzulegen ist. Mittlerweile könnte er weitere Verkaufswagen einsetzen. Er tut es aber nicht, weil er den Überblick nicht verlieren will. Eine Mitarbeiterin hat er in der Produktion sowie vier Aushilfen im Verkauf. „Klein bleiben ist auch eine Kunst“, sagt der Vater von vier Kindern, die in Belgien und in Deutschland leben.

Die „Fischerie Pat“, Fisch und Partyservice, ist dienstags und sonnabends auf dem Göttinger Wochenmarkt vertreten. Informationen: 01 70 / 5 85 88 19.

Von Michael Caspar

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