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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: Josef Hemetsberger aus dem Salzkammergut
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22:24 21.03.2014
Wahl-Göttinger, Fußballfan und Kaufmann: Josef Hemetsberger ist seiner Frau nach Deutschland gefolgt. Quelle: Pförtner
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Göttingen

„Ich hör die Glocken schon läuten, noch bevor der Glöckner den Turm betreten hat.“ Will heißen: Josef Hemetsberger ist immer bestens informiert. Die beiden Schreibwaren-Geschäfte des 63-Jährigen sind jedoch nicht nur Nachrichtenbörse. Sie sind auch Anlaufstelle für diejenigen, die was zu meckern haben: „Bei mir regen sie sich auf und wieder ab“, erzählt der Österreicher, der jedoch nicht nur als Prellbock fungiert, sondern auch als Kümmerer: „Viele Kunden erzählen mir ihre Sorgen und Nöte – ich höre ihnen zu und tröste sie.“

1997 eröffnete der ehemalige leitende kaufmännische Angestellte einen Laden im Nikolausberger Weg, 2004 kam ein weiterer in der Hennebergstraße (Weende) hinzu. Zum Angebot gehören unter anderem Lotto- und Toto-Annahme, Zeitungen und Zeitschriften, Zigaretten, Süßwaren, Glückwunschkarten.

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Weiterhin Schreibwaren, Schulartikel, Getränke, Busfahrkarten, die Anfertigung von Farbkopien, die Annahme von Hermes-Paketen sowie von Kleidung für eine Reinigung.

„Die Kunden loben mein breites Sortiment“, sagt Hemetsberger und weist darauf hin, dass es wichtig sei, immer auf dem Laufenden zu sein, was neue Produkte angeht, und sich – wenn nötig – von Ware, die sich nicht gut verkauft, rechtzeitig zu trennen. „Handel ist Wandel“, betont er, „das mag ich.“

Strenge Einreisebedingungen

Zum Handel gekommen ist der 1950 geborene Hemetsberger über eine Einzelhandels-Lehre in seinem Heimatort Weißenbach am Attersee, wenige Kilometer vom Wolfgangsee. In seiner Freizeit spielte er die F-Tuba bei der Trachtenmusikkapelle „Die Schobersteiner“ und fiel einer jungen deutschen Touristin auf.

„Er sah fesch aus in seiner Lederhose“, fand Heike, die er 1971 heiratete. In Göttingen. Ihre Heimat zu verlassen, das hätte die junge Frau niemals gekonnt. Ihr jetziger Mann Josef schon: „Ich war bereit zu gehen.“ Er wusste, dass er in Deutschland bessere Karrierechancen hatte.

Bevor er sich in der Bundesrepublik niederlassen durfte, musste der junge Mann aus dem Salzkammergut einen festen Arbeitsplatz nachweisen. Die Einreisebedingungen waren damals strenger als heute.

Viele Jahre lang musste Hemetsberger sich seine Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen – zunächst um sechs Monate, dann um zwölf, danach um fünf Jahre, bis schließlich die unbefristete Erlaubnis den regelmäßigen Rathaus-Gängen ein Ende setzte.

Discount-Halle, Helco, Lidl und Schmidt’s

Seine erste Anstellung fand er bei Heinrich-Bruno Schmidt, für dessen „Discount-Halle“ in der Gartenstraße er arbeitete. Zunächst als Substitut, dann als Filialleiter. Als das Unternehmen in Helco umfirmierte, wurde er Marktleiter in der Königsallee, anschließend Bezirksleiter. 1980 warb Lidl ihn ab, für zwei Jahre ging es nach Neuwied. Dann holte Schmidt ihn zurück, als Bezirksleiter für Schmidt’s Drogeriemärkte.

Hemetsberger spricht von steiler Karriere. „In Österreich hätte ich das nie geschafft, da geht alles gemächlicher zu, auch das Berufsleben.“ 1996 dann der Bruch.Schmidt’s Drogeriemärkte wurden von Rossmann übernommen, das gesamte Führungspersonal musste gehen. Auch Hemetsberger, der anschließend keinen adäquaten Job fand und sich zur Selbstständigkeit entschloss.

Bereut hat er das nie: „Kein einziger Tag war langweilig“. Ein paar Mal wurde eingebrochen, Überfälle gab es nie. Ein paar seiner Lotto-Kunden gewannen hohe Summen, nicht jedoch die Frau, die immer vier Scheine mit den gleichen Nummern spielte und – als sie in Rente ging – zwei Scheine strich. „Eines Tages kam sie völlig aufgelöst in den Laden“, erzählt Hemetsberger.

Hemetsbergers Pläne

Ihre Zahlen waren gezogen worden, die Zahlen des Scheins, den sie nicht mehr spielte. „Da habe ich mitgelitten.“ Bis 65 arbeiten, anschließend die Geschäfte seinem Sohn Sven (36) übergeben, der bereits als Angestellter den Laden im Nikolausberger Weg führt: so lauten Hemetsbergers Pläne.

Als Rentner möchte er sich mehr seinem Hobby Fußball widmen. Gegenwärtig lasse ihm die 70-Stunden-Woche dazu nur wenig Zeit. Wenn Deutschland gegen Österreich spielt, ist der Wahl-Göttinger für sein Geburtsland.

Als Hans Krankl 1978 in Córdoba das 3:2 für die Ösis markierte und Edi Finger seine berühmt gewordene Reportage ins Mikro brüllte, „bin auch ich vor Freude ganz narrisch worn“, blickt Hemetsberger glückselig zurück.

Toto-Lotto Hemetsberger:

Nikolausberger Weg 34, 05 51 / 797 55 24.
Hennebergstraße 12, 05 51 / 315 14.