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Die ganze Welt in Göttingen Porträt: Judita Tumasonyte aus Litauen
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20:08 23.05.2014
Will in Deutschland bleiben: Judita Tumasonyte aus Litauen. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Ein rustikales Ambiente hat Judita Tumasonyte ihrem Laden verpasst. Der Verkaufstresen des Geschäftes „Happy End – vieles und noch mehr“ ist aus Europaletten gezimmert, die Oberfläche ist aus Eichenbohle.

Als Vorrichtung zum Aufhängen der Bügel dient ein altes Wasserrohr, der Umkleidebereich ist komplett in Fichte und Tanne gehalten. Die Handwerksarbeiten in dem Geschäft für Secondhand-Mode und Bekleidung für Damen und Herren haben Tumasonytes deutscher Freund und seine Familie erledigt.

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Der Göttinger und die 24-jährige Litauerin haben sich vor drei Jahren kennengelernt, als sie in der Leinestadt einen Deutschkurs belegte, den sie für ihr Tourismus- und Hotelmanagement-Studium benötigte. Anschließend ging sie wieder in ihre Heimat, machte ihren Abschluss und kehrte nach Deutschland zurück. Eine Zeitlang arbeitete sie in einem Büro, bis sie sich selbstständig machte.

An Mode sei sie schon immer interessiert gewesen, sagt Tumasonyte. Sie biete ein breites Sortiment, „von Jeans bis Abendgarderobe, von sportlich bis elegant“. Neben Kleidung gibt es bei ihr auch Schuhe, Accessoires und Schmuck. Zu verkaufen sind auch die Fotografien und Collagen einer befreundeten Künstlerin. Ihre Ware bezieht die Geschäftsfrau im Großhandel – und zwar ausschließlich. „Immer wieder kommen Privatleute vorbei und wollen mir Kleidung verkaufen“, berichtet sie. „Wenn ich erkläre, dass ich nichts ankaufe, sind sie überrascht.“

„Eine eigene Mode-Kollektion“

Tumasonyte wuchs in Klaipéda auf, einer Hafenstadt mit 163 000 Einwohnern. Ihre erste Fremdsprache war Russisch, die zweite Deutsch: „Heute lernen die Kinder Englisch.“ Litauisch ist eine schwere Sprache und soll der indogermanischen Ursprache – von der so gut wie alle in Europa gesprochenen Sprachen abstammen – besonders ähnlich sein.

Die Baltin vermisst ihre Familie, überhaupt ihre Landsleute: „Sie sind nicht so verschlossen wie die Deutschen.“ An ihrer Heimat mag sie die langen Sandstrände und die Wälder, die ein Drittel Litauens bedecken. Wenn sie ihre Familie besucht – „mit dem Auto sind es 1500 Kilometer“ – serviert ihre Mutter Cepelinai (Zeppeline), mit Hackfleisch gefüllte Kartoffelklöße, sowie Saltibarsciai, kalte Rote-Beete-Suppe. Der Lebensstandard in Litauen sie niedriger als in Deutschland, viele junge Menschen gingen ins Ausland.

Ihr persönlich sei noch nie etwas passiert, sagt Tumasonyte, aber in ihrer Heimat gebe es schon mehr Kriminalität als hierzulande. Was den Sport angeht: Fußball spielt in Litauen nur eine untergeordnete Rolle, dafür ist das kleine, knapp drei Millionen Einwohner zählende Land eine der weltweit führenden Basketballnationen: „Wenn die Nationalmannschaft spielt, fiebere ich mit.“  Tumasonyte will in Deutschland bleiben und vielleicht ihren Traum wahrmachen: „Eine eigene Mode-Kollektion.“

Von Hauke Rudolph